Neuerscheinungen Erziehung und Lebensfragen

17.10.21
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Marc Brackett: Die Kraft der Gefühle. Nutzen Sie die Energie der Emotionen für sich und ihr Kind, Unimedica, Kandern 2021, ISBN: 978-3-962-57249-5, 19,90 EURO (D)

Der US-amerikanische Emotionswissenschaftler Marc Brackett ist sicher. Bereits Kinder lernen, Botschaften aus ihrem tiefsten Inneren zu unterdrücken und zu überspielen. Das Ergebnis ist Stress, Mobbing, Angststörungen oder Depression. Er setzt für eine gesunde Entwicklung auf die Kraft der Emotionen und emotionale Kompetenz als Art innerer Kompass.

Er hat die so genannte Ruler-Methode entwickelt, einen Fünf-Schritte-Plan zur eigenen Gefühlsregulation und den Umgang mit Gefühlen anderer. Die Ruler-Methode basiert auf der Erkenntnis, wie wir mit unseren Gefühlen im Kontakt sind, maßgeblich unser Leben beeinflusst. Brackett stützt sich dabei auf das Mood Meter, eine Art Stimmungsmesser, das die Entwicklung der Kompetenz zum Erkennen von Gefühlen fördert. Die Grundlage dafür bildet das „Circumplex-Modell der Emotionen“ von James Russell.

Im ersten Teil geht es um Emotionen in Beziehung zu Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Lernen, Entscheidungsfindung, Beziehungen, Gesundheit und Kreativität. Die Wirksamkeit von Emotionen wird dort geschildert.

Darauf aufbauend wird die Ruler-Methode im zweiten Teil vorgestellt. Sie umfasst das Erkennen, Verstehen, Benennen, Ausdrücken und das Regulieren von starken Empfindungen. Diese Bereiche werden auch in eigenen Kapiteln näher erläutert.

Der dritte Teil umfasst sie Anwendung emotionaler Kompetenzen für optimales Wohlbefinden und Erfolg im persönlichen Umfeld, in der Bildungsphase und bei der Arbeit.

Im Nachwort erläutert er nochmals, wie lebensverändernd der souveräne Umgang mit Emotionen wirken kann: „Es ist eine Lebensweise. Es geht darum anzuerkennen, dass die Art und Weise, wie Menschen fühlen und was wir mit unseren Gefühlen tun, zu einem großen Teil die Qualität unseres Lebens bestimmt.“ (S. 201)

Emotionen sind für die Konstruktion des Selbst von grundlegender Bedeutung und stellen eine Schlüsseldeterminante für das Selbst dar. Die enorme Bedeutung vom Umgang mit Emotionen wird von Brackett zu Recht hervorgehoben. Der Lernerfolg der Methode wurde wissenschaftlich an Schulen nachgewiesen, es handelt sich also nicht nur um graue Theorie.

Seine Methode geht über die Selbstwirksamkeit weit hinaus, sie richtet sich an Gesellschaft, Wirtschaft und Fragen des sozialen Zusammenlebens. Sie kann durchaus die eigenen emotionalen Kompetenzen weiterentwickeln und verschüttete Potentiale für mehr Achtsamkeit sich selbst und anderen gegenüber freisetzen.

Brackett wendet sich in dem Buch direkt an den Leser, er bringt praktische Beispiele, zitiert verschiedene Quellen: Es ist also keine wissenschaftliche Abhandlung, sondern praktisch und handlungsorientiert geschrieben.

Sein Anspruch, die Gesellschaft verändern zu wollen, ist allerdings viel zu hoch gegriffen.


Buch 2

Katharina Afflerbach: Manchmal sucht sich das Leben harte Wege. Wahre Geschichten, die berühren und Zuversicht geben, Goldegg, München/Wien 2021, ISBN: 978-3-99060-239-3, 19,95 EURO (D)

Sterben, Verlust und Trauer gehört immer noch zu einem Tabuthema in der Gesellschaft. Die Autorin Katharina Afflerbach wurde selbst vom tödlichen Unfall ihres Bruders tief getroffen. In ihrem neuen Buch erzählt sie wahre Geschichten von Menschen, die einen Schicksalsschlag erleiden mussten.

Zu lesen sind Geschichten von verlorenen Eltern, Kindern, Geschwistern, Partner*innen und Freunde, deren Verlust tiefe Spuren im Leben der Hinterbliebenen hinterlassen. Katharina Afflerbach hat mit ihnen gesprochen und schafft es, deren Geschichten persönlich und emphatisch zu erzählen.

