Stilllegung des Kohlekraftwerks Moorburg ist ein Erfolg der Klimabewegung

07.07.21
UmweltUmwelt, Bewegungen, Hamburg, TopNews 

 

Von Robin Wood

ROBIN WOOD warnt vor einem Umstieg auf andere klimaschädliche Energieträger und fordert eine echte Energiewende

Heute wird das Hamburger Kohlekraftwerk Moorburg endgültig außer Betrieb genommen. ROBIN WOOD wertet dies als Erfolg der Klimabewegung und von Umweltorganisationen, die sich über viele Jahren mit vielfältigen Protest- und Aktionsformen gegen den Klimakiller eingesetzt haben. Zugleich warnt ROBIN WOOD davor, dass der Kohleausstieg zum Einstieg in die andere klimaschädliche Energieformen wird.

Mit der Abschaltung des von Vattenfall betriebenen 1.600-Megawatt-Kraftwerks werden jährlich bis zu acht Millionen Tonnen CO2 eingespart. Das Kohlekraftwerk wurde zudem mit importierter Steinkohle betrieben, die überwiegend unter katastrophalen ökologischen und sozialen Bedingungen abgebaut wurde – auch dies ist zumindest an diesem Standort nun Geschichte.

Ronja Heise, Energiereferentin von ROBIN WOOD, kommentiert:

„Dass das Kraftwerk Moorburg vom Netz genommen wird, ist ein Grund zum Feiern! Es ist ein enormer Gewinn für das Klima und für die Menschen in den Regionen, in denen der zerstörerische Steinkohleabbau stattfindet. Dieser Erfolg wurde von der Klima- und Umweltbewegung hart erarbeitet und zeigt, wie stark wir sind, wenn unterschiedliche Formen des Protests zusammen kommen.

Gleichzeitig ist es ein Skandal, dass das Kraftwerk überhaupt in Betrieb genommen wurde und die Steuerzahlenden jetzt für Vattenfalls wirtschaftliche Fehlkalkulation und klimapolitische Verantwortungslosigkeit aufkommen müssen. Hier lässt sich ein großes Unternehmen ein Kraftwerk mit einer Millionen-Entschädigung vergolden, das nicht rentabel zu betreiben ist.

Die Abschaltung ist zugleich auch Anlass, weiter Druck zu machen: Der Ausstieg aus der Kohle muss deutlich schneller gehen, als aktuell von der Politik vorgesehen – und er darf nicht zum Einstieg in andere klimaschädliche Energieformen dienen!

Wir von ROBIN WOOD fordern, dass das Ende des Kohlekraftwerks Moorburg eine wirklich erneuerbare Energiewende in Hamburg einläutet! Keine der angeblichen Lösungen – ob Erdgas, Wasserstoff oder Biomasse – sind geeignet, Hamburg im großen Stil klimafreundlich, ökologisch und sozial gerecht mit Strom und Wärme zu versorgen. Stattdessen brauchen wir einen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion, eine stärkere Förderung von Energieeffizienz und -einsparung sowie eine zügige Umstellung des Hamburger Fernwärmenetzes auf erneuerbare Wärme.

Die Hamburger Klima- und Umweltbewegung wird weiterhin wachsam bleiben und sich entschlossen für Klimaschutz und eine echte Energiewende in der Hansestadt einsetzen.“

Termin-Hinweis:
Für Samstag, den 10. Juli, laden verschiedene Hamburger Klimagruppen zu einer „Abschaltparty“ ein. Los geht es ab 15:00 Uhr mit einer Fahrrad-Demo ab dem S-Bahnhof Veddel. Um 16:00 Uhr wird es eine Kundgebung am Kraftwerk geben.

Zum Hintergrund:
Vattenfall hatte das Kraftwerk Moorburg Ende 2020 der Bundesnetzagentur zur Stilllegung im Rahmen des Kohleausstiegsgesetzes vorgeschlagen. Als eines von elf Kraftwerken bekam Moorburg den Zuschlag für eine Entschädigung. Ab dem 1. Januar 2021 durfte Vattenfall daher keinen Strom mehr aus Moorburg verkaufen, sondern das Kraftwerk nur noch zur Netzstabilisierung bereithalten. Ab heute darf in Moorburg nun endgültig keine Kohle mehr verfeuert werden.

Das Kraftwerk war für den Betreiber Vattenfall nicht mehr rentabel zu betreiben. Grund dafür waren neben der Konkurrenz durch günstigen Strom aus erneuerbaren Energien die politischen Erfolge der Umweltbewegung. Dazu gehörte die Verhinderung des Kraftwerk-Anschlusses an das Fernwärmenetz durch eine im Winter 2009/10 von ROBIN WOOD-Aktivist*innen und der Bürgerinitiative „Moorburgtrase stoppen“ durchgeführte Baumbesetzung sowie eine erfolgreiche Klage des BUND Hamburg. Der Fernwärmeanschluss hätte die Rentabilität des Kraftwerks erhöht und die Umgestaltung der Wärmeversorgung in Hamburg weiter verzögert.

ROBIN WOOD-Aktivist*innen haben über viele Jahre hinweg immer wieder gegen das Kraftwerk protestiert, u.a. 2019 mit einer spektakulären Kletteraktion am Kühlturm des Kraftwerks.







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