Faschismus bleibt für das Kapital eine Alternative

11.09.16
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Von Reinhold Schramm

»Was macht die AfD so stark?

Von historisch nach kurzfristig:

- lang zurückliegend, gewissermaßen mit dem Fernrohr erkennbar, ruht die Tatsache, dass viele Leute ob des militärischen Ergebnisses des zweiten Weltkriegs nicht mehr wissen und nicht darüber nachdenken, warum sich in den zwanziger und dreißiger Jahren fast ganz Europa nach rechts wandte, zum Teil nach ganz Rechtsaußen.

Von den Gründen dafür ist kein einziger verschwunden! Im Gegenteil, sie haben sich verschärft. Deswegen tritt kein schreiender Hitler auf. Aber einen Orban oder eine LePen als Anomalie zu betrachten, stimmt nicht. Die Sehnsucht nach dem "Wir - hier - zusammen"

Auf die erste Theorie des Liberalismus, des jeder gegen jeden, des reinen Materialismus (die nicht funktioniert) folgte die zweite Theorie des Marxismus, der den Materialismus immerhin umkehrt, aber die Spaltungen beibehält (Klassenkampf!), sich redlich pazifistisch müht, aber vor leeren Regalen seelenlos zusammenbricht - und auch nicht funktioniert. Der Faschismus, die dritte Theorie schüttete die Spaltungen zu und sagte dem Materialismus den Kampf an (Organischer Staat, Rückkehr der Seele), allerdings auf eine brutale und von Nietzsche und der Lebensphilosophie ins Kriegerische gezogene Art und Weise. Auch er funktioniert nicht, aber nicht weil er explodiert oder implodiert - sondern weil er, selbst wo er sich nicht in äußere Abenteuer stürzt, erstarrt, wie das historische Beispiel Spaniens zeigt. Das Konzept der Rechten ist dem der Liberalen und der Marxisten innenpolitisch allerdings überlegen und deswegen kommt es jetzt zurück.

Muss es daher gutheißen? Nein, man soll sich nur nicht darüber wundern.

Es braucht eine vierte Theorie, eine Art geistige (noetische) Basisdemokratie mit Flat Tax, steuerfreiem Grundeinkommen und solchen Sachen. Eine Mischung aus Piratenpartei und Integraler THeorie. Sie kann das Gegeneinander der Liberalen, die graue Misswirtschaft der Linken und die Außenpolitik der Rechten vermeiden. [Hervorhebungen - R.S.]

Solange es sie allerdings nicht gibt, wird die Rechte gewinnen.

***

- Ein Jahrzehnt zurückreichend: Die Linksverschiebung der demokratisch rechten CDU auf gesellschaftspolitischem und die Liberalverschiebung auf wirtschafts- und sozialpolitischem Gebiet. Die ließ demokratisch rechts Platz, der sich nun schließt.

- erst kurz zurückliegend: ein politischer und kommunikativer Jahrhundertfehler

- immer mal wieder: der Einsatz weiter Teile der Linken für das System. Man plakatiert Karl Marx eher Lifestyleikone, dient aber dem Geld.

Es gibt fast nur noch Links-Liberale und damit hat sich die Linke in eine tödliche Falle begeben.

Vor Ché Guevara kann man Respekt haben, auch wenn man kein Marxist ist.

Bürgerferne, CETA-kungelnde Bonzensozialdemokraten wecken Verachtung.«

[Siehe Kommentar von “K&K MONARCHIE“ im Freitag-Online, vgl*]

Antwort (R.S.) auf  “K&K Monarchie“:

Sie treu-deutscher idealistischer Traumtänzer!

Fragen Sie mal die Kapitalisten und Bourgeoissozialisten - der realen Finanz-, Rüstungs-, Rohstoff- und Monopolbourgeoisie - und deren ökonomischen, ideologischen, militärisch-polizeilich-juristischen und gesellschaftspolitischen "Sozialpartner*innen", ob sie mit Ihren treu-deutschen idealistischen Vorstellungen einer Umverteilung und Vermögensverteilung "BGE" freiwillig und ohne Einsatz von Gewaltmitteln einverstanden sind.

