Offener Brief an die Tarifkommisionen der Gewerkschaften ver.di und IG BAU


02.06.08
TopNewsTopNews, Wirtschaft 

 

Oberhausen, den 30.05.2008
Tarifergebnis Wohnungswirtschaft 28.05.2008:
Widerspruch in der Erklärungsfrist bis zum 13.06.2008 zur Weiterleitung an die Bundestarifkommissionen der Gewerkschaften ver.di und IG BAU


Lieber Kollege Lemm,

das, was die Tarifvertrags-Parteien am 28.05.2008 als Ergebnis vorgelegt haben, ist nicht akzeptabel.

1. Die Tariferhöhung für sich allein gesehen gleicht nicht einmal die Inflationsrate aus
2. Die Länge der Laufzeit (29 Monate) ist eine Unverschämtheit für die Kolleginnen und Kollegen

Die berechtigten Forderungen beim Einstieg waren 7,5 % bei einer Laufzeit von 12 Monaten, sie fanden die Zustimmung bestimmt nicht nur in unserem Betrieb, da in der vorherigen Tarifrunde - mit der Begündung der schleppenden Konjunktur - mit den von euch vereinbarten Erhöhungen von 0,9 % ein Realeinkommensverlust hingenommen werden musste.

Ihr habt vor der Aufnahme der Verhandlungen der Tarifrunde 2008 am 9.April verlauten lassen:
"Die Finanzlage in der Wohnungswirtschaft hat sich seit der letzten Tarifrunde
deutlich verbessert", sagt IG BAU-Vorstand Frank Wynands, zuständig für die
Wohnungswirtschaft.

Das Ergebnis, das ihr uns vorlegt, spricht eine ganz andere Sprache:
"Es handelt sich um ein dreistufiges Ergebnis mit einer Laufzeit von 29 Monaten. Damit wird dem Bedürfnis der Unternehmen an Planungssicherheit Rechnung getragen."

Die Frage, die sich den Beschäftigten in der Wohnungswirtschaft stellt, ist eine ganz andere:
was ist mit der Planungssicherheit unserer Mitarbeiter und ihrer Familien, die mit real immer weniger Geld bei steigender Arbeitsverdichtung und steigenden Lebenshaltungskosten in eine Abwärtsspirale geraten, wobei zu beachten ist, das durch die geringen Einkommenszuwächse die an die Einkommenslage gekoppelten Rentenansprüche ebenfalls immer geringer ausfallen.

Das, und wirklich in allererster Linie das ist es, was die Verhandlungspartner der Gewerkschaften umtreiben sollte.
Die Unternehmerverbände sorgen schon für sich selbst, darauf ist Verlass.

Und  wenn die Gewerkschaftsvertreter, denen auch meine Beiträge ihre eigene Einkommenssituation ermöglichen, immer noch auf dem Gleis fahren, mit Co-Management und Sozialpartnerschafts-Gedanken in Zeiten des Finanzmarktkapitalismus Interessenvertretung im Namen der Beschäftigten betreiben zu können: dann prognostiziere ich den Gewerkschaften weitergehenden Mitgliederschwund und zunehmende Bedeutungs- und Machtlosigkeit.

Tarifpolitik im Interesse der Beschäftigten kann nur bedeuten:

mindestens 5 % im ersten und 4 % im zweiten Jahr bei einer Laufzeit von 24 Monaten.
Darunter darf es keinen Abschluß geben.
Weil jedes Ergebnis unterhalb dieser Linie einen realen Einkommensverlust bedeutet.

Nur bei einem solchen Ergebnis kann ein Mitgliederschwund verhindert. können vielleicht sogar neue Mitglieder gewonnen werden...


Mit kollegialen Grüßen

 

Jürgen Soppa
Betriebsrat IWS & ver.di-Mitglied
und weitere Unterzeichner in der Anlage


Wegen der Kürze der Erklärungsfrist kann eine reguläre Unterschriftensammlung nicht durchgeführt werden; der Tenor auf meine E-Mail an die Beschäftigten bei der IWS ist eine deutliche Zustimmung zu dem Offenen Brief.

Hintergrund:

Die wichtigsten Ergebnisse der Tarifverhandlungen:

Die Tarifvertragsparteien haben sich nach intensiven und konstruktiven Verhandlungen in der Tarifverhandlungsrunde am 28.05.2008 in Berlin auf folgendes Tarifergebnis verständigt:

1. Der Tarifvertrag hat eine Laufzeit vom 01.07.2008 bis 30.11.2010.
2. Die Löhne und Gehälter (nicht die Auszubildendenvergütungen) werden zum 01.07.2008 um 3,0 % (aufgerundet auf volle 10,00 €) angehoben.

3. In dem Gebiet, in dem das Grundgesetz vor dem 03.10.1990 galt, erfolgt mit der Sonderzahlung gemäß § 8 Abs. 1 MTV (Weihnachtsgeld) 2008 eine Einmalzahlung an alle Arbeitnehmer mit Ausnahme der Auszubildenden, gemäß folgender Tabelle Vergütung x 12 ./. 100, aufgerundet auf volle 5,00 €. "

…..
"4. Die Löhne und Gehälter (nicht die Auszubildendenvergütungen) werden zum 01.07.2009 um weitere 1,5 %, aufgerundet auf jeweils volle 10,00 €, angehoben.

5. In dem Gebiet, in dem das Grundgesetz vor dem 03.10.1990 galt, erfolgt mit der Sonderzahlung gemäß § 8 Abs. 1 MTV (Weihnachtsgeld) 2009 eine Einmalzahlung an alle Arbeitnehmer mit Ausnahme der Auszubildenden gemäß Nr. 3 dieser Vereinbarung.

In dem Gebiet, in dem das Grundgesetz vor dem 03.10.1990 nicht galt, können die Unternehmen die Einmalzahlung ganz oder in Teilen gewähren.

6. Die Löhne und Gehälter (nicht die Auszubildendenvergütungen) werden zum 01.05.2010 um weitere 1,0 %, aufgerundet auf volle 5,00 €, angehoben.

7. Die Auszubildendenvergütungen werden ab dem 01.07.2008 für jedes Ausbildungsjahr jeweils um 30,00 € und ab 01.07.2009 um weitere 25,00 € angehoben.

8. Es wird eine Erklärungsfrist für beide Seiten bis zum 13.06.2008 vereinbart.

Es handelt sich um ein dreistufiges Ergebnis mit einer Laufzeit von 29 Monaten. Damit wird dem Bedürfnis der Unternehmen an Planungssicherheit Rechnung getragen. Die linearen Erhöhungen gelten unterschiedslos für alle Unternehmen in Deutschland."

…...
"Weitere Erhöhungen sind dann jedoch bis zum Ablauf des Tarifvertrages nicht vorgesehen.
Das Tarifergebnis hat ein tarifmathematisches Volumen von ca. 3,05 % für die Unternehmen in den alten Bundesländern und ca. 2,20 % für die Unternehmen in den neuen Bundesländern.

Die Tabellen zu Löhnen, Gehältern und Ausbildungsvergütungen erhalten Sie, wenn der Tarifabschluss bestätigt ist, somit spätestens kurzfristig nach dem 13.06.2008. "

 

 

 

 

 







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