Es wird beschrieben, wie die Betroffenen die Wirklichkeit des Todes und des Verlustes begreifen lernen, das Durchleben der Gefühle in verschiedenen Phasen und die Veränderungen in der Umwelt. Und wird beschrieben, wie Betroffene neuen Mut und Zuversicht in unterschiedlichen Kontexten fanden.

Es wird klar: Es gibt keinen Masterplan wie man mit einem Schicksalsschlag umgehen sollte, Trauer ist so individuell wie wir Menschen und das Leben selbst. Dennoch gibt es ein paar Strategien der Bewältigung am Ende des Buches.

Interessant ist, wie die Verbindung zu den Verstorbenen über deren Tod hinaus bleiben und neu gelebt werden kann. Also eine Möglichkeit, die Verbindung zum Verstorbenen nicht zu verlieren und gleichzeitig ein neues Leben anzufangen.

Das Buch vermittelt hilfreiches Wissen darüber, wie man damit präventiv, im Ernstfall und über den Verlust hinaus solche Krisen bewältigen kann. Es kann zur Selbstreflexion anregen, eigene Verluste und Erfahrungen in einem neuen Licht zu betrachten.

Den Menschen, die hier in diesem Buch ihr Schicksal ausbreiten und anderen mit ihren Erfahrungen weiterhelfen wollen, gebührt ein großes Kompliment.

Leider fehlen im Anhang eine ausführliche Liste von Literaturhinweisen wie Bücher zum Thema Trauer und Abschied für Erwachsene und Kinder, zu den Themen Suizid und Scheidung für Kinder und Erwachsene, spezielle Bücher für trauernde Jugendliche, Selbsthilfegruppen, Kontaktadressen und Filme.


Buch 3

Stephan Dettmers/Jeannette Bischkopf (Hrsg.): Handbuch gesundheitsbezogene Soziale Arbeit, 2. Auflage, Ernst Reinhardt, München 2021, ISBN: 978-3-03083-5, 39,90 EURO (D)

In Kliniken, in der medizinischen und sozialen Rehabilitation sowie in der Behinderten- und Altenhilfe und vielen weiteren Handlungsfeldern spielt die gesundheitsbezogene Soziale Arbeit eine große Rolle. Das umfassende Handbuch vermittelt das relevante Wissen sowohl für die Soziale Arbeit im Gesundheitswesen wie auch für den Gesundheitsbezug im Sozialwesen. Es bietet einen Überblick über theoretische und methodische Aspekte, rechtliche, gesundheits- und sozialpolitische Perspektiven und nicht zuletzt die vielen verschiedenen Praxisfelder gesundheitsbezogener Sozialer Arbeit.

Neu ab der zweiten Auflage sind neben einigen Aktualisierungen die neuen Unterkapitel zu den Themen "Infektionsschutz in der Sozialen Arbeit", "aktuelle gesellschaftliche Trends" und "Kompetenzen der gesundheitsbezogenen Arbeit".

Neben wesentlichen Wissensbeständen geht es um die Diskussion über zentrale Komponenten und Haltungen, die in der gesundheitsbezogenen Soziale Arbeit notwendig sind, um die bestmögliche fachliche Unterstützung für Menschen mit gesundheitlichen Risiken und Einschränkungen und ihre Angehörigen in Verbindung zu ihrer sozialen und natürlichen Umwelt zu bieten.

Das Buch besteht aus kurzen Beiträgen von verschiedenen Autor*innen aus der BRD, Österreich und der Schweiz, die in drei große Teilbereiche gesammelt werden.

Der erste Teil umfasst theoretische und methodische Aspekte, die für die gesundheitsbezogene Soziale Arbeit wesentlich sind. Dies wird anhand spezifischer Qualifikations- und Kompetenzbeschreibungen aus Berufs-, Fach- und Hochschulverbänden erläutert. Der Gegenstand gesundheitsbezogene Soziale Arbeit wird theoretisch abgeleitet. Außerdem werden aus verschiedenen Sichtweisen (Sozialwissenschaft, Psychologie, Gesundheitswissenschaften) Aspekte zum Verhältnis zwischen sozialen und gesundheitlichen Faktoren im Kontext von Bildungsprozessen vorgestellt. Methodenkompetenz wie das Case Management, Evidenzstärkung und Forschungsoptionen am Beispiel der klinischen Sozialarbeit sowie das Feld Migration und Gesundheit sind ebenso Schwerpunkte.