Fragen Sie bei den großen Privateigentümern und Aktionären an [materiellen] Produktionsmitteln der Wert- und Mehrwertschöpfung, bei deren Millionären, Multimillionären, Milliardären und Großgrundbesitzern, bei deren Familien, z. B.: den Erben von Hermann J. Abs; bei den Grafen Adelmann v. und zu Adelmannsfelden; Fam. Ammann; Grafen von Arco; Herzöge u. Prinzen von Arenberg; Freiherren von Aretin; Markgrafen von Baden; Fam. Bahlsen; Freiherren von Bassus; Grafen von Baudissin; Fam. Beyer (Leverkusen); Herzöge u. Prinzen von sowie Herzöge in Bayern; Gebr. Becker; Fam. Benecke; Fürsten zu Bentheim; Freiherren v. Berenberg-Gosslar; Grafen von Bernsdorff; Fam. Mohn (Bertelsmann-Erben); Freiherren von Bethmann; Fürsten und Grafen von Bismarck (Nahe Hamburg); Fam. Blohm (Blohm & Voss); Fam. Boehringer (Göppingen); Fam Boehringer (Ingelheim); Freiherren von Bösellager; Fam. von Bohlen und Halbach (siehe Krupp-Erben); Familie Bosch (Stuttgart); Grafen von Brandenstein-Zeppelin; Fam. Brenninkmeyer; Grafen von Brockdorff; Grafen von Bülow (Großgrundbesitzer); Frh. Treusch von Butlar-Brandenfels (Großgrundbesitzer, Hessen); Fürsten zu Castell; Fam. Colsman; Freiherren von Cramer-Klett; Fam. Delius; Fam. Dethleffsen (Flensburg); Grafen von Deym von Stritez (Großgrundbesitzer, BY); Fam. Gebr. Dietz (FfM.); Fam. Dinkelacker (Stuttgart); Grafen von Dönhoff; Freiherren von Donner; Fam. Dörrenberg; Fam. Doornkaat Koolman, ten; Fam. Drescher; Grafen von Droste zu Vischering; Fam. Dyckerhoff; Eltz, Grafen und Edle Herren von und zu; Freiherren und Edle Herren von und zu Eltz-Rübenach; Freiherren von Elverfeldt; Fürsten und Grafen zu Erbach; Freiherren von Feury; Fam. von Finck; Fam. Freudenberg; Freiherren von Freyberg; Fürsten zu Fürstenberg; Grafen zu Fürstenberg; Fugger, Fürsten und Grafen zu; Grafen von Galen; Gemmingen-Hornberg, Freiherren v.; Giesche, von -Erben; Giulini di Giulin, (Grafen); Fam. Goebels, siehe Melchers; Goldschmidt-Erben; Grote, Grafen und Freiherren von; Fam. Guttenberg, Freiherren von und zu; Hahn, Grafen von; Haniel (von) -Erben; Prinzen von Hannover; Grafen von Hardenberg; Fürsten zu Hatzfeld; Grafen v. Hatzfeld-Dönnhoff; Fam. Heereman von Zuydtwyck, Frh. von; Fam. Heinzelmann; Fam. Henkel von Donnersmarck, Fürsten u. Grafen usw. [weitere mehrere Zehntausend Familien und Grund- und Produktionsmittelbesitzer*innen:] Die eigentlichen Privateigentümer*innen der Bundesrepublik Deutschland. Fragen Sie bitte auch die Familien Siemens und Quandt -Erben. [Vgl.*]

Erwiderung von “K&K Monarchie“:

»’Sie treu-deutscher idealistischer ...’

Ich sehe das anders, die greifen auch zu tief, aber mich so anzugehen wäre auf dem Weg zu einem touché jedenfalls nicht die allerfalscheste Spur.

ob sie mit Ihren treu-deutschen idealistischen Vorstellungen einer Umverteilung und Vermögensverteilung "BGE" freiwillig und ohne Einsatz von Gewaltmitteln einverstanden sind.

