„Leonardo Boff – ein Wegbereiter des Reformkurses von Papst Franziskus“

13.12.18
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Von Wir sind Kirche

Wir sind Kirche zum 80. Geburtstag des Befreiungstheologen Prof. Dr. Leonardo Boff (14. Dezember 2018)

Die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche gratuliert einem der führenden Theologen der Befreiung, dem weltweit bekannten Theologen Leonardo Boff zu seinem 80. Geburtstag und dankt ihm für seine theologischen, politischen und spirituellen Impulse, die auch die basiskirchlichen Bewegungen in Europa entscheidend geprägt haben. Mit seiner Theologie hat er die grundlegende Erneuerung der Kirche vorbereitet hat, um die sich jetzt Papst Franziskus gegen alle Widerstände bemüht.

Boff, der sich heute als Ökologe, Theologe und Philosoph bezeichnet, vertritt bis heute die franziskanischen Grundideen der brüderlichen Nähe zu den Armen und zur gesamten Schöpfung. Papst Franziskus hat ihn um Material für die Umweltenzyklika „Laudato si‘“ im Jahr 2015 gebeten und ließ einige Gedanken in den Text einfließen.

Prophetische Theologie der Befreiung

Leonardo Boff gehört – zusammen mit Pedro Casaldaliga (*16. Februar 1928), Gustavo Gutierrez (*8. Juni 1928) und Jon Sobrino SJ (*27. Dezember 1938) – zu den führenden Vertretern der lateinamerikanischen Theologie der Befreiung, jener prophetischen Bewegung, die seit den 1960er Jahren konsequent Orientierungen und Hoffnungen aus der Sicht der Armen und Unterdrückten aus der Bibel erschloss und aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen und Abhängigkeiten in den Blick genommen hat.
Nach einer glänzenden theologischen Karriere als Schüler von Karl Rahner vollzog Boff mit seinem Buch „Jesus der Befreier“ (1972) den Schritt „von der erlernten Theologie der modernen Welt zu einer Theologie der Welt der Armen“. In Deutschland wurde Boff vor allem bekannt durch seine „Kleine Sakramentenlehre“.

Konflikte mit Joseph Ratzinger

Auslöser für den tiefgreifenden Konflikt mit Rom war das 1981 erschienene Buch „Kirche – Charisma und Macht“, in dem er der römisch-katholischen Kirche Machtmissbrauch vorhielt und die hierarchische Amts-Struktur als nicht-biblisch kritisierte. Unter Bezug auf die Reformation kritisierte er das paternalistische Sakramentsverständnis und stellte dem die lebendige, prozessuale Kirche der Armen gegenüber: „Die Kirche der Reichen für die Armen verneint die Macht des Volkes, sich zu befreien.“
Joseph Ratzinger, der ehemals einer seiner Doktorväter war, erteilte ihm als Präfekt der Glaubenskongregation 1985 ein einjähriges Rede- und Lehrverbot, das für Boffs weltweite Bekanntheit sorgte. Boff im Interview Juli 2008: „Als Ratzinger nach Rom ging, übernahm er die Logik des römischen Systems, die Logik der Macht. Das enttäuschte mich. Als Papst wurde er noch schlimmer.“
In der Erklärung der Glaubens­kongregation „Dominus Jesus“ wurde Boff als einziger Theologe namentlich erwähnt. Der Streit mit Kardinal Ratzinger lebte danach erneut auf, vor allem an der Frage um die Auslegung des „subsistit“ (= „verwirklicht“; II. Vatikanum, Kirchenkonstitution Art. 8), in der Ratzinger die römisch-katholische Kirche als einzige Verwirklichung der wahren Kirche sah und den anderen Kirchen „nur Elemente von Kirche“ zugestand.

Rehabilitierung durch Papst Franziskus

Durch Papst Franziskus, den Papst aus Lateinamerika, erlebt die Intention der Befreiungstheologie endlich eine Bestätigung, wenn Franziskus schreibt: „Mir ist eine verbeulte Kirche, die verletzt und beschmutzt ist, weil sie auf die Straßen hinausgegangen ist, lieber als eine Kirche, die aufgrund ihrer Verschlossenheit und ihrer Bequemlichkeit, sich an die eigenen Sicherheiten zu klammern, krank ist.“ (Evangelii Gaudium, 2013, Nr. 49) Seit der Wahl von Franziskus zum Bischof von Rom hat sich Leonardo Boff in vielen Interviews zu dessen Reformkurs bekannt.







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