Bundesrat entscheidet über Kontrollen an toten Tierkörpern

06.05.21
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Statement von PETA: „Es müssen dringend alle Tiere berücksichtigt werden“

Gesetz zu Routinekontrollen von toten Tierkörpern bedarf weiterer Anpassungen

Morgen stimmt der Bundesrat über eine Änderung des Tierschutzgesetzes ab. Diese würde es Behörden ermöglichen, Tierschutzkontrollen an toten Tierkörpern vorzunehmen. Außerdem soll die Herkunft der Tiere durch Kennzeichnungen zurückverfolgt werden können. Ziel des Gesetzes: Sogenannte Verarbeitungsbetriebe für tierische Nebenprodukte (VTN-Betriebe) – früher auch Tierkörperbeseitigungsanlagen genannt – sollen künftig routinemäßig überprüft werden. So können posthum mögliche Tierschutzverstöße entdeckt und geahndet werden. Denn Studien hatten beispielsweise gezeigt, dass ein großer Teil der untersuchten Schweine aus der Ernährungsindustrie schon vor dem Tod unter erheblichen, meist haltungsbedingten Qualen litt. [1] Lisa Kainz, Agrarwissenschaftlerin bei PETA, begrüßt diese Entwicklung. Die Tierrechtsorganisation stellt aber auch gravierende Versäumnisse bei den Empfehlungen des Agrarausschusses an den Bundesrat fest:

„Wir begrüßen, dass unsere langjährige Forderung nach Kontrollen in VTN-Betrieben endlich in einen Gesetzesentwurf mündet. Ebenso unterstützen wir die Forderung des Agrarausschusses des Bundesrats, dass neben Schweinen und Rindern auch Ziegen, Schafe und Pferde berücksichtigt werden sollen. Unverständlich ist jedoch, dass Puten, Hühner, Enten und Gänse weiterhin ausgeklammert werden. Denn laut Agrarausschuss ‚muss der Geltungsbereich die wesentlichen Arten der landwirtschaftlichen Nutztiere umfassen‘. Die große Anzahl an Tieren und der damit verbundene Mehraufwand in der Geflügelindustrie darf kein Grund sein, sie von den Untersuchungen auszuschließen.

Die Bundesregierung kennt die artwidrigen Haltungsbedingungen in den Zucht-, Mast- und Eierbetrieben. Ebenso ist sie über daraus entstehende Tierquälereien bestens im Bilde. Oft enden diese noch in den Ställen tödlich. Sobald die Körper vernichtet wurden, können Missstände und Straftaten jedoch nicht mehr nachgewiesen werden – und ohne Beweise werden Täter und Täterinnen nicht bestraft. Wir fordern daher, alle Tiere zu berücksichtigen, die in der Ernährungsindustrie ausgebeutet werden. Spezielles Augenmerk muss auch auf den Neugeborenen liegen. Denn insbesondere in der Milchindustrie und Schweinezucht werden zahlreiche Kälber und Ferkel häufig illegal getötet oder absichtlich vernachlässigt. Und das meist aus einem einzigen Grund: weil sie nicht profitabel sind. Entsprechend sollten Veterinärbehörden möglichst täglich die Tierkörper kontrollieren, nicht nur stichprobenartig. Ansonsten werden die gleichen Probleme wie in der Tierhaltung auftreten: seltene oder unzureichende Kontrollen durch zu wenig Personal sowie befangene oder eingeschüchterte Veterinäre und Veterinärinnen. An der Situation der ohnehin leidtragenden Tiere würde sich sonst wenig ändern.“

Wir weisen darauf hin, dass das Statement auch in gekürzter Form verwendet werden kann.

 

[1] Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover (2017): Untersuchungen an verendeten/getöteten Schweinen in den Verarbeitungsbetrieben für tierische Nebenprodukte. Online abrufbar unter: https://www.tiho-hannover.de/universitaet/aktuelles-veroeffentlichungen/pressemitteilungen/detail/untersuchungen-an-verendeten-getoeteten-schweinen-in-verarbeitungsbetrieben-fuer-tierische-nebenprodukte. (03.05.2021).







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