Neuerscheinungen Biografie

20.11.20
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Hubert Messner/Lenz Koppelstätter: Der schmale Grad. Als Arzt und Abenteurer zwischen Leben und Tod, Ludwig, München 2020, ISBN: 978-3-453-28123-3, 22 EURO

In dieser in Zusammenarbeit mit Lenz Koppelstädter geschriebenen Biografie schildert Hubert Messner, Bruder von Reinhold Messner sein bewegtes Leben als Arzt für Neugeborene am Klinikum in Bozen und den abenteuerlichen Expeditionen an der Seite seines Bruders Reinhold.

Schnell wird klar, dass sich Hubert Messner nicht hinter der Popularität seines Bruders verstecken muss und dass er eine sehr eigenständig ausgeprägte Persönlichkeit besitzt. Er berichtet von seiner Kindheit und Jugend im Villnößtal: Die Sass Rigass als sein erster erklommener Gipfel mit fünf oder sechs Jahren, seine Beziehungen zu seinen Brüdern und seine Ferien auf Bergbauernhöfen.

Die Gradwanderungen seines Lebens und der Balanceakte zwischen den Extremen zeigen sich sowohl in seiner früheren beruflichen Tätigkeit als auch bei der Besteigung des Nanga Parbat mit seinem Bruder Reinhold, die Durchquerung von Grönland durchquert und die Expedition zum Nordpol. Beides vergleicht er miteinander: Schicksalhafte Erlebnisse und Schlüsselerfahrungen hat er in beiden Bereichen gesammelt, aus denen er viel für sich persönlich herausziehen konnte. Bei Grenzerfahrungen lerne man viel über sich selbst, über andere und über die Grenzen.

Dass der Nanga Parbat ein ganzes Kapitel einnehmen würde, war eigentlich klar. Sein Bruder Günther kehrte von einer Bergtour nicht zurück, was für einen der privaten Schicksalsschläge bei ihm und in der ganzen Familie sorgte. Der Aufstieg, sein dort erlebtes Freiheitsgefühl und die gemeinsame Reise der Familie zum Fuße des Berges werden dort beschrieben. Die Höhen und Tiefen seines Lebens werden mit existenziellen Fragen und Wertvorstellungen verbunden:  Erlebnisse, wie das erste tote Kind, das er mitansehen musste, und anderes Leid im Beruf trotz aller Erfolge bei der Behandlung von neugeborenen Kindern werden auch geschildert.

Heute engagiert er sich bei der Südtiroler Organisation Essen auf Rädern und hilft in den Sommermonaten auf einem Südtiroler Bergbauernhof mit.

In der Mitte des Buches gibt noch private Bilder von seiner Grönlanddurchquerung mit seinem Bruder Reinhold, aus seiner Jugend im Villnößtal, als Arzt auf der Bozener Neugeborenen-Intensivstation, vom Bergsteigen, Surfen und Kiten.

Ein spannendes Buch über eine beeindruckende Persönlichkeit. Die Mischung des Buches zwischen biografischer Beschreibung, beruflicher Herausforderung, Lebensprioritäten und persönlichen Grenzerfahrungen macht den Reiz des Buches aus.

 

Buch 2

Alicia Keys: More myself. Mehr ich selbst, Knaur, München 2020, ISBN: 978-3-426-21488-6, 20 EURO (D)

In diesem Buch erzählt die Sängerin und Songwriterin erzählt ihre Biografie und geht auf ihre persönlichen Höhepunkte und Schicksalsstunden ein und setzt sich kritisch mit den Mechanismen der Musikbranche auseinander. Sie verschafft Einblicke in ihr persönliches Leben, das ihre Triumphe, Zweifel, Ängste und die Situation, in jungen Jahren mit Ruhm umzugehen und gestiegene Erwartungen reflektiert.

Dies beginnt mit Erinnerungen an ihre Kindheit, wo sie zum großen Teil von ihrer Mutter erzogen wurde und ihr leiblicher Vater kaum Anteilnahme zeigte. Sie erklärt die lebenslangen Auswirkungen ihrer unvollkommenen Kindheit, benutzt dies jedoch nie als Entschuldigung.

