Neuerscheinungen Natur

14.04.19
KulturKultur, TopNews 

 

Buchtipps von Michael Lausberg

Buch 1

Sven Herzog: Wildtiermanagement. Grundlagen und Praxis, Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2019, ISBN: 978-3-494-01714-3, 39,95 EURO (D)

Sven Herzog leitet seit 1998 die Abteilung Wildökologie und Jagdwirtschaft an der Technischen Universität Dresden und legt hier eine Zusammenfassung des Wildtiermanagements vor.

Das vorliegende Buch hat zwei Ziele: einen fachlichen Überblick über das Thema zu geben und anhand einzelner Beispiele die Zusammenhänge zwischen biologisch-ökologischen Gegebenheiten und menschlichen Anforderungen verständlich zu machen.

Wildtiermanagement ist ein Bereich des Naturschutzes und der Jagd, in dem Wildtiere und deren Lebensräume im Mittelpunkt stehen. Tätigkeitsbereiche sind unter anderem im Jagd- und Forstbereich, Raumplanung, Schutzgebietsmanagement, Landschaft- Arten- und Naturschutz angesiedelt, was hier ausführlich angesprochen wird. Auch Revitalisierung und Erhaltung von Lebensräumen gehören zu den Aufgaben eines Wildtiermanagers. Aspekte wie Bestandserfassungen, Um- und Ansiedlungen, Schutzgebiete, Verkehrswege, Notzeitfütterungen oder Präventionsmaßnahmen bei vom Aussterben bedrohten Tierarten werden ebenfalls beleuchtet. Wildtiermanagement in urbanen Räumen und unter Aspekten des Klimawandels kommt ebenfalls zur Sprache.

Es ist mit vielen Praxisbeispielen angereichert. Eines ist aktueller Natur: Mit der Rückkehr des Wolfs nach Deutschland steigt gleichzeitig der Wissensbedarf zur Ökologie und zum Verhalten dieser ehemals ausgerotteten Spezies. Um die Ausbreitung der Wolfspopulation zu verfolgen wurde das sogenannte Wolfsmonitoring eingerichtet. Neben der wissenschaftlichen Begleitung der Ausbreitung der Wölfe in Niedersachsen, stehen auch andere wissenschaftliche Fragestellungen im Fokus.

Im Anhang findet man noch ein opulentes Literaturverzeichnis, ein kurzes Kapitel über die Moderation von bestimmten Interessengruppen, einen Bildnachweis sowie ein Register.

Der Lebensraum der Wildtiere wird zunehmend durch den Menschen beeinflusst und eingeengt - daher ist ein verantwortungsvoller Umgang mit den Wildtierarten der Region vor unserer Haustür von größter Bedeutung. Dies ist ein gut gegliedertes Einführungsbuch in das Gebiet des Wildtiermanagement. Das Buch eignet sich für Jäger, Förster, Landwirte, Naturschützer, Studenten und alle, die sich mit heimischen Wildtieren beschäftigen. Auch Behörden und ggf. politische Institutionen können von den zahlreichen Praxisbeispielen lernen, vor allem beim Kapitel Wildtiermanagement in urbanen Räumen.

 

Buch 2

Wolfgang Licht: Zeigerpflanzen. Erkennen und Bewerten, Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2015, ISBN: 978-3-494-01586-6, 39,95 EURO (D)

Zeigerpflanzen sind Pflanzenarten mit einer geringen ökologischen Potenz, das heißt mit einer geringen Toleranz gegenüber Veränderungen ihrer Lebensbedingungen. Sie geben deshalb gute Hinweise auf die Beschaffenheit des Untergrundes und Bodens, auf dem sie wachsen, oder auf die Einträge von Luftschadstoffen, und gehören damit zu den so genannten Bioindikatoren. Dieses Buch will bei der schwierigen Bestimmung der Zeigerpflanzen helfen. Sie werden nach Biotoptypen getrennt, und insgesamt über 500 kennzeichnende Arten mit mehr als 500 Farbbildern und Kurzbeschreibung vorgestellt.

Das Buch beginnt mit den Grundlagen: Dabei werden die Zeigerwerte nach der Methode von Eilenberg und die Pflanzensoziologie vorgestellt. Weiter geht es mit der Praxis von der Erfassung und Kartierung der Vegetation. Danach folgt der Bestimmungsteil, der mit den Zeigerpflanzen für Pflanzengesellschaften beginnt. Dieser wird eingeteilt nach Wasserpflanzen, krautige Vegetation der Gewässerränder, Moore, Nassgrünland, Grünland mittlerer Standorte, Bodensaure Magerrasen und Zwergstrauchheiden, Steppen- und Trespenrasen, Sandrasen, Skelettböden, Felsen und Mauern, Säume und Waldverlichtungen, Gebüsche trockener und mittlerer Standorte, Eichenwälder, Buchen, Heimbuchen- und Edellaubwälder, Nassgehölze, Nadelgehölze, Wildkrautgesellschaften der Äcker und Gärten und Ruderalgesellschaften.

