Neuerscheinungen Ulmer Verlag

20.10.21
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch

Jake Hobson: Niwaki. Japanische Gartenbäume- und -sträucher schneiden und formen. 3. Auflage 2021, ISBN . ISBN 978-3-8186-1282-5. € 45,00.

Niwaki sind ein Höhepunkt im japanischen Garten. Der Begriff heißt übersetzt „Gartenbäume“, aber es ist auch die japanische Kunst, Bäume in Form zu bringen. Kiefern, Eiben und andere Sorten werden dabei so gestaltet, dass sie das Bild eines alten Baumes widergeben. Das japanische Verständnis des natürlichen Gleichgewichts ist dabei von großer Bedeutung: „In der japanischen Kultur und Ästhetik spielt gerade diese Verschmelzung von Mensch und Natur eine große Rolle, sie ist der Baustein für den Garten.“ (S. 46)

Jake Hobson, Mitglied der Royal Horticultural Society, der European Boxwood and Topiary Society und der Japanese Garden Society, zeigt in diesem Buch, wie man einen jungen Baum zu einem Niwaki erziehen kann, Gehölze zu runden Formen schneidet (karikomi), Kiefernnadeln zu außergewöhnlichen Mustern ausdünnt (momiage) und ausufernde Bäume in neue Formen bringt (fukinaoshi). Dies wird anhand von mehr als 230 Farbbildern und 180 Zeichnungen veranschaulicht.

Das Buch beginnt mit einer Erklärung, was Niwaki bedeutet. Anschließend werden die einzelnen Gartenelemente und Niwaki in Tempelgärten, in Teegärten, in öffentlichen Anlagen und Palastgärten, Privatgärten, modernen Gärten und Gärten außerhalb Japans skizziert. Die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen Niwaki und Bonsai werden ebenfalls diskutiert. Außerdem werden die kulturgeschichtlichen und philosophischen Hintergründe dargelegt. Danach werden Grundlagen und Techniken und Tipps für die Schnittführung vorgestellt. Kiefern als charakteristischste Baum japanischer Gärten, ihre Grundformen des Wachstums und die Schnitttechniken. Azaleen und die Kunstform des Karikomi, Koniferen, immergrüne Laubgehölze, sommergrüne Gehölze, Bambus und andere Pflanzen mitsamt Schnittführung werden dann Schritt für Schritt erläutert.

Die Bedeutung der Gärtner und Baumschuler sind in Japan größer als in anderen Gartenkulturen. Ihre Form des Arbeitens wird am Ende des Buches näher präsentiert. Ebenso die dazugehörigen Werkzeuge und Geräte. Außerdem werden Adressen genannt, wo man original japanisches Zubehör für die Kultivierung von Niwaki bekommen kann.

Im Anhang findet man noch die japanischen Pflanzennamen und ihre botanische Entsprechung, ein Glossar japanischer Begriffe, ein Literaturverzeichnis zum Weiterlesen und ein Register.

Das Buch eignet sich für Garten- und Landschaftsplaner, die sich für neue Ideen inspirieren lassen wollen oder für Gartenbesitzer, die sich einen japanischen Garten anlegen oder gestalten. .Hier werden ausführlich die kulturellen, ästhetischen und kulturgeschichtlichen Hintergründe von Niwaki dargelegt, ohne die die Bedeutung und Form der Gartengestaltung nicht verständlich wäre. Die verschiedenen Schnitttechniken werden informativ dargestellt ebenso wie Informationen zur Pflege. Dabei ist das Buch auf die unterschiedlichen klimatischen Bedingungen zu Japan ausgelegt.


Buch 2

Markus Keller/Edith Gätjen: Vegane Ernährung Schwangerschaft, Stillzeit und Beikost, 2. Auflage, Ulmer, Stuttgart 2021, ISBN: 978-3-8186-1286-3, 28 EURO (D)

Dieses Buch beschäftigt sich mit Fragen rund um eine vegane Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit bis hin zur Beikost. Markus Keller und Edith Gätjen, Deutschlands führende Experten auf dem Gebiet der veganen Ernährung, klären auf über die optimale Nährstoffversorgung für Mutter und Kind, die richtige Lebensmittelauswahl sowie alles Wissenswerte zum Thema Stillen und vegane Beikost.

