Notizen vom Kriege

03.09.16
InternationalesInternationales, Debatte, TopNews 

 

Von Karl Wild

Kriegstagebuch August 2016

Für diesen Monat könnte das Kriegstagebuch ausfallen – seit spätestens Juni sind alle Karten gemischt und an die Spieler ausgegeben. Schwerste Kämpfe toben an den Hauptfronten des Anti-Terror-Krieges der verschiedenen Kriegskoalitionen gegen den IS, der faktisch vor allem durch massives Bombardement pulverisiert wird und deshalb zu verstärkter Attentatstätigkeit besonders in seinen Kernlanden übergeht. Allgemein gesprochen eskaliert die Gewalt, ob von isolierten Einzeltätern oder durch reguläre Bodenoperationen, speziell der syrischen Kurd*innen. Kein Wort im Internet oder den herkömmlichen Medien zu Kriegsaktivitäten Deutschlands. Hier herrscht das große Schweigen!

Nebensächlicher Hintergrund: Zwei dt. Gedenktage

Am 13. August 1961 begann mit dem Bau der Berliner Mauer die Abschottung der westlichen Besatzungszonen von seinem östlichen Teil und am 17. August 1956 wurde das KPD-Verbot wirksam. Während das eine Ereignis faktisch totgeschwiegen wird, überschlagen sich beim anderen wie jedes Jahr die Trauerfeiern und Zeitzeugenberichte. Die "Mauer" und deren Opfer sind Anlass, um die Verbrechen des "Kommunismus" im Gedächtnis wachzuhalten. Jeder Mauertote verdammt ohne den Zweifel einer histoischen Betrachtung der Nachkriegszeit und des Kalten Krieges einseitig das "Regime" in Pankow und zwingt die Nachgeborenen zur Stellungsnahme. Unbesehen, jeder durch staatliches Regime zu Tode gekommene ist einer zuviel. Grenzbefestigungen und Mauern gibt es gerade heutzutage immer mehr; von der mexikanisch-US-amerikanischen Abschottung, die unzählige Opfer fordert, hin zum Zaum ums spanische Ceuta oder den israelischen Wall zur Isolierung der Westbank in Palästina. Die opferreichste Grenze kommt ohne Mauern aus: die Festung Europa schützt im Süden das Mittelmeer; hier ertrinken jedes Jahr Tausende, da es sichere Zugänge für Flüchtline nicht gibt. War die Berliner Mauer, der antifaschistische Schutzwall, primär nach Innen gerichtet und sollte die Republikflucht verunmöglichen, so stehen die Mauern heute gegen den Feind von Außen. Wer da ohne Schuld, der werfe den ersten Stein! Das KPD-Verbot kann zweifach gelesen werden. Einerseits als ungebrochene Kontinuität der Deutschen von Hitler zu Adenauer oder als Ausdruck des Anti-Totalitarismus, des Kampfes der "Freiheit" gegen Faschismus und Stalinismus gleichermaßen. Es bleibt aber das Kofschütteln über die Adenauerzeit, die mit den alten Eliten aus Militär, Unternehmer- und Beamtenschaft der "braunen" Zeit eine demokratische Gesellschaft aufbaute, während die kommunistischen Opfer wieder ins selbe Gefängnis, verurteilt von den selben Richtern, einfuhren. Über die radikale Linke schwebt bis heute die Verbotsdrohung, wer den "Marxismus-Leninismus" befürwortet. Kein Leidtragender der Kommunistenhatz in den 50er/60er Jahren wurde bis heute rehabilitiert oder entschädigt.

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Hier nur ein Überblick über Auseinandersetzungen und Anschläge im August: London 03.08. (Messerattacke); Belgien 06.08. (Angriff auf Polizeiwache); Kaschmir (monatelange Unruhen mit mehr als 50 Tote); Äthiopien (hunderte Tote bei Protesten gegen die Regierung); Pakistan 09.08. (Anschlag auf ein Krankenhaus); Schweiz 13.08. ( Brandanschlag in einem Zug); Kurdistan (diverse Anschläge der PKK auf Sicherheitskräfte); Jemen 15.08. (Luftangriff auf ein Krankenhaus; "Ärzte ohne Grenzen" verlassen das Land); Kurdistan 21.08. (IS-Bombe gegen eine kurdische Hochzeitsgesellschaft, allein 30 tote Kinder); Somalia 21.8. (Doppelanschlag mit Autobomben); Hotel in Australien 24.08. (Franzose greift Hotelgäste mit Messer an); Thailand 24.08. (Bomben gegen Hotel im Süden des Landes); Kabul 25.08. ( Bewaffnete greifen Amerikanische Universität an); Mogadischu 26.08. (an-Shabaab greift beliebtes Restaurant an); Aden/Jemen 29.08. (Selbstmordanschlag des IS auf Rekrutierungszentrum der Armee mit Dutzenden Opfern); Kerbala/Irak 29.08. (Selbstmordanschlag auf Hochzeitsgesellschaft).

Und dies ist – bei der Nachrichtenlage – nur ein Auschnitt. Was bleibt sonst noch bemerkenswert? Die olympischen Spiele in Rio de Janeiro sind Geschichte, genau so wie ein schweres Erdbeben in Mittelitalien, welches tagelang die gelenkten Medien beherrschte.Und in Nordyrien marschiert die Türkei mit Bodentruppen ein, um den Vormarsch der Kurd*innen zu stoppen. Zwei kaum beachtete Meldungen: In Puerto Rico infizieren sich mehr als zehntausend Menschen mit dem Zika-Virus und im Kongo grassiert das Gelbfieber. Ansonsten wartet die Republik auf die Wahlen im September und Merkels "Wir schaffen das!" wird täglich wiedergekaut. Wie gesagt: Die Spieler spielen ihre Karten aus und wer gewinnt oder verliert, ist sekundär beim Tanz auf dem Vulkan.

https://projekt3kw.wordpress.com/kriegstagebucher/notizen-2016







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