Der zweite Teil beinhaltet die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen, die berufsverbandliche Positionierung dazu, Leistungsrechtaspekte am Beispiel der BRD. Daneben gibt es eine Auseinandersetzung mit der aktuellen Teilhabedimension und eine gesundheitsökonomische Rahmung für gesundheitsbezogene Soziale Arbeit.

Im dritten Bereich geht es um wesentliche Praxisfelder hinsichtlich der Feldbeschreibung und wichtigsten fachlichen Aufgaben und Zugänge. Zunächst gibt es eine Darstellung gegenwärtiger Entwicklungen und Trends in der gesundheitsbezogenen Soziale Arbeit. Dabei werden die Bereiche Gesundheitsförderung, Prävention, Soziale Arbeit in Krankenhäusern, medizinischer Rehabilitation, Suchthilfe, öffentlicher Gesundheitsdienst, Sozialpsychiatrie, Onkologie sowie Soziale Arbeit mit den Zielgruppen Kindern und Jugendlichen und älteren Menschen vorgestellt. Gesundheitsbezogene Soziale Arbeit in der Eingliederungshilfe, im Sozialwesen und im Zusammenhang mit Selbsthilfeoptionen der Klientel sowie die Selbstsorge werden dabei behandelt.

In einem Fazit und Ausblick der Herausgeberin und des Herausgebers wird konstatiert: „Eine weitere Systematisierung, Theoriebildung, internationale Vernetzung und empirische Forschung werden die Professionalitätsentwicklung und professionelle Identität Sozialer Arbeit stärken. Zukunftsthemen z.B. der Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz betreffen nicht nur versorgungspolitische Fragen, sondern auch ethische Themen wie Aspekte digitaler Menschenrechte. Für die in der gesundheitsbezogenen Soziale Arbeit Tätigen braucht es nicht nur verbesserte ökonomische Rahmenbedingungen und Anerkennungsstrukturen, sondern auch eine gut aufgestellten betriebliches Gesundheitsmanagement aufgrund der hohen Anforderungen.“ (S. 266)

Hinter den Beiträgen gibt es ein Literaturverzeichnis zum Weiterlesen.

Im Anhang gibt es noch ein Stichwortverzeichnis und die Biografien der Autor*innen.

Wie in der ersten Auflage sind die Beiträge durchgehend strukturiert und didaktisch gut angelegt. Theoretische, forschungsmethodische und praktische Ansätze mit rechtlichen, politischen und gesellschaftliche Grundlagen sind ausreichend behandelt, ebenso das immer wichtiger werdende Konzept der Salutogenese und Selbstschutz/Selbstfürsorge. Die spezifische Rolle der Sozialen Arbeit bei der Förderung von Gesundheitskompetenz und konkrete Beispiele aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern werden aussagekräftig dargelegt.. Was allerdings fehlt, sind eine Liste von Institutionen zur Weiterbildung mit Adressen bzw. Links im Anhang und eine praktische Darstellung der Arbeit mit behinderten Menschen.

 

Buch 4

Cordula und Barbara Ziebell: Schwesternbande. Wie lebendige Schwestern-Beziehungen entstehen können, Knaur, München 2021, ISBN: 978-3-426-21497-8, 14,99 EURO (D)

Ihre Beziehungen zwischen Schwestern können durch große emotionale Nähe, Solidarität und Freude gekennzeichnet sein, aber auch durch Neid, Rivalität und Kontaktabbrüche. Geschwisterliche Erfahrungen und Prägungen begleiten uns überall: in Paar-Beziehungen, in Freundschaften, im Berufsleben. Die Schwestern Cordula und Barbara Ziebell sind in Beratung, Coaching und Therapie erfahren. Sie zeigen uns mit diesem Ratgeber, wie lebendige Schwestern-Beziehungen gelingen können.

Es gibt die verschiedensten Konstellationen: Schwestern können Rivalinnen, Verbündete gegen den Rest der Welt, Übungspartnerinnen im sozialen Trainingscamp der Familie, Vorbilder, unter Umständen Ersatzeltern und vieles andere mehr sein.