Dies ist die zweite Auflage des Buches. Aktualisiert wurden die Lebensmittelpyramide und die wissenschaftlichen Grundlagen. Neu aufgenommen wurden konkrete Empfehlungen zur Vitamin-12-Dosierung und zu Selen.

Zunächst werden die Vorteile einer veganen Ernährung skizziert. Anschließend geht es um vegane Vollwert-Ernährung, die gesundheitlichen Aspekte einer veganen Ernährung und die wissenschaftliche Studienlage der veganen Ernährung in Schwangerschaft und Stillzeit. Danach werden „kritische“ Nährstoffe in der Praxis von Vitamin A bis Protein behandelt. Die Wissensgrundlagen für Muttermilch in der veganen Säuglingsernährung mit häufigen Fragen und Antworten kommen dann an die Reihe.

Die vegane Beikost ist dann das Thema. Bis zum ersten Geburtstag sollten drei bis dreieinhalb Mahlzeiten eingeführt werden, die restlichen sollten noch Muttermilch beinhalten. Mittags sollten Kartoffeln, Gemüse, Getreide/Hülsenfrüchte und Öl auf dem Speiseplan stehen. Am Vormittag oder Nachmittag ein Obst-Getreide-Brei mit Öl oder Mandelnuss, die dritte Mahlzeit beinhaltet ein Getreide-Brei, der am Abend oder am Morgen angeboten werden soll.

Küchen- und Kochtipps sowie das Zeitmanagement werden dann vorgestellt, bevor dann Rezepte vorgestellt werden. Grundrezepte für vegane „Milch“ und „Milchprodukte“ und eine Tabelle mit Alternativprodukten zum Austauschen werden zunächst präsentiert. Danach werden Rezepte für Schwangerschaft und Stillzeit zum Frühstück wie Hirse-Orangen-Müsli, eine warme Hauptmahlzeit wie Kartoffel-Erbsen-Taler, Kleinigkeiten wie Stracciatella-Pudding und leichte Hauptmahlzeiten wie Möhren-Joghurt-Creme behandelt. Beikost-Rezepte für Gemüse-Breie, Obst-Getreide-Breie, Getreide-Breie und Fäustlinge folgen danach.

Wochenpläne für berufstätige schwangere Frauen, für die Stillzeit und Organisationstipps runden das Buch ab.

Im Anhang gibt es noch Informationen zu der Autorin und zum Autor, weiterführende Literatur, Fachseminare zur veganen Ernährung und ein Register.

Das Buch bietet viele wissenschaftlich fundierte Kenntnisse als Hintergrundwissen, wovon werdende Eltern, Ernährungsberater, Ärzte und Angehörige des Gesundheitssektors im Allgemeinen profitieren können. Es werden vor allem Hülsenfrüchte empfohlen, der Schwerpunkt liegt auch auf den „kritischen“ Nährstoffen und der nährstoffoptimierten Zubereitung. Hilfreich sind auch die Tabellen über Nährwerte, die Lebensmittelpyramide und Wochenpläne, die natürlich individuell abgeändert werden können.


Buch 3

Philipp Schwarz/Friedrich Springab: Das macht Gin. Produktion von Gin und Geist, Ulmer, Stuttgart 2021, ISBN: 978-3-8186-1373-0, 29, 95 EURO (D)

Gin gilt als Trendgetränk und entsprechend wächst die Zahl der Gin-Hersteller und -Marken. Dieses Buch zeigt praxisnah, wie die Herstellung von Gin und Geist gelingt. Es ist auf den deutschsprachigen Raum ausgerichtet.