Anschließend werden Zeigerpflanzen für bestimmte Ökofaktoren präsentiert. Dies sind Feuchte- und Nässezeiger, Trockenzeiger, Kalkzeiger, Säurezeiger, Magerkeitszeiger, Stickstoffzeiger, Salzzeiger, Rohbodenzeiger, sonstige Bodenzeiger, Klimazeiger, Störfaktorenzeiger und Sukzessionszeiger. Im Anhang findet man noch eine Zusammenstellung der im Buch erwähnten Syntaxa, ein Literaturverzeichnis, ein Register und einen Bildnachweis.

Dieses Buch richtet sich an Biologen, Botaniker, Kartierer, Landespfleger und alle in dem Bereich tätigen Personen. Die Bilder sind detailliert und scharf, so dass die Bestimmung kein Problem ist und von dort aus gut  Aussagen auf den Charakter und die Bedeutung des Biotops getroffen werden können.

 

Buch 3

Petra Maria Zizenbacher: Naturheilkunde für die ganze Familie. Der Körper, Heilverfahren, Heilpflanzen, Freya Verlag, Linz 2018, ISBN: 978-3-99025-334-2, 34 EURO (D)

In diesem Handbuch stellt die Ärztin Petra Maria Zizenbacher altes Kräuterwissen und viele naturheilkundliche, wirksame Anwendungen aus ihrer eigenen Praxis für die ganze Familie vor. Hier wurden die Anregungen und Rückmeldungen ihres ersten Buches zu demselben Thema mit eingearbeitet. Es beinhaltet nicht nur eine Beschreibung der Wild- und Heilpflanzen und deren Anwendungsmöglichkeiten bei verschiedenen Beschwerden und Erkrankungen. Sie hat darüber hinaus auch die Anatomie des Körpers und der jeweiligen Organe erklärt, um besser verstehen zu können, was deren Funktion und Aufgabe ist. Zellen, Sinnesorgane, Haut und Bindegewebe werden auch ausführlich angesprochen und die textlichen Erläuterungen werden durch viele Zeichnungen visualisiert.

Im ersten Kapitel beschäftigt sie sich mit häufig vorkommenden Krankheiten und Beschwerden. Weiter geht es mit einer kurzen Stippvisite in die Anatomie, sie erklärt den Körper und die Funktion der Organe  und die Möglichkeit ihrer Transplantation bis zum Ableben. Danach behandelt sie verschiedene Anwendungen wie Wickel, der Herstellung von Salben usw. sowie Reinigungsverfahren oder Massagen und zehn einfachen Übungen für den Körper.
Anschließend geht um ausgesuchte Heilpflanzen mit einer kurzen Einführung über Auswahl und Dosierung, die alphabetisch geordnet vorgestellt werden. Im Anhang findet man neben einem Literaturverzeichnis und einen Index eine Auflistung von Giftpflanzen, Liedtexten und Bezugsquellen.

Das Buch nach häufig gestellten Fragen und Probleme, die sie in ihrer Praxis von Patienten hört aufgebaut. Diese wurden speziell ausgewählt und dazu Lösungsvorschläge präsentiert. Daher ist das Werk sehr benutzerfreundlich geschrieben, gut gegliedert und durch den ausführlichen Index auch als Nachschlagewerk zu gebrauchen. Die verschiedenen Anwendungen von Heilpflanzen bietet eine gute Grundlage für eine selbständige Anwendung, wobei wohl bei schwerwiegenden Problemen immer Fachleute zu Rate gezogen werden sollten.

 

Buch 4

Barbara Eschenburg: Naturbilder Weltbilder. Landschaftsmalerei und Naturphilosophie von Jan van Eyck bis Paul Klee, Gebrüder Mann Verlag, Berlin 2019, ISBN: 978-3-7861-2788-8, 59 EURO (D)

Seit der Renaissance orientierten sich bekannte Maler in ihren Landschaftsdarstellungen an antiker und zeitgenössischer Kulturphilosophie. Barbara Eschenburg zeigt in diesem Buch, wie sich in den verschiedenen Formen der Landschaftsmalerei jenseits der stilistischen Entwicklung die Entwicklungen in den Naturwissenschaften spiegeln. Künstlerische Ausdrucksformen werden somit als Wirkung der jeweiligen wissenschaftlichen Anschauungen auf die Landschaftsbilder gewertet und analysiert. Sie bringt sich wandelnde wissenschaftliche Sicht der Natur mit der Kunst der Landschaft vom 15 bis zum 20. Jahrhundert in einen Einklang. Dabei steht die beiden Hauptaspekte die Gestalt des Kosmos und der Materie im Mittelpunkt. Dies wird anhand von Hauptwerken der Landschaftsmalerei in der Kunstgeschichte gezeigt.

