Neuerscheinungen Freizeit

19.09.21
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Figueredo: Los Cubanos. Auf der Suche nach der Seele Kubas. Searching for Cuba’s Soul, dpunkt Verlag, Heidelberg 2021, ISBN: 987-3-86490-858-3, 34,90 EURO (D)

Der Fotograf Volker Figueredo Véliz lebte in Havanna und erkundete jeden Tag die Stadt mit seiner Kamera. Er wollte eintauchen in das authentische Leben vor Ort. Dabei erlebte er jeden Tag kleine unbedeutende Geschichten, Alltagsszenen, auf der Straße, an ihrer Arbeitsstelle, in Freizeit- und Alltagssituationen. Dabei sind stille, poetische Momente genauso wie unerwartete, schräge und skurrile. Die besten Bilder sind in diesem Band versammelt, der gleichzeitig in deutscher und englischer Sprache erscheint.

Zu Beginn wird der Fotograf vorgestellt, außerdem gibt es eine Einleitung des New York Times Reporters Anthony DePalma über Kuba und die Art und Weise der Fotografie von Figueredo Véliz.

Die Bilder sind alle in Schwarz-Weiß gehalten und wurden mit einer Leica aufgenommen.

Meist sind dies Porträts von Personen, allerdings gibt es auch einige atmosphärische Bilder wie von Hurrikan Irma, der 2017 über Kuba wütete. Die Bilder werden immer auf zwei Seiten vorgestellt: auf der rechten Seite die Abbildung, auf der linken Seite liefern Anekdoten und Reportagetexte die Hintergründe zu den Aufnahmen. Dort werden Personen näher vorgestellt und es werden politische, gesellschaftliche und historische Zusammenhänge geschildert. Außerdem gibt es Auskünfte über Situation, Zeit und Ort der Aufnahme.

Das Besondere an den Aufnahmen liegt in der Vertrautheit des Fotografen mit den Porträtierenden. Dort scheinen Privatsphäre und Hemmnisse aufgehoben, die Menschen lassen vielen von ihren Gefühlen erkennen. Figueredo Véliz kommt nahe an die Porträtierten heran und schafft so persönliche, fast freundschaftlich wirkende Aufnahmen.

Dies ist ein authentischer Band, der einiges hinter den Kulissen freilegt. In die Seele Kubas einzutauchen, ist ein wenig übertrieben, es werden Einblicke in Probleme, Lebensstil, Vorlieben und Gewohnheiten kubanischer Menschen mit ausdrucksstarken Porträts gegeben. Er erzählt Geschichten von ganz normalen Leuten, jenseits gängiger Vorstellungen und Klischees erzeugt der Band im wahrsten Sinne des Wortes Gegenbilder.


Buch 2

Ueli Hintermeister/Daniel Vonwiller: Die schönsten Höhenwege der Schweiz, AT Verlag, München/Aarau 2021, ISBN: 978-3-03902-121-5, 30 EURO (D)

In diesem Buch werden 34 Höhentouren oder insgesamt 180 Tagesetappen in verschiedenen Regionen der Schweiz vorgestellt. Diese reichen von Höhenweg-Klassikern bis zu Geheimtipps, vom einfachen Tagesausflug auf der Rigi über ein siebentägiges Trekking von Brig nach Zermatt bis zum abenteuerlichen Gratwandern am Rande des Verzascatals. Praktische Informationen und Übersichtskarten zu jeder Route erleichtern die Planung.

Nach einem Vorwort gibt es eine grundlegende Charakterisierung eines Höhenweges. Danach folgen Informationen zu Sicherheit beim Wandern. Dort geht es um eine sorgfältige Vorbereitung der Tour, eine angemessene Ausrüstung, die Einschätzung der eigenen Leistungsfähigkeit, Wetterverhältnisse und andere wesentliche Faktoren. Die Erklärung der verwendeten Icons und die Vorstellung der Schwierigkeitsgrade (T1-T6) runden den Vorspann ab.

Danach wird die Schweiz in verschiedene Regionen eingeteilt und die dortigen Höhenwege vorgestellt: in der Ostschweiz zwei, der Zentralschweiz fünf, in Graubünden sechs, im Tessin neun, im Berner Oberland vier und im Wallis acht.

Dabei wird folgende Systematik verwandt: Zuerst gibt es immer eine allgemeine Beschreibung des Weges. Danach wird der Charakter des Weges, die Wanderung (Anfahrt plus Tagesetappen), Unterkunft und Verpflegung, Variationsmöglichkeiten, Informationen zu Touristenbüros und Karten und eine geografische Karte des Weges präsentiert. Zahlreiche Farbbilder sorgen für einen visuellen Eindruck der Wanderwege und Naturschönheiten.

