Wege aus der Euro-Krise

09.06.12
KrisendebatteKrisendebatte, Wirtschaft, Internationales 

 

von Franz Witsch

Prof. Dr. H. Flassbeck diskutiert mit Zuhörern Wege aus der €-Krise.

Er war Finanzberater von O. Lafontaine, als dieser noch Finanzminister unter der Schröder-Regierung war, also einer, der an unsere Institutionen glaubt.
Wie auch nicht?, wird er von ihnen doch prächtig ernährt.

Er glaubt, dass der Aufbau von Schuldenblasen nichts mit dem kapitalistischen System zu tun haben. Und dass es keinen Zusammenhang zwischen wachsenden Schulden (steigender Nachfrage nach Kredit) und steigenden Zinsen gibt. Das trägt er einigermaßen eloquent vor, so in der Art: "Lassen Sie mich schnell erklären, ...".

Für meine Begriffe erklärt er allzu fahrig, so dass er nicht mehr dazu kommt, nachvoll-ziehbar in das hineinzuhorchen und vorzutragen, was er mal eben auf die Schnelle erklärt. Dann würde er vielleicht merken, dass er gar nicht nicht viel erklärt, vielmehr eher in einer Analyse des Stückwerks sich zirkel- und kurzschlüssig schlüssig im Kreise dreht. In diesem Reigen dünkt sich die Analyse ganzheitlich. Der tiefere Grund dafür ist: Flassbeck lehnt es ab, eine Kritik zu formulieren, die das bestehende kapitalistische System als Ganzes überwindet.

Der Link lautet:
http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=soEjCDnhyHc

Prof. Dr. H. FlassbeckDirektor der Abteilung für Globalisierung und Entwicklungsstrategien, UNCTAD
Vortrag vom 7. März 2012, Düsseldorf
Antworten auf Fragen aus dem Publikum

Natürlich polemisiert Flassbeck gegen Hartz4 und die Agenda 2010; dies aber ziemlich schwach, ja unredlich. Dazu nur ein Gedankengang: Bei aller Kritik an einer Politik, die auf einer Absenkung der Löhne zielt, eines verkennt Flassbeck: Nämlich das die Agenda 2010 dazu geführt hat, dass es bei uns in Deutschland nicht noch schlimmer aussieht. Richtig ist auch, die Schröder-Regierung hat mit der Agenda-2010 und Hartz4 die unsozialen Folgen der Krise in andere Länder exportiert, vor allem in südeuropäischen Länder.

Eine Politik steigender Löhne auf der Basis einer politischen Stärkung der Gewerk-schaften hätte Deutschland vor einer Krise und damit vor sozial-un-verträglichen Verhältnissen nicht bewahrt. Ohne die Agenda 2010 hätten wir in Deutschland heute noch schlimmere Verhältnisse, als wir sie heute zu unserem Leidwesen erleben.

Dass das nicht stimmen würde, behauptet Flassbeck einfach, um auf der Basis dieser Behauptung eine fragwürdige Politik zu begründen, die das kapitalistische Wirtschafts-system im Kern nicht berührt, sondern die im Kern darauf setzt, auf der Basis sogenannter wirklicher Flächentarifverträge einen wirklichen (sozusagen sozialver-träglichen) Wettbewerb unter den Unternehmen zu gewährleisten, in Abgrenzung zu einem Wettbewerb unter Ländern, in dem ein Land das andere Land niederkonkurriert.

Fazit: im Rahmen des bestehenden kapitalistischen Systems sind Flassbecks Argumente so falsch nicht, denn so Flassbeck u.a.: wenn Deutschland Frankreich vom Markt wegkonkurriere, blieben noch immer 60 Millionen Franzosen übrig, die dann eben nur nichts mehr zu produzieren hätten, aber Deutschlands Produkte dennoch weiterhin kaufen müssten, wenn Deutschland möchte, dass seine Produktion aufrechterhalten bleibt.

Das Ergebnis wäre, zu Ende gedacht: Um Deutschland herum würden alle in der Sonne liegen und sich von Deutschland ernähren lassen. Dies von dem richtigen Satz ergänzt: Güter würden nicht mit Geld bezahlt, sondern mit Gütern. Geld sei in diesem Zusammenhang nur Illusion. 

Dieser letzte Satz ist dummes Zeug: für mich eine typische Halbwahrheit, die ich auch zur Hälfte nicht zu akzeptieren vermag. Nun, für mich ist Flassbeck - Keynesianer, der er ist - ein Meister der Halbwahrheit, um damit aber die ganzheitliche Analyse zu verfehlen, wiewohl er behauptet, das Ganze zu analysieren.

https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=soEjCDnhyHc

www.film-und-politik.de

 

 

 

 


VON: FRANZ WITSCH






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