Völkermorde und andere Massenverbrechen. Religiöse Probleme?

04.09.16
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Von Reinhold Schramm

»Zivilisten in 14 Staaten sind von Massenverbrechen wie Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit bedroht. Allein im 1. Quartal wurden 21.000 Menschen getötet.«

Vgl. Freitag-Meinungsmedium*

Kommentar

Religiöse Probleme?

“Wie Darwin das Gesetz der Entwicklung der organischen Natur, so entdeckte Marx das Entwicklungsgesetz der menschlichen Geschichte: die bisher unter ideologischen Überwucherungen verdeckte Tatsache, dass die Menschen vor allen Dingen zuerst essen, trinken, wohnen und sich kleiden müssen, ehe sie Politik, Wissenschaft, Kunst, Religion usw. treiben können; dass also die Produktion der unmittelbar materiellen Lebensmittel und damit die jedesmalige ökonomische Entwicklungsstufe eines Volkes oder eines Zeitabschnitts die Grundlage bildet, aus der sich die Staatseinrichtungen, die Rechtsanschauungen, die Kunst und selbst die religiösen Vorstellungen der betreffenden Menschen entwickelt haben und aus der sie daher auch erklärt werden müssen – nicht, wie bisher geschehen, umgekehrt.“

Vgl. Friedrich Engels: Das Begräbnis von Karl Marx (um den 18. März 1883). Aus: MEW, Bd. 19, S. 335/336.

“Es war nicht nur die Ökonomie, es war für alle historischen Wissenschaften (und alle Wissenschaften sind historisch, welche nicht Naturwissenschaften sind) eine revolutionierende Entdeckung, dieser Satz: ,dass die Produktionsweise des materiellen Lebens den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozess überhaupt bedingt’; dass alle gesellschaftlichen und staatlichen Verhältnisse, alle religiösen und Rechtssysteme, alle theoretischen Anschauungen, die in der Geschichte auftauchen, nur dann zu begreifen sind, wenn die materiellen Lebensbedingungen der jedesmaligen entsprechenden Epoche begriffen sind und erstere aus diesen materiellen Bedingungen abgeleitet werden. ,Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.’ Dieser Satz ist so einfach, dass er für jeden sich von selbst verstehen müsste, der nicht in idealistischen Schwindel festgerannt ist.“

Vgl. Friedrich Engels: Karl Marx, „Zur Kritik der Politischen Ökonomie“. Erstes Heft, Berlin, Franz Dunker, 1859 (3.-15. August 1859). Aus MEW, Bd. 13, S. 470.

Die monotheistischen Welt-Religionen, insbesondere das Christentum, sind ein Erzeugnis der antagonistischen Klassengesellschaften mit ihren Verhältnissen der Ausbeutung und Unterdrückung. Entstanden als Ausdruck der Unzufriedenheit und zugleich der Ohnmacht der ausgebeuteten Volksmassen, wurde zum Beispiel das Christentum sehr bald zur Staats-Religion und in den Dienst der ausbeutenten Klassen gestellt.

“Denjenigen, der sein Leben lang arbeitet und Not leidet, lehrt die Religion Demut und Langmut hienieden und vertröstet ihn mit der Hoffnung auf himmlichen Lohn. Diejenigen aber, die von fremder Arbeit leben, lehrt die Religion, Wohltätigkeit hienieden, womit sie ihnen eine recht billige Rechtfertigung ihres ganzen Ausbeuterdaseins anbietet und Eintrittskarten für die himmliche Seligkeit zu erschwinglichen Preisen verkauft.“ (Lenin)

Die wichtigste Grundlage für die Existenz der Religion in der Gegenwart bildet die kapitalistische Gesellschaftsordnung.

Die spontan wirkenden Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise, die zu sozialer Unsicherheit, Arbeitslosigkeit, Krisen und verheerenden Kriegen führen, sind die soziale Basis für die Existenz religiöser Auffassungen.

Solange die Menschen den Gesetzen der kapitalistischen Gesellschaft ausgeliefert sind und ihre Geschichte nicht bewusst gestalten, erscheinen die sie knechtenden gesellschaftlichen Mächte als überirdische Mächte. Die Ohnmacht und Hilflosigkeit der Menschen widerspiegelt sich in den Vorstellungen eines allmächtigen göttlichen Wesens, dem alle Vollkommenheiten zugeschrieben werden, und das menschenunwürdige Leben der Ausgebeuteten im Diesseits erscheint als die Vorstufe eines glücklichen Lebens im Jenseits.

So ist (jede) Religion die allgemeine Theorie der menschenunwürdigen Welt der Ausbeutung und Unterdrückung, „ihre moralische Sanktion, ihre feierliche Ergänzung, ihr allgemeiner Trost- und Rechtfertigungsgrund“ (Karl Marx). [Vgl. Kleines Politisches Wörterbuch, Dietz Berlin 1973]

 

* Vgl. Freitag-Meinungsmedium, 29.08.2016. Völkermorde und andere Massenverbrechen. Muslimische Probleme? Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Jens Stappenbeck, Stv. Vorsitzender der Menschenrechtsorganisation Genocide Alert e.V., die sich für eine Welt ohne Völkermord und andere Massenverbrechen einsetzt.

www.freitag.de/autoren/jens-stappenbeck/voelkermorde-und-andere-massenverbrechen

 

03.09.2016, Reinhold Schramm (Zusammenfassung)







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