Papst schmollt – bei einem elenden Schmierentheater

01.06.12
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von Georg Korfmacher - München

Just zur Zeit des Festes der dritten Gottheit manifestiert sich in der Catholica ein Geist, der zwiespältiger und weltlicher nicht sein kann. Während der Stellvertreter Gottes realitätsfremd schmollt, rumort es in seiner Kirche allenorten und auf jeder Ebene.
Die Zweiklassengesellschaft Klerus hier und Laien dort bröselt und bröckelt.

Offener Protest gegen den Papst auf dem Petersplatz ist nur eine Sache, die Intrigen und Zwiste in Kurie und Klerus sind eine andere. Alles gleichwohl Ausdruck tiefster Zerrissenheit der Catholica.

Der scheidende Professor für Exegese des Neuen Testaments in Luzern, Walter Kirchschläger, fordert offen eine kirchliche Verfassung, wie sie Papst Paul VI. 1965 angeregt hatte und in der Grundrechte, Gewaltentrennung, Schieds- und Schlichtungs-verfahren sowie die Genderproblematik umfassend geregelt sind.
Für ihn gibt es nicht eine Zentrale, die alles regiert. Glaubensgemeinschaft „wächst von unten“, Ämter und Aufgaben sollen nach „Charisma und Fähigkeiten“ unabhängig vom Stand (Kleriker oder Laie) verteilt werden. Sein Kollege Martin Rhonheimer, Philosoph und Opus-Dei-Priester ist für eine grundlegende Laizität des Staates.
Der leidenschaftliche und volksnahe Priester Helmut Schöller fordert gar zum Ungehorsam auf.

Das kann den hohen Herren in den roten Röcken ebenso wie dem Papst nicht passen. Während dieser sich schmollend in seine Bücher vergräbt, schreiten die Rotröcke zur Tat. Der erste Stein im Domino ist der Kammerdiener. Und das volle Repertoire von Machtkampf und Intrige nimmt seinen Lauf. Wie schon immer und zu allen Zeiten. Insofern also im Vatikan nicht Neues. Mord und Totschlag nicht ausgeschlossen. Da verhallen die hehren Worte von christlichen Werten, Befruchtung - gar Voraussetzung - der Demokratie, sozialen Werten, Brüderlichkeit, Wahrheit, Ehrlichkeit wie Schall und Rauch. Man kann es nicht mehr hören!

Kein Wunder also, wenn Rhonheimer politische Parteien, die sich "christlich" nennen, als "gewissen Anachronismus" bezeichnete. Katholiken sollten sich vielmehr im Spektrum der Parteien dort engagieren, "wo sie sich von ihrem Gewissen her am besten einbringen können". Kompetenz vor religiöser Tünche. Der Papst macht mit Pomp und Pracht vor, wie es eben nicht funktioniert. Er hat den Koloss von Macht und Gier nicht im Griff.

Mit unerklärlichen Wortarabesken legt er seine Sicht der Dinge einem verdutzten Kirchenvolk dar, macht aus einem Opfer für alle ein Opfer nur noch für viele. Demnächst möglicherweise nur für wenige und schliesslich nur noch für Auserwählte. Selbst ein Kardinal Lehmann kommt da ins Stolpern. Beruhigend lässt er wissen, dass viele eigentlich alle meint. Man versuche, das einmal einem Deutschlehrer klar zu machen. Ungenügend!

Zurück zur Laizität. Wir leben in dieser Welt und wir Laien müssen uns mit ihr auseinandersetzen, wie sie ist. Ohne jegliche religiöse Gängelung und Privilegien. Der Vatikan macht trotz Anspruch auf die absolute Wahrheit gerade vor, dass er nicht nur kein Deut besser ist, sondern ein elendes Schmierentheater liefert.

www.georgkorfmacher.com

 


VON: GEORG KORFMACHER - MÜNCHEN






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