Der Mensch als "Vermittlungsgutschein" bzw. Nummer - in der harmonischen deutschen Marktwirtschaft des Kapitals 2010/11.

01.12.10
SozialesSoziales, Wirtschaft, TopNews 

 

Von Reinhold Schramm

Der Arbeits- und Menschenmarkt in der "Sozialen Marktwirtschaft" des Kapitals. Arbeitskräfte-, Profit- und Quellenvermittlung, - möglichst in Billig- und Zeitarbeit.

Der "Vermittlungsgutschein über 2000,00 Euro" vom "JobCenter". 1)

"Mit diesem Vermittlungsgutschein können Sie einen oder mehrere private Vermittler Ihrer Wahl in Anspruch nehmen. - Unabhängig davon können Sie selbstverständlich unsere Vermittlungsangebote weiterhin in Anspruch nehmen."

Der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Stefan Sell von der Fachhochschule Koblenz-Remagen geht von einem hohen Missbrauchspotential aus. Er sagte: "Bei den über 80 Mio. Euro, die insgesamt für die Gutscheine in die private Arbeitsvermittlung fließen, kann man sicherlich von einem Missbrauchsvolumen im zweistelligen Millionenbereich ausgehen." Der DGB-Vorstand Wilhelm Adamy beklagt, es gebe bei den Arbeitsagenturen zu wenig Personal, um alle Missbrauchsfälle aufzudecken. Er fordert die Bundesregierung deshalb auf, den Einsatz des Vermittlungsgutscheins zu beschränken, etwa auf die Vermittlung von Langzeitarbeitslosen. [1]

"Der oben angegebene Betrag wird an einen von Ihnen eingeschalteten privaten Vermittler gezahlt, wenn Sie von ihm in ein Beschäftigungsverhältnis vermittelt wurden. Die Zahlung erfolgt in Höhe von 1.000 Euro nach einer sechswöchigen Dauer des Beschäftigungsverhältnisses. Der Restbetrag wird gezahlt, wenn das Beschäftigungsverhältnis sechs Monate gedauert hat."

"Die Vergütung wird nur gezahlt, wenn
- es sich um eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit einer Arbeitszeit von mindestens 15 Stunden wöchentlich handelt,
- von vornherein eine Beschäftigungsdauer von mindestens drei Monaten vereinbart wurde,
- Sie bei demselben Arbeitgeber während der letzten vier Jahre vor der Arbeitslosmeldung nicht oder nicht länger als drei Monate versicherungspflichtig beschäftigt waren,
- der von Ihnen eingeschaltete Vermittler nicht bereits von der Agentur für Arbeit mit Ihrer Vermittlung beauftragt ist,
- Sie vor der Vermittlung mit dem Vermittler einen schriftlichen Vermittlungsvertrag geschlossen haben,
- der Vermittler aufgrund dieses Vertrages gegen Sie einen Anspruch auf eine Vermittlungsvergütung hat und
- der Vermittler nachweist, dass er die Arbeitsvermittlung als Gegenstand seines Gewerbes angemeldet hat. 2)"

"Wichtig: Haben Sie mit einem privaten Vermittler einen Vermittlungsvertrag geschlossen und ihm den Vermittlungsgutschein vorgelegt, ist die vereinbarte Vermittlungsvergütung kraft Gesetzes bis zur Auszahlung des Gutscheins durch die Agentur für Arbeit gestundet."

1) "Die Vermittlung muss innerhalb der Gültigkeitsdauer erfolgen. Maßgebend ist der Tag, an dem der Arbeitsvertrag geschlossen wird, bei vorheriger mündlicher Einigung oder im Falle einer Einstellungszusage jedoch der Tag der Einigung oder Zusage."
2) "ausgenommen unter bestimmten Voraussetzungen im Falle der Vermittlung schwer behinderter Menschen." [2]

Die internen Missbrauchswarnungen über den "Vermittlungsschein" werfen ein Licht auf die Vermittlungspraktiken zwischen privaten Arbeitsvermittlern und Unternehmen. Meist gibt es enge personelle und wirtschaftliche Verflechtungen, so dass eine echte Vermittlung eines Arbeitslosen nicht stattfindet. Dennoch haben private Arbeitsvermittler und/bzw. "private Dienstleister" in diesen Fällen Gutscheine mit den staatlichen "Arbeitsagenturen" und den "Jobcentern" abgerechnet. Sie bekommen dafür bis zu 2.000 Euro. [1]


Quellen: [1] Der Sozialticker - am 2. November 2010: "Systematischer Missbrauch mit Vermittlungsgutscheinen", "52 aktuelle Missbrauchswarnungen in interner Datenbank der Bundesagentur für Arbeit". *)
http://www.sozialticker.com/systematischer-missbrauch-mit-vermittlungsgutscheinen_20101102.html
*) Quelle: Presse ARD-Politmagazin REPORT MAINZ (SWR)
[2] "Vermittlungsgutschein" - "JobCenter Tempelhof-Schöneberg" (Berlin) - "nach § 16 Abs. 1 SGB II ..." usw.







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