Wer sagt Ihnen, dass die Deutschen sich nicht ob des Parteienfrusts ein Parlament wählen (Erstimmen ohne Parteikandidaten...), in dem das auf einmal mehrheitsfähig ist? Oder dass man es, um Schlimmeres zu verhindern nicht top-down einführt wie Bismarck die Sozialversicherung?

Ich teile zwar die Skepsis hinsichtlich des (in ihrer Sprache: bürgerlichen) Parlamentarismus, was die Einwirkung von Geld angeht, Stichwort: Lobby. Aber nicht bedingungslos und absolut. Was mich eher skeptisch stimmt stimmt sind die intellektuellen Grenzen einer materialistisch und leistungsverblödeten Konsumgesellschaft wie in der Schweiz - die das Grundeinkommen, das den Menschen von der ärgsten Geldknechtschaft befreit, allen Ernstes in einer Volksabstimmung abgelehnt hat. Hier hat der Geist das Bewusstsein ungut bestimmt.

Grafen von Arco

Ach ja. :) « [Vgl. Erwiderung von “K&K Monarchie“ auf R.S.]

Erwiderung von Achtermann (auf  @Reinhold Schramm):

»Das sind ja beeindruckende Namen, diese Von-und-zu. Nur: Mit Waffengewalt das System zu verändern wird nicht mal im Ansatz gelingen. Dein politischer Weg beschreibt diese Richtung. Da besitzt das potenzielle Aufstandspersonal inzwischen doch zu viel, auch wenn es im Vergleich mit den Erben der Ländereien sehr minimal daherkommt.

Die politische Kunst der Besitzenden ist es, gerade noch so viel abzugeben, dass der gesellschaftliche Friede bestehen bleibt. In den letzten zwei, drei Jahrzehnten hat sich da einiges verschoben. Die etablierten Parteien arbeiteten daran, die materielle Ungleichheit zugunsten der Besitzenden auszubauen. Auch wenn sie es nicht immer kapiert haben sollten, was ich bei nicht wenigen Ortsvereinsvorsitzenden der Sozialdemokraten vermute. Die Gewerkschaften sind von diesem "Arbeiterverrat" nicht auszunehmen. Die Funktionäre ließen sich mitreißen. Allerdings sind auch sie von den Gewerkschaftsmitgliedern gewählt worden.

Die westlichen Demokratiemodelle haben inzwischen viele Manipulationsinstrumente hervorgebracht, die Massen zu lenken: Unterhaltungsangebote, Werbekampagnen, Lobbyistenverbände... Nicht zufällig arbeitet inzwischen rund die Hälfte der gelernten Journalisten im PR-Bereich.

Der Aufstieg der AfD ging so schnell, dass die Manipulationsinstrumente nicht greifen konnten. Die Wählerinnen und Wähler der AfD haben das bewirkt, was sie bewirken wollten: das Establishment ist konsterniert. Die bürgerlichen Parteien ergehen sich in Schuldzuweisungen. Hätte die AfD die 5%-Hürde gerissen, wäre nur das übliche Schulterklopfen zu vernehmen gewesen. Immerhin scheinen jetzt kleine Korrekturen der Politik in Aussicht gestellt zu werden.«  [Hervorhebungen - R.S.]

Antwort (R.S.) zu @Achtermann

Bis auf deinen letzten Absatz befinden wir uns in Übereinstimmung. / Der modifizierte (bürgerliche) Faschismus bleibt auch in Zukunft für das Kapital eine mögliche Alternative.

* Vgl. Kommentare, Freitag-Meinungsmedium, 05.09.- 09.09.2016. Wer macht die AfD so stark? Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Achtermann »Ich lass’ mich belehren. Jedoch: Oft wehre ich mich dagegen« / »Die NPD ist in Mecklenburg-Vorpommern nicht in den Landtag eingezogen, viele ihrer Stimmen landeten bei der AfD«

www.freitag.de/autoren/achtermann/wer-macht-die-afd-so-stark

 

11.09.2016, Reinhold Schramm (Zusammenfassung)







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