Sie beschreibt ihren mühsamen Weg die Karriereleiter hinauf und nach ihrem Durchbruch mit dem Album Songs in a Minor. Jahrelang verdiente Mitarbeiter werden entsprechend gewürdigt. Sie übt auch Kritik an den Plattenlabels, die junge Künstler für mehr Einnahmen in ein persönliches und berufliches Korsett als Image aufzuzwingen versuchen. Sie warnt vor solch einer Art von Manipulation für den eigenen Lebensweg. Während ihrer Karriere hat sie es erfolgreich vermieden, von Führungskräften von Plattenlabels manipuliert zu werden, von denen viele nicht wussten, wie sie als Künstlerin eingestuft werden sollte.

Neben den Stationen ihrer Karriere und dem Haifischbecken Musikbranche geht es vor allem aber um ihre persönlichen Probleme bei der Suche nach ihrer eigenen Identität, der Bewältigung ihres früher geringen Selbstwertgefühls und dem Erreichen von Erfolg zu ihren eigenen Bedingungen in Beziehung zu setzen. Sie erzählt auch von ihrem Leben mit ihrem Ehemann, dem Plattenproduzenten Swizz Beatz, die Geburten ihrer beiden Söhne und die Patchworkfamilie, die sie mit Swizz 'anderen Kindern gegründet haben. Dies führte sie zu gesellschaftlichem Engagement durch Stiftungen, um bestimmte soziale Probleme wie die Stärkung von Kindern in Afrika sowie Rassismus und Gleichstellung anzugehen.

So führt Keys führt die Leser Schritt für Schritt durch ihre persönliche Reise der Selbstentwicklung. Auf diese Weise bietet Keys eine Blaupause für andere Künstler oder junge Menschen, ihr persönliches Bestes in einem Leben voller Kämpfe zu finden und sich in alle Richtungen nach den eigenen Vorlieben weiterzuentwickeln. Persönliche Enthüllungen des Lebens jenseits des Scheinwerfers einer bedeutenden zeitgenössischen Musikerin.

Buch 3

Jackie Chan mit Zhu Mo: Never grow up. Die offizielle Autobiografie, Neues Leben, Berlin 2020, ISBN: 978-3-355-01892-0, 24 EURO

Jackie Chan, einer der beliebtesten Filmstars der Welt, hat zusammen mit Zhu Mo seine offizielle Biografie geschrieben, die nun auf Deutsch erschienen ist zeigt alles in dieser herzerwärmenden Autobiografie. Er erzählt offen über seine Stärken und Schwächen, seine Kämpfe, seinen Ruhm, seine Beziehungen und wie es zur Filmikone geschafft hat.

Dabei schildert er seine harte Kindheit in Hongkong, sein Kampf aus Armut und Analphabetismus bis hin zu einer Art Anerkennung „vom ungebildeten Versager zum berühmten Star“ (S. 117) Sein oft schreckliches Verhalten gegenüber den Frauen in seinem Leben in seinen frühen Jahren bereut er, genauso wie andere Verfehlungen. Die Liebe zu seiner jetzigen Frau schien ihm Halt im Leben gegeben zu haben. Die schwierige Beziehung zu seinem Sohn wird aus seiner Perspektive erzählt, wie auch sonst viel Persönliches. Dort wird die sensible Seite des raubeinig wirkenden Actionhelden sichtbar. Seine enge familiäre Bindung verrät einerseits Bodenständigkeit, andererseits kommt immer wieder sein Hang zu materiellen Sachen durch.

Zu seinen bekanntesten Filmen gibt es zahlreiche Anekdoten und seine enge Bindung zu seinem Filmteam überrascht. Hinter der glamourösen Fassade der Filme hatten als Basis „entsetzliche Schmerzen, die ich jeden Morgen beim Duschen spürte oder wenn ich morgens nicht in der Lage war, meinen Rücken zu strecken.“ (S. 381) Die Beziehungen zu seinen Fans wird ein Extrakapitel gewidmet.

Das, was er am meisten schätzt, „ist die Chance zu haben, die Träume meiner Kindheit im Film auszuleben und das schon so lange und erfolgreich.“ (S. 16)

Das Buch liest sich einfach, flüssig und gradlinig. In der Mitte des Buches gibt es einige schwarz-weiß-Aufnahmen, Farbaufnahmen wären besser gewesen. Fans von Jackie Chan erhalten hier persönliche Einblicke in Leben und Filme. Er geht im Rückblick von nun 65 Jahren offen mit Fehlern um, auch mit seinem kometenhaften Aufstieg vom jungen Habenichts zum gefeierten Filmstar. Wobei sein Leben und seine Karriere noch lange nicht vorbei sind: seine Ziele für die Zukunft nicht beileibe nicht anspruchslos.