In der hinteren Innenseite des Buches gibt es eine Übersichtskarte der Schweiz mit den eingezeichneten Touren.

Die Ausgangspunkte sind manchmal mit einer Seilbahn erreichbar. Wenn dies nicht der Fall ist, werden sowohl der Aufstieg zu Fuß als auch einfachere Varianten vorgestellt.

Im Anhang gibt es noch ein Verzeichnis der Touren nach Schwierigkeitsgrad mit Seitenzahlen und Informationen zu den Autoren.

Der Schwerpunkt des Buches liegt auf mittelschweren Touren, die in zwei oder mehreren Tagen bewältigt werden können. Längere Höhentouren gibt es nur selten. Von daher richtet sich das Buch an Wochenendausflügler*innen oder Tourist*innen, die ab einer Woche in die Schweiz in der Schweiz u.a. wandern wollen. Bekannte Touren werden mit Variationsmöglichkeiten dargestellt, es gibt auch viele Insidertipps für Wanderungen, die nicht so bekannt sein dürften.

Zum großen Teil werden die Touren ansprechen beschrieben. Bei den Touren hätte Klima, Geologie, Vegetation und Tierwelt näher beschrieben werden können. Auch Erste Hilfe oder Informationen zu Rettungsstationen mit Telefonnummern könnte in einem eigenen Kapitel behandelt werden.


Buch 2

Pia Parolin: Entwickle deine Fotografie! Wie du deine künstlerischen Ansprüche verwirklichst, dpunkt, Heidelberg 2021, ISBN: 978-3-86490-836-1, 32,90 EURO (D)

In diesem Buch zeigt Pia Parolin, wie man sich mit den eigenen Fotos künstlerisch ausdrückt und die Welt fotografisch so wiedergibt, wie man sie den eigenen Augen wahrnimmt. Stimmungen und Gefühle können so in die Fotos einfließen und die eigenen Fotografien tiefgründiger und interessanter machen. Parolin gibt praktische Anleitungen, um die fotografische Persönlichkeit zu erkennen und weiterzuentwickeln. In theoretischen Teilen setzt man sich damit auseinander, Konzepte zu entwickeln und wie man mehr Kunst in die eigenen Bilder einfließen lässt. „Du lernst, Gefühle subtil durch deine Bilder zu zeigen und vor allem im Betrachter einstehen zu lassen. Du wirst besser verstehen, was Kunst in der Fotografie bedeutet und erfährst, wie du dich selbst in kleinen Schritten zu einem sensibleren Umgang mit Bildern anleitest. Du dringst tiefer ein und schaffst etwas Neues in deiner Fotografie – etwas, das den Gegenüber gerührt.“ (S. 9)

Nach der Einleitung, wo auch Ziel und Aufbau des Buches erläutert wird, werden Elemente und Voraussetzungen vorgestellt, die notwendig sind, um sich zum Künstler zu entwickeln. Danach wird Schritt für Schritt erklärt, wie vom man vom Konzept zum Kunst-Bild gelangt. Schwerpunkte sind dabei, die eigene Entwicklung und Konzepte zu definieren, die passende Art der Fotografie zu ergründen, die Umsetzung und die Präsentation von Ergebnissen.

Anschließend gibt es praktische Anwendungen in der Fotografie als Kunst. Weiterhin werden fünf Beispiele aus verschiedenen Bereichen der Fotografie vorgestellt und auf den Bereich der Kunstfotografie bezogen. Es folgt eine ausführliche Beschäftigung, was überhaupt Kunst ist (allgemein und speziell für die Fotografie). In diesem Zusammenhang werden auch deutsche Fotografen-Künstler vorgestellt, die neue Impulse durch ihre Weltanschauung und Philosophie geben. Zu Wort kommen auch Zwanzigjährige („The Next Generation“), die Auskunft darüber geben, wie sie selbst Fotografie wahrnehmen.

Dazu gibt es bislang unveröffentlichte Bilder aus dem Privatbesitz der Autorin, die zur Untermalung des Textes dienen. Die gezeigten Bilder sind immer mit einem erklärenden Text versehen. Es wird eine große Bandbreite vorgestellt: von verschwommener Naturfotografie über Streetfotografie zu Landschaften, vom trivialen bis zu gelungenen Schnappschüssen und lange durchdachten Serien.

In den Kapiteln werden immer wieder prägende Zitate herausgestellt und es gibt spezielle Aufgaben zur eigenen Aneignung.

Im Anhang findet man noch weiterführende Bücher, Links zu Internet-Blogs, PDFs und Projekten. Leider fehlt ein Index zum Nachschlagen.

