Symbolische Umbenennung der Loewenfeldstraße

01.03.21
AntifaschismusAntifaschismus, Feminismus, NRW, News 

 

Von Sahin Aydin

Der Lokalhistoriker Sahin Aydin hatte in 2019 und 2020 Anträge auf Umbenennung der Loewenfeldstraße gestellt. Beide Anträge wurden einstimmig in der Bezirksvertretung abgelehnt.

Aus diesem Grund führte Sahin Aydin am Sonntag, den 28. Februar 2021 eine symbolische Umbenennung der Loewenfeldstraße in Maria-Lippert-Straße durch. Wegen der Corona-Pandemie blieb es bei einer Einzelaktion.

Auch vielen AnwohnerInnen der Loewenfeldstraße ist nicht klar, wer Wilhelm Friedrich Julius Hans „Wilfried“ Höffer von Loewenfeld (25.9.1879 - 05.071946) war:

Mit der Selbstversenkung der Flotte verlor der adelige Berufsoffizier der Kaiserlichen Marine seinen Job. Von da an bekämpfte er die dafür vermeintlich Verantwortlichen: die Matrosen, die Arbeiterbewegung, die demokratische Republik. Von Loewenfeld wurde zum rechtsradikalen Freikorpsführer.

Seine Marinebrigade ging vom 3. April bis zum 18. Mai 1920 in Bottrop, Gladbeck, Dorsten und Kirchhellen gegen die Bergarbeiter vor, deren Generalstreik gerade die Republik gegen den rechtsradikalen Kapp-Putsch gerettet hatte. Von Loewenfeld war in Bottrop und Kirchhellen verantwortlich für die Ermordung von insgesamt 258 Menschen - meist Bergleute, die Kapp bekämpft hatten - sowie für eine Vergewaltigung im Polizeigefängnis im Bottroper Rathaus. Das Opfer hieß Maria Lippert.

Auf dem Friedhof Bottrop-Kirchhellen gibt es ein Ehrengrab für von Loewenfeld und für sein Freikorps. Am 5. Mai 1960 beschloss die Gemeinde  Kirchhellen, dem Mörder eine Straße zu widmen.

In der Stadt Kiel wurde das Ehrengrab für von Loewenfeld und seine rechtsradikalen Freikorpsleute am 13.6.2019 durch Beschluss den Rat der Stadt Kiel aufgehoben.

Maria Lippert war am 16.03.1901 geboren und zog mit ihren Eltern nach Bottrop. Sie war 19 Jahre alt, als sie am 27.04.1920 von Angehörigen der Marienbrigade Loewenfeld verhaftet und in das Polizeigefängnis im Bottroper Rathaus gezerrt wurde. Die junge Frau fand im Rathaus keinen Schutz, sondern wurde dort von der Soldateska mehrfach vergewaltigt. Eigentlich hatten Freikorpsleute ihren Bruder gesucht, der gegen den Kapp-Putsch gekämpft hatte, aber nicht gefunden. Die Täter wurden zwar zu fünf Jahren  Zuchthaus verurteilt. Ihnen wurde aber nach kurzer Haftzeit durch Sympathisanten die Flucht ermöglicht. Maria Lippert musste mehrmals operiert werden. Sie konnte keiner Arbeit mehr nachgehen, zog aus Bottrop weg und verstarb am 23. April 1927 in Ohligs.







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