Buch 4

Alois Brandstätter: Lebensreise, Residenz Verlag, Wien/Salzburg 2020, ISBN: 978-3-7017-1735-4, 24 EURO (D)

Alois Brandstätter zählt zu den bekanntesten Gegenwartsautoren in Österreich. In diesem Buch blickt er auf seine „Lebensreise“ zurück. Der Rückgriff auf seinen Namenspatron, den Heiligen Aloysius gibt den Rahmen dieser Autobiografie vor.

Die einzelnen Stationen seines Lebens werden dargelegt, Anekdoten erzählt und interpretiert. Seine Prägung erfuhr er im bischöflichen Knabenseminar Petrinum in Linz, danach besuchte er Gymnasium in Wels. Dem folgten Studienjahre an der Universität Wien, wo er Geschichte und Germanistik erfolgreich absolvierte. War noch seine Dissertation über sprachwissenschaftlicher Natur über die Mundart von Pichl stark heimatkundlich geprägt, öffnete sich seine Welt ein wenig mit dem Weggang nach Saarbrücken, wo er an der dortigen Universität als wissenschaftlicher Assistenz arbeitete. Nach seiner Habilitation dort wurde er dort zum Professor ernannt und blieb dort einige Jahre.

Danach verschlug er ihn wieder zurück nach Österreich, wo er an der Universität Klagenfurt eine Professur bekleidete und sein schriftstellerisches Talent entfalten konnte. Was dann folgte waren Jahre verbunden zwischen literarischer Lehre und gleichzeitigen selbständigen Schreiben, was ihm mehrere hochrangige Auszeichnungen und Erfolge einbrachte. Die Rückschau auf seine Lebensstationen ist mit der Behandlung theologischer, existentieller und anthropologischer Fragen verbunden. Gleichzeitig ist dies auch eine kleine Reise durch die Literaturgeschichte, was keineswegs überraschend ist.

Der Text ist von der Zwiesprache mit seinem Namenspatron geprägt, was auf lange Sicht ermüdend ist. Auch die vielen etymologischen Herleitungen und Interpretation tragen dazu bei, den bisweilen flüssigen Stil zu stören.

Aus konservativer Sicht werden historische, theologische Themen wie Gegenwartsfragen angeschnitten, man lernt seine Lieblingsautoren (Joyce usw.) kennen und es finden sich immer Bezüge zu seinen Werken. Brandstätters Leben ist selbst nicht so ereignisreich, nur für eingefleischte Anhänger lohnt sich von daher die Lektüre.

Buch 5

Monika Baumgartner: Alles eine Frage der Einstellung. Mein Leben zwischen Berg und Tal, Knaur, München 2020, ISBN: 978-3-426-21469-5, 19,99 EURO (D)

In diesem Buch erzählt die Schauspielerin Monika Baumgartner von ihrer Karriere, ihrer Arbeit mit Größen der deutschen Film- und Theaterwelt und ihrem Leben geprägt von vielen Höhen und Tiefen. Außerdem berichtet sie aus ihrer Kindheit und ihre Beziehung zu ihrer Schwester Waltraud und ihrem Bruder Joseph, ihren Partnern und ihren Anfängen am Theater.

Sie ist vor allem durch die Serie „Der Bergdoktor“ als Elisabeth Gruber Mutter von Hans Gruber und Martin Gruber und Familienoberhaupt bekannt.

Dass dies nur eine Episode ihres beruflichen Wirkens ist, wird schnell deutlich: Sie hat in zahlreichen Theaterproduktionen Fernsehfilmen und –staffeln und Kinofilmen mitgewirkt (siehe die Filmografie, Theater-Engagements, Inszenierungen am Ende des Buches) Ihre erste Fernsehrolle hatte sie als Monika Hartlinger in „Der Millionenbauer“ mit Walter Sedlmayr. Doch sie bezeichnet ihre Darstellung als Rumpelhanni, die aus ärmlichen Verhältnissen stammende Johanna Rumpl, aus dem Jahre 1981 als ihre wichtigste Fernsehrolle.

