Der gefährliche Querfrontnationalismus des Jürgen Elsässer


Jürgen Elsässer - Bildmontage: HF

31.07.13
AntifaschismusAntifaschismus, Soziales, Debatte, TopNews 

 

von Max Brym

Vor einigen Jahren schrieb ich, dass Jürgen Elsässer, damals „ Junge Welt“ Redakteur noch ganz Rechts enden wird. Das ist mittlerweile geschehen. Elsässer gibt das „Compact Magazin“ heraus und schreibt für die rechte „Preußische Allgemeine Zeitung“

Es ist nicht immer schön mit bestimmten Prognosen recht zu behalten. Aber aus dem einstigen Linken J. Elsässer wurde ein gefährlicher Querfrontnationalist. Das von ihm und Martin Müller Mertens herausgegebene Monatsmagazin „Compact“ gibt es mittlerweile in fast allen Zeitschriftenläden, nicht nur an den Hauptbahnhöfen. Auch Besucher in Münchner Kaffehäusern finden dieses auf Hochglanzpapier bedruckte Magazin am Zeitungshalter.

In der Juli Ausgabe von „Compact“ schreibt Elsässer: „Dass unsere Einwanderungspolitik zuviel reinlässt, das weiß jeder. Das muss sich ändern, das Boot ist voll.“ Dies könnte genauso gut in der „Deutschen Stimme“ der NPD stehen. Es gibt für Elsässer keinen Klassenkonflikt mehr, sondern nur noch den nationalen Kampf.

In der neuesten Ausgabe von „Compact“ wettert Elsässer gegen die „US Kollaborateure" in Berlin. Für Elsässer gibt es keinen deutschen Imperialismus mehr. Die von Merkel und Schäuble befohlene „Stabilitätspolitik“ im Süden Europas erscheint ihm nur noch als Gefahr für den „deutschen Steuerzahler“. Elsässer predigt auf obskure Art den „antiimperialistischen Kampf“. Für Elsässer ist Deutschland eine US - Kolonie. Was deutsche Ex Treuhand Manager in Griechenland anstellen geht dem Wendehals Elsässer am Arsch vorbei.

Elsässer predigt eine Querfront von Lafontaine bis Gauweiler. Besonderen Gefallen hat „Compact“ an der rechtspopulistischen Partei „Alternative für Deutschland“ (AFD) gefunden. Die Professorenriege der AFD mit ihrem finanziell gut gestellten Anhang wird höchstens noch kritisiert, weil sie nicht entschieden genug zur DM zurück will. Ganz besessen ist Elsässer von nationaler Identität und nationaler Tradition.

In der Juli „Compact“ schreibt Elsässer: „Wenn auch wir Deutschen unsere Leitkultur- Luther Goethe, Beethoven, Bismarck, Adenauer wieder mit Leben füllen“ Nicht mehr mit Leben gefüllt werden sollen demzufolge Thomas Müntzer, Hegel, Karl Marx stattdessen der Fürstenknecht Luther, der preußische Junker Bismarck und der erzreaktionäre Konrad Adenauer.

Nebenbei bemerkt sind wirkliche Koryphäen nicht nur nationale Gestalten. Goethe ist Weltliteratur, Beethoven ist Weltmusik, Hegel ist Weltphilosoph, von Karl Marx gar nicht erst zu reden. Aber unser geschmeidiger Jürgen verbeisst sich in primitiven Nationalismus. Im letzten Jahr führte er die Niederlage der deutschen Nationalmannschaft bei der EM gegen Italien, auf die „mangelnde Identifikation der Nationalspieler Sami Khedira und Mesut Özil mit Deutschland“ zurück. Ihm ist aufgefallen dass die genannten nicht die Nationalhymne mit Inbrunst singen.

Elsässer objektiv an der Seite von Beate Zschäpe

Neben der Zeitschrift „Brigitte“ hat auch „Compact“ eine Presseplatz, per Los zum Verfahren gegen die NSU Mörderbande, um Beate Zschäpe in München erhalten. Das „Compact“ Extra zum NSU Prozess ist der momentane Marktrenner des Kai Homilus Verlages. Wer das Magazin ließt kann Elsässer eine gewisse journalistische Geschicklichkeit nicht absprechen. Zurecht wird das Gericht damit konfrontiert, - dass es keinerlei Hintergründe - besonders die helfenden Hände aus dem Amt für Verfassungsschutz bei den Morden der nazistischen NSU behandelt wissen will.

Dann aber erweist sich das Ganze in Compact als ordinäre Luftnummer. In einem herzergreifenden Brief an Beate Zschäpe appelliert Elsässer an Zschäpe „doch auszusagen“. Elsässer fürchtet um das Leben von Frau Zschäpe. Nach dem lesen von Compact zum NSU Prozess bleibt der Eindruck: „Zschäpe ist unschuldig, das Opfer einer Verschwörung". Letztendlich ist auch der Verfassungsschutz nur minder belastet, denn die Autoren des Heftes geben der CIA und diversen Al-Qaida Gruppen die Hauptverantwortung. Letzteres ist reine Spekulation ohne jegliche Beweise. Dies hat aber System, denn für Elsässer und seine Kumpane müssen „Deutsche“ immer unschuldig sein.

