Denkmale der Befreiung. Spuren der Roten Armee in Deutschland,


07.05.20
AntifaschismusAntifaschismus, Kultur, TopNews 

 

Buchtipp von Michael Lausberg

Denkmale der Befreiung. Spuren der Roten Armee in Deutschland, Neues Leben, Berlin 2020, ISBN: 978-3-355-01890-6, 32 EURO (D)

Die Sowjetunion hatte im 2. Weltkrieg die höchste Opferzahl zu beklagen. 27 Millionen Menschen, 14 Millionen Soldaten und 13 Millionen Zivilisten, kamen ums Leben, unter anderem bei der Westoffensive in den letzten Kriegsjahren. Insgesamt sind von 5,7 Millionen Kriegsgefangenen der Roten Armee 3,3 Millionen ums Leben gekommen, die meisten von ihnen verhungert, aber auch Krankheiten, Misshandlungen, Erschießungen oder der Haft in einem Sonderlager zum Opfer gefallen.

In der heutigen BRD existieren über viertausend Gedenkstätten und Ehrenfriedhöfe, die als Mahnmale gegen Krieg und Faschismus und für Frieden und Versöhnung stehen. Viele der Gedenkstätten und Ehrenfriedhöfe werden in ihrem aktuellen Zustand erstmals seit dem Kriegsende dokumentiert. In einer Datenbank des Deutsch-Russischen Museums in Berlin-Karlshorst sind diese verzeichnet, die ehrenamtlich zusammengetragen wurden. Dieser Bildband wurde angesichts des 75. Jahrestags der Befreiung vom Nazismus und Ende des 2. Weltkrieges konzipiert. Er erscheint gleichzeitig in deutscher und russischer Sprache.

Der Band wird eingeleitet von Vorworten von Sergej J. Netschajew, außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter der Russischen Föderation in der BRD und Matthias Platzeck, Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums.

Danach werden zum Beispiel die Ehrenmale in Berlin, darunter Tiergarten, Treptow und Schönholz, und der Ehrenhain auf dem Parkfriedhof in Marzahn gezeigt. In Brandenburg sind dies unter anderem der Friedhof in Lebus, viele Friedhöfe im Oderbruch wie Groß-Köris oder Küstrin-Kietz, der Ehrenfriedhof am Bassinplatz in Potsdam oder das Ehrenmal auf den Seelower Höhen in Gedenken an die Opfer der Kesselschlacht, der seit 1972 ein Museum ist. Im heutigen Mecklenburg-Vorpommern werden die Gedenkstätte in Schwerin, wo auch 400 deutsche Antifaschisten begraben sind, und die Friedhöfe in Ahlbeck auf Usedom und paradoxerweise in der Nazihochburg Anklam vorgestellt. Es folgen noch einige Gedenkstätten im heutigen Sachsen wie Zeithain, wo zwischen 1941 und 1945 das Kriegsgefangenenlager Stalag 304 existierte, wo Zehntausende sowjetische Kriegsgefangene ums Leben kamen, und in Sachsen-Anhalt wie Magdeburg. Im früheren Westdeutschland wird nur eines zum Schluss vorgestellt, Sandbostel in Niedersachsen.

Danach werden alle Erinnerungsorte und Kriegsgräberstätten in der BRD abgedruckt: sortiert nach Bundesländern und in alphabetischer Reihenfolge. Nach dem Ort folgen der Verwaltungskreis und Angaben zum Charakter der Grabanlage.

Beim Band stehen die großformatigen Bilder im Vordergrund, dazu gibt es erläuternden Text über den Charakter der Anlage, die historischen Hintergründe und die heutige Nutzung. Zum Teil wird auch die Schande erwähnt, dass einige Gedenkstätten und Friedhöfe einmal oder mehrfach geschändet wurden. Diese Beispiele werden erst seit der „Wiedervereinigung“ 1990 aufgelistet, ob es Schändungen in der DDR gab und wenn ja welcher Art wird nicht deutlich. Es fehlt auch eine Zeitleiste mit Daten zum 2. Weltkrieg im Anhang, besonders zum Vorrücken über die Oder und die Schlacht um Berlin. Dies kann nicht als historisch bekannt vorausgesetzt werden. Sonst ist es ein eindrucksvoller Band mit gelungenen Bildern gegen das Vergessen, der längst überfällig war.  

 







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