Zunächst werden eine kurze Geschichte der Destillation, Abfindungs- und Verschlussbrenner in Deutschland und die wechselvolle Geschichte des Gins bis zur Renaissance des Getränkes in der Gegenwart. Danach werden die Zutaten der Geistherstellung und rechtliche Rahmenbedingungen vorgestellt. Anschließend werden die bekanntesten Drogen/Botanicals, die bei der Herstellung von Spirituosen Verwendung finden, Kontrolle der Rohware, Lagerung und die wichtigsten Zutaten angefangen von Wacholderbeeren bis Vogelbeere präsentiert. In einer Art Warenkunde werden immer Inhaltsstoffe und die Verwendung in der Brennerei behandelt.

Die europäische Spirituosenverordnung unterscheidet drei verschiedene Gin-Kategorien (Gin, Destillierter Gin, London Gin). Die Unterschiede sowie die Gesetzestexte dazu werden danach skizziert. Danach wird gezeigt, wie der Destillationsprozess funktioniert, was Rektifikation bedeutet und wie die Verstärkung des Alkohols bei erneuter Destillation vor sich geht. Nach dem Vorstellen der zwei Destillationsverfahren folgt ein Einblick in die relevanten Schritte zur Geist- und Gin-Herstellung. Um ein umfassendes Bild der verschiedensten Herstellungsweisen von Ansätzen und Auszügen zu vermitteln, werden auch die Perkulation und Digestion beschrieben.

Anschließend werden die wichtigsten Bauteile des Brenngerätes beschrieben. In den nächsten Kapitel werden die wesentlichen Prozessschritte beschrieben, die das Destillat nach dem Brennvorgang durchläuft bis zum abfüllfertigen Gin oder Geist. Die Vermarktung von Gin wird auch anhand von Beispielen präsentiert, zwei Grafiken der Gin-Marktanteile in Deutschland veranschaulichen dies.

Im Anhang gibt es noch ein Register und Informationen zu den Autoren, Literatur oder Links zu Brennereien oder Fachverbände fehlen.

Das Buch richtet sich speziell an Unternehmer, die Gin produzieren und produzieren wollen und ambitionierte Genießer für ein tieferes Verständnis der Spirituose. Hier werden die Vielfalt des Gins und deren Produktion gezeigt. Es wird auf unterschiedliche Arten eingegangen und die Portraits erlauben einen ersten, aber fundierten Eindruck in die Genusswelt und vor allem die Geschmacksvielfalt des Gins. Die (Kultur-)Geschichte des Gins im deutschsprachigen Raum ist leider zu kurz geraten.


Buch 4

Susanne Hansch/Elke Schwarzer: Der Giersch muss weg! 28 Unkräuter bekämpfen oder einfach aufessen, Ulmer Verlag, ISBN: 978-3-8186-0647-3, 16,95 EURO (D)

Wie man lästige Unkräuter auf natürliche Weise bekämpft oder sie sich für die eigene Küche nutzen lassen, zeigen die Autorinnen in diesem Buch. Sie haben Arten zusammengestellt, die sich leicht identifizieren lassen, sei es am Geruch, durch das Aussehen oder beim Berühren.

Diese werden in 28 Pflanzenporträts näher vorgestellt. Nach einem kurzen Text über Vorkommen, Biologie und Ökologie werden die wichtigsten Erkennungsmerkmale im Text und anhand von mehreren Farbbildern veranschaulicht. Danach wird gezeigt, wie man sie wieder loswerden kann. Die Vorteile für eine kulinarische Nutzung der Pflanzen folgen anschließend. Dazu gibt es dann mehrere passende Rezepte.

So wird zum Beispiel der weiße Gänsefuß mit passenden Rezepten wie Gänsefuß-Salat mit Räucherlachs und Gänsefuß-Gorgonzola-Pfannkuchen vorgestellt. Oder das Kletten-Labkraut, aus dem Blumenkohl-Couscous mit Kletten-Labkraut gewonnen werden kann. Sauerklee kann für roten Spargelsalat mit Sauerklee oder Bagel mit Sauerkäse-Thunfisch-Creme verwendet werden oder Löwenzahn für Löwenzahnsalat mit Ei und Knoblauch-Couscous oder Löwenzahn-Antipasti mit Bacon.