Ausländerterror

Die zum Berliner Klüngel um Elsässer gehörende Gestalt Martin Müller Mertens schreibt in der Juli „ Compact“ eine Reportage zur angeblichen „Ausländergewalt gegen Deutsche“. Die Quintessenz des Artikels ist es den rassistischen Terror gegen Emigranten in Abrede zu stellen. Klar nach Elsässer, Mertens und der Meinug des Philosophen Peter Feist ist immer nur der „arme deutsche Michel Opfer“.

Der Euro

Immer wieder wird statt der Widersprüche des kapitalistischen Systems allein die Währung „Euro“ für die sozialen Verwerfungen in Europa verantwortlich gemacht. In vornehmen Berliner Hotels geben auf diversen Compact- Konferenzen großbürgerliche Professoren und Geldtheoretiker ihre Analysen zum BESTEN. Verantwortlich für die Krise ist für diese Herrschaften immer das spekulative Kapital. Gottfried Feder nannte es einst „raffendes und schaffendes Kapital“.

Die Familie die Religion und Putin

Eva Herrman hat in Elsässer einen schrankenlosen Bewunderer gefunden. Immer wieder unterlaufen Elsässer in „Compact“ homophobe Ausfälle. Dabei ist für Elsässer Putin und die russisch orthodoxe Kirche vorbildhaft. Die Strafe für die feministische Frauengruppe 'Pussy Riot' erschien Elsässer in einem Beitrag
„zu gering“. Der Herr ist zum Verteidiger kirchlicher Orthodoxie und der „heiligen Familie“ mutiert.

Bürgerliche Querfront

Im Gegensatz zur historischen Querfrontkonzeption der Brüder Strasser, in der Weimarer Republik verzichtet Elsässer mittlerweile weitgehend auf soziale Demagogie. Er vertritt eine Querfrontkonzeption von sehr gutbetuchten Bürgern (AFD) mit Standortlogikern aus der Gewerkschaftsbürokratie. Elsässer setzt auf den rassistischen Grundkonsens in der Gesellschaft. Um sein Magazin gruppiert er Menschen mit unterschiedlichen Parteibüchern. Also eine Querfront von Thilo Sarrazin bis weit über Gauweiler hinaus.

Wie konnte es soweit kommen?


Viele Freund und Freundinnen haben mich danach gefragt wie konnte es mit dem ehemaligen KB Mitglied Elsässer, dem ehemaligen Autor von Bahamas, 'Jungle World', 'Konkret', 'Junge Welt' und dem 'Neuen Deutschland' soweit kommen? Leider ist die Antwort darauf für einen der nicht Psychologie studiert hat ziemlich einfach. Einst stand auch Mussolini am linken Flügel der italienischen Sozialisten. Wandlungen a la Elsässer kommen und kamen öfter vor.

Es gibt allerdings noch andere wichtige Faktoren. Für Elsässer war der Hauptfeind nie der deutsche Imperialismus. In seiner antideutschen Phase war es der Deutsche schlechthin, was bereits damals die Klassenfrage ignorierte. Elsässer verfügte nie über eine unabhängige internationalistische Orientierung. Einst verfuhr er nach der primitiven Logik: „Der Feind meines Feindes ist mein Freund.“ Dabei ging Elsässer über einige Jahre in die Lehre bei den serbischen Querfrontnationalisten.

Ich schrieb dazu im Jahr 2007 in der Zeitung Solidarität: “Jürgen Elsässer lehnt das Selbstbestimmungsrecht der Menschen in Kosova entschieden ab. Nach dem Ableben seines Helden Milosevic setzt er noch stärker auf die Serbische Radikale Partei. Jene ist Teil des Netzwerkes europäischer rechter Parteien. Die SRS unterhält enge Beziehungen zu dem französischem Rechtsextremen Le Pen, zu der Partei Schirinowskis in Russland sowie zur offen faschistischen Partei Groß-Rumänien. All dies hindert Elsässer nicht, in der Serbischen Radikalen Partei eine „antiimperialistische Kraft“ zu sehen.“

Im Jahr 2006 versuchte Herr Elsässer am 19 Mai in der 'Jungen Welt' ein Bündnis von „UCK-Lobby“ (gemeint ist Kosova-Aktuell) und Trotzkisten (SAV) gegen „den linken Parteibildungsprozess in Deutschland“ als Gespenst an die Wand zu malen. Heute bedrängen den Herrn andere Gespenster. Wer es aber einmal mit Gespenstern zu tun hat, kann sich aus diesem Wahn schlecht befreien. Immer wieder finden solche Gemüter wie Elsässer, neue Gespenster. Heute bedrohen alle möglichen Gespenster die deutsche Nation. Diesem Wahn sind allerdings viele Kleinbürger verfallen. Deshalb ist Elssäser auch gefährlich.

kenfm.de/blog/tag/jurgen-elsasser/

 


VON: MAX BRYM


Leserbrief zum Artikel "Der gefährliche Querfrontnationalismus des Jürgen Elsässer" von Max Brym  - 10-11-13 14:20




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