Das Buch soll den Leser dazu bringen, den eigenen Stil und die eigenen Vorstellungen zu finden. Es gibt viele intellektuelle Anregungen, die besonders für fortgeschrittene Fotografen, die mit Emotionalität, starkem Ausdruck und Sinneswahrnehmungen arbeiten, geeignet sind. Damit wird das künstlerische Ausdrücken der eigenen Persönlichkeit verknüpft. Kreativität ersetzt hier den Blick auf die technischen Werkzeuge und rückt den Fotografen in den Mittelpunkt.

Aber: Die Diskussion, was Kunst überhaupt ist und ausmacht, wird schon seit Jahrtausenden erbittert diskutiert, oft durch subjektive Zugänge geprägt. Von daher sind die Aussagen von Parolin nicht als allgemeingültig zu verstehen. Es ist einer von vielen Diskussionsansätzen, mehr nicht.


Buch 4

Bernd Imgrund: 111 Orte in der Eifel, die man gesehen haben muss, Band 2, Emons, Köln 2021, ISBN: 978-3-7408-0552-4, 16,95 EURO (D)

In diesem zweiten Band werden 111 geschichtsträchtige, geheimnisvolle, verrückte und vergessene Orte in der Eifel vorgestellt, die eher unbekannt sind.

Zu empfehlen wäre der Milchstraßenweg, ein Wanderweg rund um das Radioteleskop Effelsberg, bei der der Ausblick immer richtig Himmel gerichtet ist. Um den Wanderweg spannend zu gestalten, bildet der Weg die Entfernung der Planeten im Maßstab 1: 1000 Billiarden ab. In der Nähe gibt es auch noch den Planetenweg oder den Galaxienweg.

Ein geschichtsträchtiger Ort mit einer dunklen Vergangenheit ist die vom dem Maler Werner Peiner eingerichtete Hermann-Göring-Meisterschule für Malerei in Kronenburg. Hier sollte der künstlerische Nachwuchs von Nazi-Deutschland ausgebildet werden. Wer dort aufgenommen werden wollte, musste einen „Arier-Nachweis“ vorlegen und den autoritären Regeln des Instituts unterwerfen.

Weitgehend unbekannt dürfte auch der russische Friedhof in Rurberg sein, wo hauptsächlich Zwangsarbeiter oder Kriegsgefangene, die nicht in ihre Heimat zurückgebracht wurden, liegen. Insgesamt liegen dort rund 2300 russische Männer, Frauen und Kinder begraben. Dass es ein buddhistisches Meditationszentrum seit 2009 in Wassernach gibt, wissen wahrscheinlich auch die wenigsten. Dies wurde eigens von einem thailändischen Mönch eingeweiht.

Jedes der Ziele wird in einem eigenen Kapitel auf zwei Seiten vorgestellt. Neben einem Text auf der einen Seite gibt es auf der anderen ein Bild und eine Informationsübersicht mit Adresse, Anreise, ggf. Öffnungszeiten und einem Tipp für Sehenswertes oder Kulinarik in der näheren Umgebung.

Danach gibt es noch geografische Karten der Eifel und angrenzender Regionen, wo die beschriebenen Orte eingezeichnet sind.

Die Angebote für unterwegs mit Kindern sind unterrepräsentiert, sonst ist eine große Variationsbreite gewählt worden. Bei Wanderwegen oder Naturerlebnissen wird leider nicht angegeben, ob sich das Profil für Rollstuhlfahrer oder Kinderwagen eignet. Abhängig von persönlichen Vorlieben werden naturgemäß nicht alle Orte gleich spannend sein, die Möglichkeiten auf alternative Erlebnisse jenseits der bekannten Sehenswürdigkeiten sind auf jeden Fall gegeben.



Buch 5

Martin Schulz: Island fotografieren. Der Foto-Reiseführer zu den schönsten Motiven, 2., aktualisierte und erweiterte Auflage, dpunkt, Heidelberg 2020, ISBN: 978-3-86490-767-8, 24, 90 EURO (D)

In diesem Buch führt der Fotograf und Island-Kenner Martin Schulz zu 55 Stationen rund zu den Naturschönheiten um die Insel. Dazu gibt es genaue Anfahrts- und Lagebeschreibungen inklusive QR-Codes mit Google-Maps-Links, Tipps zu Gefahrenstellen, der besten Aufnahmezeit, lokalen Besonderheiten und den Umgang mit oft wechselndem Wetter. Auch einfach umzusetzende Foto-Workshops zu Panorama-, Nordlicht- und Filterfotografie werden präsentiert.

Zu Beginn des Buches gibt es grundlegende Informationen zur Reise: Planung, Flüge, Leihwagen, Straßenverkehr, Unterkünfte, Kleidung, Wetter, professionelles Material, Verständigung, Verhaltensregeln, wichtige und interessante Webseiten.