Ein eigenes Kapitel widmet sich Schwestern in Groß- und Patchworkfamilien. Jede Form der Patchworkfamilie, hat ihre Besonderheiten. Wenn man Glück hat und es schafft, mit Ritualen und Regelmäßigkeiten für Bindungen zu sorgen, steigt die Wahrscheinlichkeit einer gelingenden neu gemischten Familie.
Enge kindliche Schwesterbeziehungen lockern sich meist in der Pubertät, wenn die Jugendlichen sich mehr am Freundeskreis als an der Familie orientieren und sich verlieben. Negative, belastende und krankmachende Beziehungen zu Schwestern wird man allerdings nicht emotional nur schwer los. Distanz allein ist nicht das Allheilmittel. Schwestern wirken auch, wenn sie nicht da sind. Ob Kontaktabbruch oder Versöhnung – man muss es irgendwie schaffen, mit alten Kränkungen und enttäuschten Erwartungen abzuschließen.

Am angenehmsten ist es natürlich, wenn es einem gelingt, die kindliche Schwesternbeziehung auf eine erwachsene Basis zu stellen: seinen Schwestern respektvoll auf Augenhöhe zu begegnen und sie als erwachsene Menschen wahrzunehmen, nicht mehr als die bestimmenden große Schwester oder als die nervige kleine Schwester, der man nichts zutraut. Dann können aus Schwestern Freunde werden. Dies wird auch in dem Abschnitt größerer Altersabstand von Schwestern berichtet.

Dies alles wird mit verschiedenen Fallbeispielen aus dem Coaching der Autorinnen untermauert.

Die Autorinnen nähern sich dem Thema des Buchs aus einem persönlichen Blickwinkel und ihren Erfahrungsschatz als Coach und untermauern ihre Erlebnisse, Empfindungen und Schlussfolgerungen mit Erkenntnissen aus der Geschwisterforschung/Schwesternforschung. Dabei könnten psychologische Erkenntnisse etwas mehr eingearbeitet werden. Das Gute am Buch ist, dass ein Schwerpunkt sich mit der Neugestaltung von Beziehungen beschäftigt. Aber das Buch ist nicht nur für Problemlösungen von Schwestern selbst hilfreich, sondern auch für Eltern von zwei oder mehreren Töchtern, die tiefer in die Thema Beziehungen zwischen Schwestern eintauchen wollen.


Buch 5

Gebhardt/Jungjohann/Schurig: Lernverlaufsdiagnostik im förderorientierten Unterricht. Textkonstruktionen, Instrumente, Praxis, Ernst Reinhardt, München 2021, ISBN: 978-3-497-03053-8, 23,90 EURO (D)

Dieses Praxis- und Lehrbuch beschäftigt sich mit der validen Messung des Lernprozesses von Schüler*innen. Dabei wird das Konzept der Lernverlaufsdiagnostik (LVD) erörtert. Im Gegensatz zur Feststelldiagnostik ist die LVD ein förderdiagnostisches Instrument und kann mittels wiederholter Messungen die Wirksamkeit pädagogischer Interventionen abbilden. Dieses Buch beschreibt, warum diese Form der Diagnostik benötigt wird und stellt verschiedene Anwendungsformen gezielt vor.

Das Buch verfolgt zwei Ziele. Einerseits bietet es eine Hilfestellung, einen passenden Text für die eigene Lerngruppe auszuwählen. Dafür werden Hintergründe zum Lernen und zur Messung von Kompetenzen in der Schule und zum LVD erklärt. Andererseits will das Buch dabei unterstützen, mithilfe der LVD den eigenen Unterricht zu evaluieren und die individuelle Förderung zu verbessern. Es werden Tests für die Lernbereiche Lesen, Rechtschreiben und Mathematik vorgestellt und ihre Unterschiede erläutert. Dabei stehen digitale Verfahren wie Onlineplattformen im Vordergrund, das sie ohne zusätzlichen Zeitaufwand und mit automatisierten Auswertungen anzuwenden sind.

Das Buch beginnt mit einem Abkürzungsverzeichnis und einer Einleitung zum Aufbau und zur Zielsetzung des Buches.

Im ersten Kapitel geht es um grundlegende Begriffe der LVD. Außerdem wird anhand eines Fallbeispiels die Durchführung der LVD im Unterricht sowie die Interpretation kurz erläutert. Danach werden die Herausforderungen der inklusiven Schule der inklusiven Schule und Unterrichtswege vorgestellt. Anschließend geht es um verschiedene Konzepte der formativen Diagnostik und speziell um die LVG und deren Ursprünge. Eine Einführung in die Arbeit und Konstruktionsweise der LVG folgt danach.

