Öko-Institut verwickelt sich in Widersprüche bei der Bewertung des AKW Tihange


Bildmontage: HF

15.11.18
UmweltUmwelt, Bewegungen, NRW, TopNews 

 

Vermeintlich atomkritisches Mitglied der Reaktor-Sicherheitskommission ist unglaubwürdig

Von "Stop Tihange"

Das Öko-Institut verwickelt sich in widersprüchliche Aussagen je nach Opportunität. Im April bewerten sie die AKW Tihange 2 und Doel 3 noch als unsicher - und einen Monat später, ohne bekannte neue Fakten, rückt man von dieser Kritik wieder ab.

Mittlerweile ist allgemein bekannt, dass Mitglieder der RSK trotz wirtschaftlicher Abhängigkeit zu den Betreibern der belgischen AKWs ihre Bewertung zu selbigen abgegeben haben (https://www.tagesschau.de/kritik-tihange-gutachten-101.html). Nun wird zusätzlich bekannt, dass das vermeintlich “saubere” Öko-Institut in dem Spiel um die Sicherheitsbewertung der maroden AKWs auch eine fragwürdige Rolle spielt.

Erstaunlicherweise gab der Vorsitzende der Reaktor-Sicherheitskommission (RSK) Rudolf Wieland öffentlich bekannt, dass auch Christoph Pistner vom Öko-Institut die Stellungnahme der RSK zum Sicherheitnachweis von Tihange mitgetragen hat, obwohl das Abstimmungsverhalten geheim ist. Pistner hat bislang weder zugegeben noch dementiert, dass er die Stellungnahme mitgetragen habe. „Deswegen müssen wir als atomkritische Organisation leider davon ausgehen, dass das Öko-Institut diese Stellungnahme unterstützte.“ so Walter Schumacher von Stop Tihange e.V..

Noch im April hatte das Öko-Institut in Aachen erhebliche Kritikpunkte am AKW Tihange vorgetragen. Schon im Mai widersprach dasselbe Institut seinen eigenen Kritikpunkten durch Unterstützung der Stellungnahmen der RSK. Diese Widersprüche betreffen folgende Themenbereiche:

  • Zuverlässigkeit des Ultraschallverfahrens
  • Relevante Störfallbelastung
  • Entstehungsursachen der jeweiligen Risse

Die Details der Widersprüche finden Sie unten (1)

„Da die Mitarbeit in der RSK wie auch die bei der im April stattgefundenen Konferenz in Aachen Ehrenämter sind, sind wir ratlos über mögliche Motive und diesen Sinneswandel. Eine neue Faktenlage ist jedenfalls unbekannt. Offensichtlich haben bei der RSK Atomkritiker keine Stimme.“ sagt Jörg Schellenberg enttäuscht.

 


(1) Fragen an das Öko-Institut, gestellt am 29.07.2018 zu den widersprüchlichen Punkten (bislang ohne Antwort)

Zuverlässigkeit des Ultraschallverfahrens

Zu den verwendeten Ultraschallverfahren und der Zuverlässigkeit mit der Risse detektiert werden können schreiben Simone und Du im April 2018:

„Wissenschaftliche Erklärungen von der Interpretation einzelner Experten abhängig“
 
“Die Bewertung der Ergebnisse der Ultraschalluntersuchungen stützt sich im Wesentlichen auf die bildhafte Darstellung der Risse, Root Cause Analysen und die Erfahrung weniger Experten.“
 
Quelle 13. und 14.04.2018 - INRAG Public Conference - Dipl.-Ing. S. Mohr, Dr. C. Pistner -Öko-Institut e. V.    https://www.staedteregion-aachen.de/fileadmin/user_upload/S_13/Dateien/Tihange-Expertentagung/INRAG_Mohr.pdf


Die RSK stellt in ihrem Bericht von Mai 2018 (gut einen Monat später) zum Thema Ultraschall fest:

„Die vorgetragene Analyse entspricht der Anregung der RSK. Sie zeigt, dass potenziell verdeckte Flockenrisse nur einen geringen Einfluss auf  den  maximal  auftretenden  Spannungsintensitätsfaktor  haben  und  davon  ausgegangen  werden  kann,  dass  dieser  Einfluss  durch  die  in  der Nachweisführung berücksichtigten konservativen Annahmen und Sicherheitsfaktoren abgedeckt ist. Der offene Punkt ist daher aus Sicht der RSK abgeschlossen.“

Wie kommen diese unterschiedlichen Einschätzungen zustande? Laut RSK datiert die jüngste Quelle auf den 02.02.2018, liegt also klar vor Deiner Aussage im April 2018 in Aachen.