Danach folgen 12 Touren durch Island. Jedes der Kapitel besteht aus einzelnen Touren, die zwar räumlich zusammenhängen, die aber in freier Reihenfolge kombiniert werden können. Zu Beginn werden Ausgangspunkte meist zur Übernachtung genannt. Vor jeder Tourbeschreibung gibt es eine Auflistung der wichtigsten Eckwerte: die geeignetste Tages- und Nachtzeit, empfohlene Bekleidung, Ausstattung und die GPS-Koordinaten für den Parkplatz und die eigentlichen Orte. Diese Koordinaten sind auch als QR-Codes am Seitenrand abgelegt. Außerdem gibt es eine geografische Karte der Gegend, zahlreiche weiterführende Tipps und Bildmotive mit technischen Daten.

Anschließend geht es um Fototechniken. Der Großteil der hier gezeigten Bilder ist unter Einsatz verschiedener Filter entstanden. Die Arbeit mit Grauverlaufs- und Graufilter werden zunächst vorgestellt. Es folgen Informationen zur Nordlichtfotografie. Die Fotografie mit Drohnen mitsamt rechtlichen Hinweisen rundet dieses Kapitel ab.

Im Anhang findet man noch einen Index.

Der Schwerpunkt der Motive liegt eindeutig auf der Landschaftsfotografie. Auf die Arbeit mit Grauverlaufs- und Graufilter, Nordlichtfotografie und die Fotografie mit Drohnen wird ausführlich eingegangen. Kenntnisse der Wetterfotografie sind schon erforderlich, darauf wird nur grob eingegangen. Es gibt viele zweckmäßige Tipps zur Reiseplanung und lohnenswerten Motiven. Gut ist auch: Unter einer im Buch auf Seite 7 befindlichem Link kann man noch eine Bonustour durch Islands Hochland als PDF herunterladen.


Buch 6

Jochen Reiss: 111 Orte in Hamburg, die man gesehen haben muss, Emons, Köln 2021, ISBN: 978-3-7408-1211-9, 16, 95 EURO (D)

In diesem Reiseführer werden 111 geheimnisvolle, emotionale und vergessene Orte in Hamburg vorgestellt.

So zum Beispiel das Wasserschloss in Hafen-City, Schlaf- und Werkstatt für Wiedenwärter, die den Bereich in der Speicherstadt am Laufen hielten. Das Schloss steht auf einer Halbinsel am Zusammenfluss von Wandrahmsfleet und Holländischbrookfleet. Die Fassade ist mit Schmucksteinen und Glassiegelbändern gestaltet. Oder der Yu Garden in Rothenbaum, wo fernöstlicher Zauber den Besucher erwartet. Der Yu Garden ist Ausdruck der Städtepartnerschaft zwischen Hamburg und Shanghai. Dort werden Lesungen, Sprachkurse, Konzerte abgehalten und das Konfuzius-Institut der Universität Hamburg hat dort einen Außenposten.

Interessant ist auch die Kiezkirche Sankt Joseph auf St. Pauli, die umgeben ist von Nacht- und Erotik-Clubs, Bordellen und Straßenprostitution. Heute ist hier die katholische polnische Gemeinde zu Hause, zum Gottesdienst in polnischer Sprache kommen auch gläubige Sexarbeiter*innen. Die lebendigste Kunstausstellung der Stadt ist umsonst und draußen, Fassaden-Graffiti gibt es vor allem in der Eifflerstraße, der Rosenhofstraße und auf dem Schulterblatt. Dort beauftragen sogar manche Hausbesitzer lokale Graffiti-Künstler, um die Mauern kunstvoll zu besprühen.

Jeder der Orte wird auf zwei Seiten vorgestellt. Neben einem Text auf der einen Seite gibt es auf der anderen ein Bild und eine Informationsübersicht mit Adresse, Öffnungszeiten und einem speziellen Tipp für Sehenswertes oder Kulinarik in der näheren Umgebung.

Nach den Orten gibt es mehrere Seiten mit Stadtplänen, in dem alle 111 Orte eingezeichnet sind.

Es gibt zahlreiche Erwähnungen der zahlreichen Alternativkultur der Stadt, so dass ein breites Repertoire des Lebens in der Hansestadt vorgestellt wird. Leider ist das interkulturelle und internationale Flair etwas unterrepräsentiert. Dennoch: Für jeden, der sich für die Geschichte, die Besonderheiten, Kultur und etwas hinter die Kulissen des Lebens in Hamburg interessiert und etwas Zeit mitbringt, kann dieses Buch empfohlen werden.









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