Die Textkonstruktionen und die Texttheorie in Bezug auf die LVG werden danach erläutert. Daran anknüpfend werden einzeln bekannte Verfahren zu den Bereichen Lesen, Rechtschreiben und Mathematik präsentiert. Die Anwendung der LVG im Unterricht kommt dann zur Sprache. Dies bedeutet die Vorstellung von Ansätzen und Verfahren für die Bereiche Lesen, Rechtschreibung und Mathematik. Im letzten Kapitel werden noch die Vorteile der LVG für Lehr*innen und Sonderpädagog*innen herausgestellt.

Im Anhang finden sich noch ein Literaturverzeichnis und ein Sachregister.

Die Grundlagen der LVG, die noch nicht allen Lehr*innen und Sonderpädagog*innen bekannt sein dürften, werden ausführlich beschrieben. Darauf aufbauend werden psychometrische und testtheoretische Grundlagen dargelegt sowie konkrete Tests für die Lernbereiche Lesen, Rechtschreiben und Mathematik sowie deren Anwendung beschrieben. Um das spannende Konzept der LVG in den eigenen Unterricht einzuarbeiten, erfordert es jedoch etwas Aufwand, um später von den zahlreichen Vorteilen zu profitieren.


Buch 6

Friedrich Voigt: Entwicklungsstörungen im Kleinkind- und Vorschulalter, Ernst Reinhardt, München 2021, ISBN: 978-3-497-030055-2, 29,90 EURO (D)

Die Früherkennung und frühe Behandlung von Entwicklungsstörungen in den ersten Lebensjahren ist ein zentraler Punkt der Kinderheilkunde, Frühförderung und Sozialpädiatrie. Dieses Buch des Psychologen Friedrich Voigt bietet einen grundlegenden Einblick in die einzelnen Formen der Entwicklungsstörungen. Es will die Verlaufsmerkmale verschiedener Formen von Entwicklungsstörung in den ersten Lebensjahren systematisch darstellen und zu einer frühzeitigeren Diagnose als bisher beitragen.

Zu Beginn des Buches wird eine Definition des Begriffs Entwicklungsstörungen gegeben. Danach werden die verschiedenen diagnostischen Ebenen veranschaulicht. Es folgen Einblicke in verschiedene Störungsmuster, die in einzelnen Kapiteln behandelt werden. Dies sind im Einzelnen Sprachentwicklung, Störung motorischer Funktionen, kombinierte Entwicklungsstörungen, globale Entwicklungsstörungen, genetische Syndrome, Autismus-Spektrum-Störungen, Aktivitäts- und Aufmerksamkeitsstörungen, soziale und emotionale Störungen im Vorschulalter.

Jedes Kapitel klärt systematisch über Meilensteine der Entwicklung, Früherkennungszeichen für Störungen, diagnostische Methoden und Behandlungsstrategien auf. Weiterhin gibt es in manchen Kapiteln Tipps zur Elternberatung und auch bisweilen zum Forschungsstand.

Im letzten Kapitel werden systemische Behandlungsprinzipien und deren Inhalte näher veranschaulicht. Risiko- und Schutzfaktoren sollten miteinbezogen werden, außerdem wird betont, dass Therapie und Behandlungsansätze dann langfristig wirksam sind, wenn die Eltern eng in die Alltagsförderung und das Verständnis für die Entwicklung ihres Kindes eingebunden sind.

Danach folgt noch ein Glossar, eine ausführliche Literaturliste (meist englische Titel) und ein Register. Ausgewählte Testverfahren zur Entwicklungs-, Intelligenzdiagnostik und Verhaltensdiagnostik werden in Form einer Tabelle kurz vorgestellt.

Die verschiedenen Formen von Entwicklungsstörung in den ersten Lebensjahren werden anhand des gewählten Musters deutlich gemacht und bieten übersichtlich Lösungen an. Falldarstellungen geben einen Blick in die Praxis.

Es wird Wert darauf gelegt, die Entwicklung von Kindern mit spezifischen Entwicklungsstörungen in ihrer eigenen Dynamik und in der spezifischen Wechselwirkung mit Einflussfaktoren zu verstehen. Die systemische Perspektive wird bei der Diagnostik und Behandlung besonders hervorgehoben.

Dennoch gilt es zu beachten, dass bei den Krankheitsbildern eine bewusste Auswahl getroffen wurde. Spezifische Entwicklungsstörungen, Störungen der kognitiven Entwicklung und Intelligenz, soziale und emotionale Störungen im Vorschulalter sind Schwerpunkte. Nicht vertieft werden Entwicklungsrückstände im Kontext von Sinnesschädigungen und neuropädiatrische Krankheitsbilder. Psychische Belastungsfaktoren werden auch nur am Rande behandelt.









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