Zunächst werden antike Texte von verschiedenen Autoren über die Natur und den Kosmos sowie der biblische Schöpfungsbericht behandelt. Dann gliedert sich das Buch in drei chronologische Teile: Seit der Renaissance setzte sich die Vorstellung durch, dass die Natur ein sich ständig verändernder Prozess ist, aber als funktionierender Zusammenhang gesehen werden muss. Der Mensch erscheint mehr als Ziel und Zweck der Welt, das Göttliche wird langsam verdrängt. Dies wird im ersten Teil anhand von Landschaftsbildern von Jan van Eyck bis zu Pieter Brughel d. Ä. gezeigt.

Die Wandlungsfähigkeit des Kosmos, die Anlehnung an antike Vorbilder und die Vorstellung, dass der Kosmos von Naturgesetzen gelenkt wird, kennzeichnet den zweiten Teil, wo von Josse de Momper d. J. bis William Turner Landschaftsbilder analysiert werden. Der dritte Teil beinhaltet das Verschwinden der Vorstellungen des Raumes seit dem späten 19. Jahrhundert zugunsten von Wahrnehmung und der Präferenz der Sinnesorgane und der verändernden Erkenntnistheorie. Hier werden Werke von John Constable bis hin zu Wassily Kandinsky behandelt.

Anschließend werden die wichtigsten Thesen der Arbeit nochmals zusammengefasst. Im Anhang findet man noch die Anmerkungen, Literatur, einen Bildnachweis und ein Namensregister.

Anhand von 20 Beispielen legt die Autorin die Verbindung zwischen wissenschaftlicher Naturerkenntnis und Landschaftsmalerei dar. Dies gelingt ihr überzeugend, indem sie eine Verbindung zwischen Philosophie und Kunst herstellt. Bei der Beurteilung und Interpretation  der hier behandelten Bilder gehören Stilrichtung, Umgebung und die Künstlerpersönlichkeit und sein Umfeld in Verbindung neben der hier hergestellten Analogien mit zu einer vollständigen Analyse.

 

Buch 5

Claudia Götz/Konstanze Neubauer: Gärten des Jahres 2019, Callwey, München 2019, ISBN: 978-3-7667-2394-9, 69,95 EURO (D)

In diesem Buch werden die 50 schönsten Privatgärten 2019 im deutschsprachigen Raum präsentiert, die von einer unabhängigen und fachlichen Jury ausgewählt wurden. Es sind durchweg hochkarätig gestaltete Privatgärten, die durch ihre individuelle Gestaltung und herausragende Qualität bestechen.

Den ersten Preis gewann ein vom Landschaftsarchitekten Volker Püschel gestalteter Garten, der in Verbindung mit einem alten abbruchreifen Backsteinhaus dieses „malerische Bauwerk der Vergänglichkeit dann in einen Hortus conclusus als Teil des parkähnlichen Gartens“ verwandelte. Dabei fällt „der Kontrast zwischen menschengeschaffener Form und malerischer Bepflanzung unnachahmlich ins Auge“. (S. 16ff)

Fünf weitere Gärten erhielten das Prädikat Auszeichnung. Dabei fällt besonders der Dachgarten des Landschaftsarchitekten André Hellberg auf einem Haus in München mit Panoramaausblick ins Auge. Die anderen Gärten werden dann unter der Rubrik Projekte vorgestellt. Dabei ist der Hanggarten von Hendrik Scholz im Alpenraum, der mit einer Landschaftstreppe die Höhenunterschiede auf dem Grundstück überwindet und der Landschaft angepasst ist, hervorzuheben. Oder der Skulpturengarten im bayrischen Baiersbrunn, wo die Begrünung die Kunstwerke aus dem Barockzeitalter gestalterisch gut in Szene setzt.

Die 50 Gärten werden in einem kurzen Erläuterungstext vorgestellt und die schönsten Illustrationen dazu gezeigt. Außerdem werden der Entwurfsplan, die Lage des Gartens, die Größe, das Planungsbüro und die ausführenden Betriebe genannt.

Im Anhang findet man zunächst im Register die Namen und Adressen der hier im Buch vertretenen Landschaftsarchitekten und Gartenbauer, dann folgen eine Liste der ausführenden Betriebe sowie ein Pflanzenregister.

Das Buch ist eine Zusammenstellung von individuellen Gärten, die vielfältig, kreativ und alle ein Alleinstellungsmerkmal haben. Unterschiedliche Stile, ökologische und bauliche Faktoren bei einer unterschiedliche Größe und Budget zeichnen diese Privatgärten aus. Aus dieser planerischen und gärtnerischen Qualität kann jeder Gartenexperte, Landschaftsarchitekt oder Gartenbesitzer Anregungen für den eigenen Entwurf oder Garten finden.

 

 







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