Außenpolitik und internationale Beziehungen der VR China

01.10.12
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von Reinhold Schramm (Bereitstellung)

Der Frontalangriff auf die sozialistischen Länder unter der Flagge des Kampfes gegen den „Revisionismus“

»In den Jahren 1966 und 1967 berief China seine Botschafter aus den sozialistischen Ländern wie auch aus fast allen kapitalistischen Ländern ab. Allein diese „gleiche“ Haltung gegenüber den beiden gegensätzlichen sozialen Systemen war ein eigenartiges, offen nationalistisches Mittel, mit dem sich Peking von der sozialistischen Gemeinschaft abzugrenzen gedachte.

Die Maoisten versuchten auch, diese Abgrenzung mit „prinzipiellen“ sozialpolitischen Auffassungen zu verschleiern, indem sie eine eigene, „revolutionäre“ Wertung des Charakters der gesellschaftlichen Entwicklung der sozialistischen Länder vornahmen.

Diese maoistische Wertung fand ihren Niederschlag in den Dokumenten des IX. Parteitages der KPCH. Die Maoisten betrachteten nur China und Albanien als sozialistische Länder. Die europäischen sozialistischen Staaten und die MVR fanden in diesen Dokumenten nur als Objekt der „Kontrolle und Ausbeutung“ seitens des „Sozialimperialismus“ Erwähnung. Die DRV, die KVDR und Kuba „vergaß“ man überhaupt. Die Pekinger Propaganda bezeichnete die Führungen der DDR, Polens, Bulgariens, Ungarns, der Tschechoslowakei, der MVR und Jugoslawiens als „revisionistische Cliquen“[1].

In den Reden einiger führender Politiker wurden in der Zeit der „Kulturrevolution“ auch die sozialistischen Länder als „revisionistisch“ bezeichnet, deren Wertung sich die offizielle Propaganda enthielt. So erklärte beispielsweise das Mitglied der Gruppe für die „Kulturrevolution“ beim Zentralkomitee der KPCh, Yao Wenyuan, in einem Vortrag über aktuelle internationale Probleme im September 1967: „Korea betreibt gegenwärtig eindeutig eine antichinesische Politik. Genauso wie die sowjetischen Revisionisten wirft es uns Großmachtchauvinismus und Sektierertum, ultralinkes Abenteurertum und andere ,ismen’ vor ... Castro ist auch ein Revisionist.“

Die Unzufriedenheit Pekings mit der Demokratischen Republik Vietnam kam in dem Vortrag folgendermaßen zum Ausdruck: „In Vietnam gibt es Leute, die anerkennen, dass sie einen Volkskrieg führen, die aber nicht die Tatsache anerkennen, dass der von ihnen geführte Krieg auf der Konzeption des Vorsitzenden Mao basiert. So sagte Vo Nguyen Giap in Vietnam, er habe den Volkskrieg erfunden.“ [2]

Die diplomatischen Beziehungen zu Rumänien wie auch zu allen anderen sozialistischen Ländern wurden lediglich auf der Ebene von zeitweiligen Geschäftsträgern aufrechterhalten. 1967 brach Peking die wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit mit Rumänien ab und nahm sie erst im Oktober 1970 wieder auf. Peking vermied in jeder Hinsicht, die Entwicklung Rumäniens als sozialistisch zu bezeichnen.

Der Druck Pekings auf die sozialistische Gemeinschaft als Ganzes äußerte sich besonders deutlich hinsichtlich des Kampfes des Sozialismus gegen die Kräfte der Aggression und des Krieges. Immer, wenn die Machenschaften dieser Kräfte die internationale Lage zuspitzten, stand die chinesische Führung in Opposition zur sozialistischen Gemeinschaft. Den Kampf der Länder des Warschauer Vertrages um europäische Sicherheit qualifizierte Peking als einen „Trick, um eine konterrevolutionäre ,Heilige Allianz’ zur Aufrechterhaltung der kapitalistischen Ordnung zu bilden“ [3].

Der Frontalangriff Pekings gegen den Sozialismus erfolgte in den Jahren der „Kulturrevolution“ sowohl auf dem Gebiet der bilateralen Beziehungen Chinas zu den sozialistischen Ländern als auch auf dem der weltweiten Auseinandersetzung zwischen den beiden Gesellschaftssystemen und besonders an den „heißesten Punkten“ dieser Auseinandersetzung.«

Anmerkungen

1 Renmin Ribao vom 4.5.1967; IBAS vom 12.4., 19.8., 18.9. 1967.
2 Polityka (Warschau) vom 19.9.1969.
3 Renmin Ribao vom 11.9.1969.

Quelle: Außenpolitik und internationale Beziehungen der Volksrepublik China. Staatsverlag der Deutschen Demokratischen Republik - Berlin 1976. Vgl.: Die Politik der Pekinger Führung gegenüber der sozialistischen Gemeinschaft während der „Kulturrevolution“ (1966 bis 1969). 2. Der Frontalangriff auf die sozialistischen Länder unter der Flagge des Kampfes gegen den „Revisionismus“. Die Abberufung der chinesischen Botschafter. Die maoistische Wertung der sozialistischen Gemeinschaft.

Info.-Empfehlung

29.09.2012: Modell am Ende (Tageszeitung junge Welt) Der Botschafter Chinas nahm an einer Tagung in Potsdam teil
http://www.jungewelt.de/2012/09-29/037.php

28.09.2012: Inselstreit im ostchinesischen Meer: Von Japan beklaut - taz.de
http://www.taz.de/Inselstreit-im-ostchinesischen-Meer/!102540

Studie: Die Ernte der Heuschrecken. Das weltweite Landgrabbing

http://www.greens-efa.eu/fileadmin/dam/Documents/Studies/201_BroschuereLandgrabbing_Download.pdf

Trotz alledem!

 

 

 


VON: REINHOLD SCHRAMM (BEREITSTELLUNG)






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