Den Pflanzenporträts vorangestellt ist ein Kapitel über den Nutzen von Unkräutern/Wildkräutern, Informationen über das Erkennen von essbaren Pflanzen, über deren Geschmacksrichtungen von mild bis sauer, das Ernten, Aufbewahren, Waschen und Schneiden.

In der vorderen Innenseite gibt es noch Informationen über Zeigepflanzen und die Grüppchenbildung von Pflanzen. In der hinteren Innenseite findet man eine Tabelle über essbare Wildkräuter und Verwechslungsmöglichkeiten mit giftigen Pflanzen.

Im Serviceteil gibt es noch weiterführende Literatur, ein Pflanzen- und ein Rezeptregister.

Dies sind leicht nachzumachende Rezepte mit Wildkräutern, die das jeder in seinem Garten hat oder die man auf Wiesen und Wegrändern findet. Es werden Erkennungsmerkmale, bevorzugte Standorte und Inhaltsstoffe jeder der vorgestellten Pflanzen gegeben, die guten Pflanzenfotos helfen dabei, diese auch in der Natur wiederzuerkennen. Es sollte immer die Regel gelten: Bei Unsicherheit über Verträglichkeit/Giftigkeit sollte die Pflanze nicht zur Zubereitung genutzt werden.


Buch 5

Jan-Hendrik Cropp: Praxishandbuch Bodenfruchtbarkeit, Ulmer, Stuttgart 2021, ISBN: 978-3-8186-1379-8, 39,95 EURO (D)

Der Agrarwissenschaft Jan-Hendrik Cropp zeigt in diesem Fachbuch, wie man mit einem neuen pflanzenbaulichen Management die Bodenfruchtbarkeit im Acker- und Gemüsebau erfolgreich steigern kann, wie man den Boden mit Mulch bedeckt hält, die Bodenbearbeitung minimiert, eine ganzjährige Durchwurzelung herstellt und eine möglichst hohe Vielfalt schafft. Bei der Erfolgskontrolle helfen praxisnahe Bonitur- und Kalkulationsmethoden für Boden, Düngung und Pflanzenbestand.

Im ersten Kapitel wird erläutert, dass Nährstoffkreisläufe nicht geschlossen sind, solange es nicht gelingt, einen Großteil der aus dem landwirtschaftlichen Betrieb ausgeführten Nährstoffe über innovative Abwasser- und Bioabfallsysteme in den Betrieb zurückzubringen.

Landwirtschaftliche Anbausysteme sollte idealtypisch folgende vier Prinzipien folgen: Der Boden wird möglichst wenig bearbeitet, um die Bodenruhe zu maximieren. Der Boden ist permanent bedeckt mit einer Mulchschicht aus toter organischer Substanz. Lebende Pflanzen durchwurzeln den Boden möglichst permanent und ganzjähig. Der Boden wird mit einer möglichst hohen biologischen Vielfalt gepflegt. Danach geht es um den Zustand der Bodengare bzw. der Bodenstruktur. Die Spatendiagnose ist das wichtigste Instrument zur Erfassung der Bodengare in der Praxis. Eine optimale Gare stabilisiert Erträge sowie den Wasserhaushalt im Boden und erhöht die Resilienz der Anbausysteme.

Humusaufbau und gute Bodengare stehen in einer positiven Wechselwirkung zueinander. Für den Humusaufbau sind vor allem eine hohe Vielfalt und eine starke Aktivität aerober Bodenbiologie entscheidend. Die Unkrautregelung kommt dann zur Sprache. Ziel ist die Herstellung von Bedingungen, unter denen Unkraut möglichst schlechte Keim- und Aufnahmebedingungen vorfindet. Be der Pflanzenernährung im System könnte eine Ammoniumernährung statt einer Nitraternährung der Pflanzen angestrebt werden, die die Pflanzengesundheit fördert. Ebenfalls wichtig sind Kalkung und eine ausreichende Bodenluft. Bei der Düngung können flüssige, schnell verfügbare Wirtschaftsdünger in oder zu Pflanzbeständen mit hohem Bedarf gegeben werden. Handelsdünger sollte möglichst präzise und konzentriert für die Kulturpflanze platziert werden.

