Podiumsdiskussion im Danni über Alternativen zur A49

11.10.21
BewegungenBewegungen, Umwelt, Hessen, TopNews 

 

Von Gäst_innenhaus Jakob

Direkt am riesigen Erdwall der A49-Trasse im Süden des Dannenröder Forsts fand am Samstag eine offene Podiumsdiskussion über eine ernstgemeinte Verkehrswende und Klimaschutzarbeit statt. Die Beteiligten, eingeladen von der bundesweiten "Danni lebt AG" und dem Gäst_innenhaus Jakob in Dannenrod, diskutierten ein durchaus sehr reales Gedankenspiel durch: "Die A49 ist abgesagt, weil sie sich selbst wirtschaftlich nicht lohnt. Was machen wir jetzt mit der Baustelle, mit der Trasse?"

Darum wurden Expert*innen, verantwortliche Politiker*innen und auch ausdrücklich Menschen eingeladen, die in ihrem alltäglichen Leben von der A49 betroffen sind oder noch sein werden. Von Seiten der Politik und der Autobahnbauenden erschien trotz ca. 180 Einladungen niemand bei der Diskussion - einzelne Politiker*innen haben die "Danni lebt AG" zum Gespräch in ihr Büro eingeladen.

Dazu sagte ein Sprecher der Arbeitsgemeinschaft: "Das Nicht-Erscheinen der Verantwortungstragenden ist eine Schande, aber leider nicht verwunderlich. Wir möchten hier betonen, was die A49 und ähnliche Projekte den Menschen, den Böden und dem Trinkwasser an Schaden zufügen. Andererseits möchten wir auch fragen: Machen Großprojekte der Wirtschaft überhaupt wirtschaftlich Sinn, wenn wir mal die ökologischen Kosten in die Rechnung miteinbeziehen? Ein endlicher Planet mit endlichen Ressourcen - da ist das nur sinnvoll! Nach dem Verursacher-Prinzip muss endlich Verantwortung übernommen werden. Darüber müssen wir endlich anfangen gemeinsam zu reden!"

Der aktuelle Bundesverkehrswegeplan 2030, der bei der Podiumsdiskussion zur Debatte stand, sieht weiter starke Zunahmen im Individual- und besonders im Lieferverkehr vor.

Bei der Diskussion kamen außerdem konkrete Alternativprojekte ins Gespräch: vom Ausbau des Schienenverkehrs hin zum Bau eines Radschnellweges auf der schon vorhandenen Trasse der A49. Besonders interessant schien für die Teilnehmenden zu sein, Teile der Trasse als eine Art Museum, als Mahnmal einer gescheiterten Verkehrspolitik, umzugestalten und die Teile im Wald einfach in Ruhe zu lassen. Dazu meinten viele, dass innerhalb kürzester Zeit wieder Leben auf der Schneise des Dannenröder Waldes möglich sein und sich in ein paar Jahrzehnten wieder ein voll funktionsfähiges Ökosystem entwickelt haben werde.

"Das Trinkwasser für 500.000 Menschen müsste auch nicht mehr in Gefahr sein, würde man dieses Autobahnprojekt wie auch all die anderen einfach absagen. Das würde sicherlich auch der Automobilindustrie und der gesamten Gesellschaft zu Gute kommen - auch wirtschaftlich, würden die Bauenden sich mal kurz die Mühe machen, die ausgelagerten Umweltkosten in ihre Rechnung miteinzubeziehen. Ein drastisch erhöhter CO2-Preis, der hier natürlich auch Thema sein musste, kann dabei nur ein Anfang sein. Die Pointe unserer Diskussion war, dass ein grundsätzliches Umdenken erforderlich ist, mit welchen Prioritäten wir leben und wirtschaften - mit dem Fokus auf Gemeinschaft und dem Erhalt unserer knapp werdenden Lebensgrundlagen", fasst eine der Organisatorinnen der Veranstaltung vom Gäst_innenhaus zusammen.

Das Gäst_innenhaus Jakob in Dannenrod ist als Projekthaus aus dem Widerstand gegen die A49 in den drei Wäldern "Danni, Herri und Mauli" hervorgegangen. Der Ort will Räume öffnen und bieten für alle, die sich für eine lebenswerte Gesellschaft interessieren und selbstorganisiert gegenwartsgerechte Projekte vorantreiben wollen.

Die Podiumsdiskussion fand im Rahmen der bundesweiten "Dezentralen Aktionstage" zum zweiten Mal unter dem Motto "Mobilitätswende jetzt!" statt.







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