Voll die Härte


11.10.18
UmweltUmwelt, Wirtschaft, Ökologiedebatte, TopNews 

 

Von WWF

WWF-Marktanalyse: Deutschlands Hunger auf Aluminium und Stahl und dessen Folgen für die Umwelt.

Exportweltmeister Deutschland ist einer der größten Stahl- und Aluminiumimporteure der Welt, Tendenz steigend. Und dieser Metallhunger verursacht laut einer aktuellen WWF-Marktanalyse massive Umweltschäden. Der Abbau von Mineralien wie Eisenerz, Bauxit und Co. macht auch nicht Halt vor Schutzgebieten und Weltnaturerbestätten. Der WWF fordert daher unter anderem gesetzlich festgeschriebene Umwelt- und Sozialmindestanforderungen für den Import mineralischer Rohstoffe in die EU.

Jörg-Andreas Krüger, Geschäftsleiter Naturschutz beim WWF Deutschland, kritisiert den „blinden Fleck“ des deutschen Wirtschaftsbooms: „Exportweltmeister Deutschland darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen bei Fragen der Rohstoffgewinnung. Unternehmen müssen verpflichtet werden, die negativen Auswirkungen ihrer Aktivitäten und Geschäftsbeziehungen auf Menschenrechte und Umwelt entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu kennen und ihnen entgegenzuwirken.“

Im Jahr 2016 war Deutschland größter Importeur von Eisen- und Stahlprodukten und lag bei Aluminium weltweit auf Platz zwei. Schlüsselindustrien wie die Automobilbranche, das Bauwesen und der Maschinen- und Anlagenbau zählen zu den Hauptabnehmern. Fast 100 Prozent der in der deutschen Metallverarbeitung eingesetzten Metallerze beziehen deutsche Unternehmen aus dem Ausland. Laut WWF-Marktanalyse stammt gut die Hälfte der Eisenerze aus Brasilien. Zehn Prozent der Waldrodungen im Amazonas sind dort direkte und indirekte Folge des Bergbaus. Der Bedarf an dem Aluminium-Grundstoff Bauxit wird sogar zu 95 Prozent mit Importen aus dem zentralafrikanischen Guinea gedeckt.

Für den Abbau der in der Metall- und Aluminiumerzeugung benötigten Mineralien und die Metallproduktion selbst werden weltweit Wälder gerodet, Flüsse verschmutzt, Grundwasservorkommen ausgebeutet und Treibhausgase freigesetzt. Die internationalen Mining-Konzerne dringen dabei immer weiter vor in Schutzgebiete und Weltnaturerbestätten, kritisiert der WWF. So seien aktuell zum Beispiel das Great Barrier Reef in Australien, der Nationalpark Emas im brasilianischen Savannenhochland Cerrado oder das Strenge Naturreservat am Mount Nimba im Länderdreieck von Guinea, Liberia und der Elfenbeinküste von Bauxit- und Eisenerzprojekten betroffen.

„Deutsche Unternehmen wissen trotz ihres großen Metallbedarfs oft nicht, woher ihre Rohstoffe kommen und welche teils katastrophalen Auswirkungen auf Mensch und Natur deren Gewinnung weltweit hat“, kritisiert WWF-Mann Jörg-Andreas Krüger. „In Nationalparks, Weltnaturerbestätten und in hochsensiblen Ökosystemen hat Rohstoffgewinnung nichts verloren. Dieses klare Bekenntnis erwartet der WWF von der deutschen Wirtschaft.“

Beim ökologischen Fußabdruck, den der Abbau von Mineralien für die Metallgewinnung verursacht, sind dessen indirekten Folgen laut WWF derzeit zu wenig beachtet. So gehört zu den Auswirkungen des Tagebaus in der Mine von Vale im brasilianischen Carajás auch die fast völlige Zerstörung von Regenwald entlang der 80 Meter breiten und 890 Kilometer langen Schienenstrecke, über die das Erz zum Atlantik transportiert wird.

Eisenerze und Bauxit sind unerlässlich für die Autoindustrie, den Maschinenbau oder das Bauhandwerk. Aber auch in Konsumgütern wie Küchengeräte und Mobiltelefone oder in Verpackungen – von der Getränkedose bis zur Kaffeekapsel stecken die beiden Rohstoffe. Aluminium und Eisen werden auch beim Umbau des Energiesektors benötigt – zum Beispiel beim Bau von Windturbinen oder Solarkraftwerken. Jörg-Andreas Krüger: „Deutschland kann zeigen, wie die Energiewende zum wirklichen Gewinn und nicht zum Bumerang für die Umwelt wird. Dazu braucht es aber ein konsequentes Handeln der Politik, was den Import von Mineralien und Rohstoffen in die EU und nach Deutschland angeht.“

Hintergrund zur WWF-Marktanalyse „Rohstoffboom zwischen Gewinnen und Verlusten“:

Die Analyse befasst sich mit den Rohstoffimporten der aluminium- und stahlintensiven Sektoren in Deutschland. Sie beschreibt die Umweltauswirkungen, die an den Abbausstätten und während der Produktionsverfahren entstehen. Die Analyse zeigt auch künftige Entwicklungen und Herausforderungen für die deutsche Wirtschaft entlang der Lieferketten auf. Außerdem benennt der WWF die zentralen Stellschrauben für Politik, Wirtschaft und Verbraucher, um mehr Nachhaltigkeit in die Herstellungs- und Lebenszyklen von Eisen, Stahl und Aluminium zu bringen.







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