Die Unterkrumen und der Unterboden sollten in der Tiefe erschlossen werden, um den Raum für die Pflanzenwurzeln nutzbar zu machen. Dies sorgt für optimale Wachstumsbedingungen im Pflanzenbau. Eine garekonservierende Bodenbearbeitung kann die Intensität der Bodenbearbeitung reduzieren. Dies stellt spezielle Ansprüche an Saat- und Pflanzentechnik und an den Kulturführung, Düngung und Unkrautregulierung. Eine hohe Vielfalt an Klee-, Gras- und Kräuterarten spielt bei der Optimierung der Bodenstruktur und der Erträge im Kleegras eine entscheidende Rolle.

Danach geht es um das Transfer-Mulchverfahren. Dort wird der Boden mit einer unterschiedlich dicken Mulchschicht aus abgeschlegeltem Kleegras, Zwischenfrucht oder Grünlandaufwuchs abgedeckt. Transfer-Mulch kann einen Beitrag zum Humusaufbau leisten. Die ökologische Direktsaat und Direktpflanzung, die die Etablierung einer Hauptkultur durch die Mulchschicht aus einer abgestorbenen Zwischenfrucht ohne Bodenarbeit bedeutet, hängt von einer längeren, betriebsspezifischen Planung ab. In kombinierten Mulchsystemen wird Transfer-Mulch mit ökologischer Direktsaat und Direktpflanzung kombiniert. Das Verfahren kombiniert die diversen Vorteile der beiden Systeme.

Ergänzend zu Mulchsystemen oder wenn diese nicht umgesetzt werden können, bleiben Maßnahmen wie Beisaaten, Untersaaten und Mischfruchtanbau. In allen Verfahren wird die Hauptkultur um verschiedene weitere Pflanzen ergänzt. Es wird deutlich, dass die Umsetzung von Anbausystemen zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit diverse positive Auswirkungen auf die Pflanzengesundheit haben.

In einem Ausblick wird empfohlen, den Fokus von einjährigen auf mehrjährige Pflanzen und Kulturen zu lenken. Dies enthält großes Potential für die Steigerung der Bodenfruchtbarkeit.

Im Anhang werden die Experten, deren Arbeit unmittelbar in die Entstehung des Buches eingeflossen sind, und deren Betriebe genannt. Außerdem gibt es ein Literatur- und ein Stichwortverzeichnis.

Das Buch ist ein starkes Plädoyer für die ökologische Landwirtschaft und kann sich als vorläufiges Standardwerk für die Steigerung der Bodenfruchtbarkeit und gleichzeitiger umweltfreundlicher Anbausysteme etablieren. Die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse werden dabei berücksichtigt. Es ist kompakt geschrieben, hätte an manchen Stellen mehr praktische Beispiele enthalten können. Praktisch sind die Zusammenfassungen am Ende der jeweiligen Kapitel.


Buch 6

Markus Zehnder/Friedrich Weiler: Steuobstbau. Obstwiesen als nachhaltige Kulturlandschaft mit hoher Biodiversität, 4. aktualisierte Auflage, Ulmer, Stuttgart 2021, ISBN: 978-3-8186-1375-4, 39,95 EURO (D)

Streuobstwiesen sind traditionelle Kulturlandschaften, die mit ihrer Vielfalt an Arten und Sorten eine hohe Biodiversitätsdichte aufweisen und eine wichtige Vernetzungsfunktion in der Landschaft haben. Dieses Fachbuch möchte für die vielen Facetten der Streuobstwiesen sensibilisieren. Es erscheint in der vierten aktualisierten Auflage. Dabei sind der Rückgang der Artenvielfalt, die Folgen des Klimawandels, Informationen zum Boden und den Standorteinflüssen verstärkt eingebaut worden.