Relevante Störfallbelastung

Zur Frage der Berücksichtigung von Strähnen heißt es im April 2018 „Es bestehen Zweifel, dass die Modellierungen der Störfallbelastungen ausreichend abdeckend sind.“ https://www.staedteregion-aachen.de/fileadmin/user_upload/S_13/Dateien/Tihange-Expertentagung/INRAG_Mohr.pdf

Die RSK stellt im Mai des selben Jahres dazu fest:

„Mit der Bestätigung von BelV zum Design der Anlagen Doel 3 und Tihange 2 sieht die RSK eine Basis, das Vorgehen  der  belgischen  Seite  hinsichtlich  von Thermoschockbelastungen  zu bewerten.  Bereits frühere Forschungsvorhaben [20] haben gezeigt, dass  die Annahme  einer rotationssymmetrischen   Temperaturverteilung   und   die   Vernachlässigung   einer Strähnen-/Streifenkühlung für Anlagen mit Westinghouse-Design berechtigt sind. Damit kann die RSK die Vorgehensweise der belgischen Institutionen zu den Thermoschockbelastungen nachvollziehen, der offene Punkt ist geschlossen.“

Wie kommen diese unterschiedlichen Einschätzungen zustande? Laut RSK datiert die jüngste Quelle auf den 02.02.2018, liegt also klar vor Deiner Aussage im April 2018 in Aachen.


Entstehung der Risse

Im Oktober 2016 fragst Du selbst nach anderen Ursachen für die Fehlstellen in „Begutachtung der Antworten der FANC auf 15 anlässlich des Workshops am 11./12. Januar 2016 von deutscher Seite übergebene Fragen zu den Befunden in belgischen KKW“ und zwar ist dort folgendes zu lesen:

“„Wasserstoffflocken“ immer ungünstigste Annahme?”
 
sowie

“Schlussfolgerung „herstellungsbedingte wasserstoffinduzierte Risse (Wasserstoffflocken)“ geht in Interpretation der Ultraschallanzeigen und deren Qualifizierung ein ? können andere Ursachen (ggf. nur für einen Teil der Anzeigen) ausgeschlossen werden?”

https://www.umwelt.nrw.de/fileadmin/redaktion/PDFs/umwelt/anlagensicherheit/gutachten_belgische_atomkraftwerke.pdf

Und das greift genau unsere Kritikpunkte auf, es gib keinen plausiblen Grund weshalb sie aus der Herstellung stammen sollten, denn man hätte sie bei den Abnahme-Untersuchungen finden müssen, dies schreibt auch die FANC.

Zusätzlich gibt es ein Gutachten, das ein anderes Erklärungsmuster aufzeigt (http://not2d3.be/pdf/Bogaerts-WF..._Hydrogen-and-NPP-Life-Management_Doel3-and-Tihange-2_sept2015.pdf ) als auch die Untersuchungen von Prof. Boonen, der berechnet hat, dass es nicht genügend Wasserstoff während des Herstellungsprozesses gibt, um diese Anzahl an Fehlstellen zu generieren. https://www.staedteregion-aachen.de/fileadmin/user_upload/S_13/Dateien/Tihange-Expertentagung/INRAG_Boonen.pdf

Welche neuen Quellen haben dazu geführt, dass Du folgenden Satz mitgetragen hast:


„Es ist nachvollziehbar und plausibel, dass es sich bei den Befunden um herstellungsbedingte Flockenrisse  handelt.“







<< Zurck
Ja, auch diese Webseite verwendet Cookies. Hier erfahrt ihr alles zum Datenschutz