Doch es gab nicht nur Höhepunkte in ihrem Leben. Die schlimmste Zeit sieht sie im Rückblick in plötzlich auftauchenden Schmerzen, wegen denen sie erfolglos von Arzt zu Arzt rannte. Diese stellten sich dann als Polymyalgie, ein Vielmuskelschmerz, heraus und konnte durch ganzheitliche Medizin behandelt werden.

Auf die Frage, was den Erfolg der Serie Bergdoktor ausmacht, antwortet sie: „Letztlich ist es wohl die gelungene Mischung Bergbauernalltag und Intensivstation, dramatischen Hubschrauberrettungsaktionen und rätselhaften Virenstämmen. Egal, was passiert, egal, wie schlecht die Welt ist. Der Bergdoktor rettet dich.“ (S. 271)

Jedes Jahr im Frühling finden Fantage der Serie statt, wo die Grenzen zwischen Monika Baumgartner und Elisabeth Gruber beim Gespräch mit den Fans verschwimmen. Sie berichtet auch über die Bergdoktor-Gala, die im Rahmen des Musikherbstes am Wilden Kaiser stattfindet und wo Tausende Menschen hinkommen.

Fans des Bergdoktors können sich auf einige Einblicke der Serie freuen, aber vor allem lernt man eine vielseitige Schauspielerin kennen, die uneitel und ehrlich aus ihrem Leben berichtet.

Buch 6

Jessica von Bredow-Werndl: Das Glück der Erde. Was ich täglich von meinen wunderbaren Pferden lernen darf, Knaur, München 2020, ISBN: 978-3-426-21486-2, 22 EURO (D)

Jessica von Bredow-Werndl ist eine der erfolgreichsten Dressurreiterinnen der Welt. Gemeinsam mit ihrem Bruder Benjamin betreibt sie nahe Rosenheim das Gut Aubenhausen, einen Ausbildungs- und Dressurstall. In diesem Buch geht es jedoch nicht hauptsächlich über ihren persönlichen und beruflichen Lebensweg oder ihre Erfolge als Sportlerin, sondern ihre Seelenverwandtschaft zu Pferden und was man aus der täglichen Arbeit mit ihnen auf das eigene Leben übertragen kann.

Für sie gehen der Spitzensport und die Liebe zum Pferd Hand in Hand. Dabei steht das Wohlergehen der Pferde über allem: „Ich liebe diesen Sport auch gerade deshalb so sehr, weil es immer wieder spannend findet, mich in die unterschiedlichsten Charaktere der Pferde einzufühlen, sie kennen und schätzen zu lenren. Jedes Pferd ist völlig einzigartig. Eine gute Partnerschaft basiert auf Vertrauen und Freundschaft.“ (S. 145)

Sie erzählt von dreien ausführlich. Die Freundschaft zu ihrem Pferd Unee, die von Gefühl und Intuition bestimmt war. Von ihrem Pferd Zaire, das sie lehrte, den Glauben niemals aufzugeben. Und von ihrem aktuellen Pferd Dalera, mit dem sie sich perfekt ergänzt und das ihr das Gefühl vermittelt, dass es leicht sein darf und sich keine Grenzen zu setzen.

Sie berichtet auch von Spagat zwischen Sport und ihrem kleinen Sohn Moritz, der nicht immer ganz so einfach ist und ihr jetziges Leben entscheidend prägt. Neben ihrem Sohn und ihrem Mann Max hat sie eine enge Beziehung zu ihren Eltern und ihren Mitarbeitern, die sie unterstützen.

Pferde lehren sie im Allgemeinen, flexibel und offen zu bleiben: „Sie kennen keine Sorgen und keine Angst vor der Zukunft. Sie gehen jeden Tag auf die Weide, wir bewegen sie und kümmern uns um sie. Sie führen ihr Leben von einem Tag zum anderen, immer ganz im Hier und Jetzt. Moritz tut das auch. Sie sind meine besten Lehrer.“ (S. 195)

Das Buch ist mit viel Pferdeliebe geschrieben. Die Autorin beschreibt hier emotionale Beziehungen und deren Aufbau und Hemmnisse und das Pferd als Interaktionspartner nicht nur im Reitsport. Es ist ein Plädoyer für eine enge Verbindung zwischen Tier und Mensch und zeigt, dass man von Tieren etwas lernen kann. Es ist besonders für Gestüte, Pferdepensionen, Reitschulen, Deckstationen oder landwirtschaftlichen Betrieben mit Schwerpunkt Pferdezucht und Liebhaber des Pferdesportes geeignet.

 







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