Hamburg, raus aus Kohle, Erdgas und Holz!

16.06.22
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Von Robin Wood

Gemeinsame Stellungnahme gegen die fortgesetzte Klimaschädigung durch das Hamburger Heizkraftwerk Tiefstack

Mit einer gemeinsamen Stellungnahme wenden sich heute 31 Organisationen dagegen, dass das Heizkraftwerk Tiefstack auf das klimaschädliche Verfeuern von Erdgas oder Holz umgerüstet wird. Sie fordern stattdessen Investitionen ins Energiesparen und eine sozial gerechte und demokratisch kontrollierte Energieversorgung aus klimaverträglichen Erneuerbaren Energien. Unterzeichnet haben den von ROBIN WOOD initiierten Appell sowohl Umweltorganisationen wie die Deutsche Umwelthilfe und der NABU als auch internationale NGOs wie die Global Forest Coalition und Save Estonia's Forests.

Die Hamburger Umweltbehörde will sich morgen bei einem Pressetermin zum Ausstieg des Heizkraftwerks Tiefstack aus der Verfeuerung von Steinkohle äußern. Für den 1. Juli wird zudem eine Stellungnahme des Aufsichtsrats der stadteigenen Hamburger Energiewerke (HEnW) zu diesem Thema erwartet. Die Unterzeichner*innen der Stellungnahme setzen sich für einen schnellen Kohleausstieg ein und warnen zugleich davor, die bisher in Tiefstack verbrannte Steinkohle durch Erdgas oder Holz zu ersetzen. Dies widerspräche Hamburgs Klimaverpflichtungen fundamental, denn beide Brennstoffe sind mindestens so klimaschädlich wie Steinkohle.

„Wenn die Stadt Hamburg die eigenen Klimaziele und die Selbstbeschreibung als fortschrittlich und weltoffen ernst nimmt, muss sie endlich ein wirklich zukunftsfähiges Wärmekonzept entwickeln. Dazu gehört die Förderung sozialverträglicher Gebäudesanierung und der Energiesuffizienz genauso wie der entschlossene Ausbau von erneuerbaren Wärmequellen. Die klimaschädliche und sozial ungerechte Verbrennung von Holz und Erdgas hat in der Wärmeversorgung der Zukunft hingegen keinen Platz“, sagt ROBIN WOOD-Energiereferentin Ronja Heise.

Erdgas ist aufgrund von Methan-Leckagen in der gesamten Lieferkette und je nach Art und Ort der Förderung ähnlich klimaschädlich wie Steinkohle. Angesichts der dramatischen Klimakrise und auch der sicherheitspolitischen Risiken ist ein Ausstieg aus sämtlichen fossilen Energien notwendig.

Auch Holz ist keine akzeptable Alternative: „Wissenschafler*innen haben wiederholt davor gewarnt, dass die Verbrennung von Holzbiomasse im Vergleich zur Verbrennung von fossilen Brennstoffen mehr Treibhausgasemissionen freisetzt und dass der Ausgleich dieser Treibhausgas-Belastung Jahrzehnte bis Jahrhundert dauert“, erklärt Mary S. Booth, Direktorin des US-amerikanischen Thinktanks PFPI und international anerkannte Expertin für das Thema Biomasseverbrennung. „Es hat keinen Sinn, neue Infrastrukturen für die Verbrennung von Waldholz zu schaffen, obwohl wir die Wälder für Klima- und Naturschutz dringend erhalten und wiederherstellen müssen. Dies auch noch als Klimaschutz zu verkaufen, ist ein Hohn. Wenn die Stadt Hamburg auf Holzverbrennung setzt, ist sie auf dem Weg in die Vergangenheit – ökologisch und wirtschaftlich.“

Die Nutzung industrieller Abwärme und der Einsatz von Großwärmepumpen, die mit Ökostrom angetrieben werden, wären hingegen tatsächlich ein Beitrag zur klimafreundlichen Energiewende.

Bislang ist öffentlich nicht bekannt, wie Hamburg künftig Wärme und Strom am Standort Tiefstack erzeugen will. Der von der Hamburger Umweltbehörde gestartete Beteiligungsprozess zu Tiefstack war so konzipiert, dass keine Transparenz – geschweige denn eine Partizipation der Zivilgesellschaft an Entscheidungen zur Umgestaltung der Wärmeversorgung in Hamburg – möglich war.

Der viel zu schleppende Kohleausstieg sowie bekannt gewordene Umrüstungspläne stoßen seit langem auf breite öffentliche Kritik. Bereits im Oktober 2020 gab es eine Stellungnahme gegen Pläne, am Standort Tiefstack künftig Buschholz aus Namibia zu verbrennen.







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