Im ersten Kapitel geht es um grundlegende Informationen. Das Charakteristische einer Streuobstwiese ist eine Kombination weiträumig stehender, großkroniger Obstbäume mit Dauergrünland. Außerdem steht der dramatische Rückgang und Verfall der Streuobstwiesen im Mittelpunkt. Danach wird die Geschichte der Streuobstwiesen von den Römern bis in die heutige Zeit geschildert. Es folgt das Verhältnis des Menschen zu Obstbäumen und deren Früchten durch die Kulturgeschichte hindurch. Dabei geht es um die biblische Schöpfungsgeschichte, anderen Mythen, Beispiele aus Kunst und Literatur, die erholsame Wirkung auf den Menschen und die günstigen Auswirkungen auf Boden und Wasser. Anschließend wird die biologische Vielfalt in Streuobstwiesen vorgestellt. Eine entscheidende Ursache für die Artenvielfalt liegt in der hohen Vielfalt ihrer Strukturen. Pflanzen, Sortenvielfalt und die Artenvielfalt der Tiere werden ausführlich behandelt.

Hausgemache Produkte aus Streuobstwiesen werden dann skizziert. Säfte, Most (Obstwein) und dessen Herstellung, Schaum- und Perlwein, Destillate und Dörrobst sind dabei die Schwerpunkte. Im Folgenden werden das Anlegen von Streuobstwiesen, empfehlenswerte alte und neue Obstsorten mit ihren Besonderheiten, Pflegearbeiten, ökologische Aspekte, Düngung und eine Auflistung häufig auftretender Schädlinge und Krankheiten behandelt. Ebenso wird gezeigt, wie in den Jahreslauf von Obstwiesen in der Kinder- und Jugendarbeit bestimmte Themen eingebunden werden können.

Danach werden Berufe im Umfeld der Obstwiesen wie Baumwart, Pomologe, Küfer oder Böttcher und Imker vorgestellt. Dann werden verschiedene Streuobstwiesenlandschaften als Urlaubsziele präsentiert. Nach einer allgemeinen Einführung sind dies das Schwäbische Streuobstparadies, das Mostviertel in Ober- und Niederösterreich, das Biossphärenreservat Rhön, die Hessische Apfelwein- und Obstwiesenroute und die Region im schweizerischen Oberthurgau mit empfohlener Literatur. In einem Ausblick wird noch gezeigt, wie in Zukunft Bewirtschaftung und Pflege wieder attraktiver gemacht werden kann, wie man die Obstverwertung im eigenen Haushalt unterstützen kann und wie Bürgerengagement aussehen kann. Außerdem werden Maßnahmen genannt, wie die Folgen des Klimawandels etwas abgeschwächt werden können.

Im Anhang findet man noch Adressen von Organisationen, weiterführende Literatur, ältere Literatur, die Bildquellen, ein Register und Informationen über die Autoren.



Dieses Buch ist ein nachdrückliches Plädoyer für die Streuobstwiesen und deren vielseitige Vorteile für Mensch, Flora und Fauna und das ökologische Gleichgewicht. Die Ursachen für die Gefährdung von Streuobstwiesen liegen unter anderem in Ausweisung von Baugebieten, mangelnde betriebswirtschaftliche Rentabilität oder Verbrachung. Der Schutz der schwindenden Streuobstwiesen und ihre diversen Vorteile werden überzeugend dargelegt. Dabei geht es nicht nur um den Lebensraum für Tiere und Pflanzen und das Ökosystem. Auch um Streuobstwiesen als Erholungsraum für Menschen und als regionaler Produktlieferant für kulinarische Genüsse im Gegensatz zu den wenigen vorherrschenden Sorten im Supermarkt.











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