NaturFreunde und „Bündnis StadtNatur in K 61“ organisieren Aktion zum Weltspatzentag

20.03.21
UmweltUmwelt, Bewegungen, Berlin, TopNews 

 

Von NaturFreunde Berlin

„Kahlschlag beenden! Nistplätze erhalten!“

Der freche Spatz gehört zu Berlin und hier hört man sein fröhliches Tschilpen noch häufig. Doch das ist keineswegs mehr selbstverständlich. Überall wird ‚aufgewertet‘, aufgestockt, abgerissen. Mieter*Innen müssen um ihre Bleibe fürchten, weil die Häuser verkauft werden. Nicht anders ergeht es den Spatzen. Der Wohnraum wird immer teurer und dabei schrumpft auch die Artenvielfalt, die in Berlin eng an Gebäude geknüpft ist.

So droht eine Spatzenkolonie nach der anderen zu verschwinden, solange der gesetzliche Vogelschutz bei Städtebau, Freiflächenplanung und Architektur kaum berücksichtigt wird.

Die Charta Stadtnatur läuft ins Leere, wenn mit der Versiegelung von Gebäuden und naturfernen Raumkonzepten auf öffentlichem Grund unaufhörlich die Lebensgrundlagen stadttypischer Brutvögel verloren gehen. In deutschen Großstädten wird in nur wenigen Jahrzehnten ein dramatischer Bestandsrückgang an Spatzen verzeichnet. Wie still es werden kann, ist zum Beispiel in Hamburg, Köln, München, Hannover zu beobachten.

Dazu erklärt Lothar Eberhardt (Vorsitzender NaturFreunde Friedrichshain-Kreuzberg): „Bei Sanierungsarbeiten werden gesetzlich geschützte Nisthöhlen beseitigt, oft rücksichtslos während der Vogelbrutzeit, ohne dass die gesetzlich vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen eingehalten werden. Ortstreue Vögel wie Spatzen können sich kaum mehr anpassen, denn das erreichbare Umfeld wird meist ebenfalls saniert und Neubauten sollen hermetisch glatt und makellos sein.“

Spatzen sind als Kulturfolger dringend auf die Stadt und die Nähe zum Menschen angewiesen. Sie benötigen im engen Umfeld zu den Brutplätzen ausreichend Nahrungsquellen sowie Schutzgehölze, denn sie überleben nur im Sozialverbund. Mit dem radikalen Säubern von Sträuchern, Laub und Unterholz gehen auch die Nahrungsquellen, Rückzugsräume und Insektenvorkommen verloren.

Haussperlinge sind ganzjährig besonders geschützt, nach Bundesnaturschutzgesetz §44 Abs. 1 und EG-Vogelschutzrichtlinie. Brutplätze dürfen nur bei wichtigen Gründen und nur mit Genehmigung der Naturschutzbehörde entfernt werden. Hierbei ist das Tötungsverbot einzuhalten und künstliche Nisthilfen müssen in Form des ökologischen Ausgleichs die zerstörten Brutplätze ersetzen.

Dazu erklärt Angela Laich (Bündnis StadtNatur in K 61): „Die Berliner Charta Stadtnatur steht als Versprechen im Raum, in der Praxis kommt es regelmäßig zu Konflikten und entsetzten Anwohner*Innen, die nicht selten erleben müssen, wie Vogelnester vor ihrer Haustür einfach zugeschmiert werden, weil Behörden handlungsunfähig sind und vollendete Tatsachen geschaffen werden. Im Nachhinein sind zerstörte Nester nicht mehr nachweisbar.“

Derzeit steht in Berlin die Novelle der Bauordnung Berlin (BauO Bln) an. Ein Referentenentwurf soll im Sommer abgestimmt werden. Die neue BauO Bln enthält den Ökoparagrafen §8. An der Novelle wurden nach der Gemeinsamen Geschäftsordnung für die Berliner Verwaltung (39 GGO-II) ganze 31 Fachkreise und Verbände beteiligt, von der Messe Berlin GmbH über den Bauindustrieverband bis zur BVG.

Dazu erklärt Uwe Hiksch (stellv. Landesvorsitzender der NaturFreunde Berlin): „Wir wollen erreichen, dass die anstehende Novelle der Bauordnung für Berlin nicht einseitig dazu führt, dass Baugenehmigungsverfahren beschleunigt werden und die Stellungnahmefrist für die Stadtplanungsämter auf einen Monat verkürzt wird. Hektik und Schnelligkeit in diesem Bereich führen zu einer weiteren Vernachlässigung der Interessen von Natur und Tieren. Grundsätzlich erwarten wir, dass Naturschutzverbände in Zukunft über die geplanten Maßnahmen besser informiert werden und eine rechtssichere Möglichkeit erhalten, auf den anstehenden Baustellen zu überprüfen, ob Nistplätze für Vögel zerstört werden. Nur so können konkrete Vorschläge für einen wirksamen Vogelschutz erreicht werden. Die NaturFreunde sehen jedoch derzeit, dass die Fraktionen im Abgeordnetenhaus vor allem Schnelligkeit und noch dichteres Bauen in Berlin vor Artenschutz und Naturschutz stellen. Deshalb wird es Aufgabe der Naturschutzverbände bleiben, sich für einen konsequenten Artenschutz in Berlin zu engagieren.“

Weltspatzentag:

Seit 2010 findet jedes Jahr am 20. März der Weltspatzentag statt. Der Weltspatzentag wurde von der Nature Forever Society (NFS) initiiert. Mit dem Tag möchten die Initiator*innen aufmerksam machen, dass der Bestand der Spatzen so sehr gesunken ist, dass der Haussperling in die Vor-Warnliste bedrohter Arten aufgenommen werden musste.







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