Berlin: 15000 auf revolutionärer 1.Mai-Demo


Bild: indymedia

02.05.09
TopNewsTopNews, Bewegungen, Berlin 

 

Von LottoOtto

Während und nach der revolutionären 1.Mai-Demonstration in Berlin kam es am Freitag Abend zu Ausschreitungen. Die Polizei war von Anfang an sehr Präsent und dicht an der Demo. Schon ca. 300m nach Demostart wurden die ersten Polizeihundertschaften verjagt. Bei späteren Angriffen der Polizei auf die Demo gab es etliche Verletzte. Der Aufzug wurde daher frühzeitig beendet und die Route gekürzt. Stärkster 1.Mai in Berlin seit 2004!
Am gestrigen Freitag abend fand in Berlin die alljährliche revolutionäre 1.Mai-Demonstration statt. Während bei den Demonstrationen von Gewerkschaften und dem MayDay-Bündnis lediglich an die 5000 Menschen waren und damit die erwarteten Zahlen(DGB:20000, MayDay: 10000) weit unterboten wurden, konnte die revolutionäre 1.Mai-Demonstration in diesem Jahr wieder an Stärke gewinnen und lief mit etwa 15000 Personen durch Kreuzberg.
Im Vorfeld hatte es die übliche Hetze von CDU und Boulevard-Presse gegeben, aber auch die Linkspartei mischte mit als bekannt wurde, dass ein Linkspartei-Komunalpolitiker die Demonstration anmeldete. Daraufhin distanzierten sich die Führungsebenen von der Berliner Linkspartei und der Bundes-Linkspartei von der Demonstration. Lediglich die Antikapitalistische Linke innerhalb von Die.Linke solidarisierte sich mit Anmelder und Aufzug. Motto der Demo war "Kapitalismus ist Krieg und Krise!"

Die Demo sammelte sich zunächst in der Reichenberger Straße südlich vom U-Bahnhof Kottbusser Tor und unweit vom MyFest und der dortigen Bühne "Barrio Antifascista". Es formierten sich zunächst 3 größere Blöcke. Der Größte war wohl der sogenannte Jugendblock von unter anderem der AJAK, AIR und dem Schülerbündnis "Bildungsblockaden einreißen!". Dieser Block lief an der Front. Dahinter gab es noch einen Solidaritätsblock für Mumia Abu-Jamal und von kurdisch-sprachigen Linken. ALB und ARAB organisierten außerdem erneut einen großen Truck, von welchem aus ein paar Acts spielten.

Gegen 19 Uhr schließlich setzte sich der Aufzug weitestgehend vermummt in Bewegung und bog zunächst in die Mariannenstraße ein. Die Polizei war von Anfang an massiv an der Demo, wurde allerdings auch schon früh attackiert als der Aufzug die Kreuzung Mariannenstraße/Skalitzer Straße erreichte. Mit Polenböllern, Flaschen- und Steinhagel wurden so zunächst die ersten Einheiten vertrieben ehe es durchs MyFest-Areal ging. Hier wurde gleich zu Beginn von den vorderen Reihen eine Bengalische Fackel entzündet, die dem Aufzug ein imposantes Bild verpasste. Die an die Route angrenzenden Bühnen stellten die Musik ein und grüßten die Demo. An der Ecke Mariannenstraße/Muskauer Straße bog die Demo schließlich ein und verließ das Fest.
Kurz hinter der Kreuzung Muskauer Straße/Manteuffelstraße griffen Einsatzhundertschaften nun zum ersten Mal die Demo frontal an und verletzten dabei etliche Teilnehmer mit unter schwer. Nun gab es abermals einen Flaschen- und Steinhagel, sowie massig Böller, die auf die zahlreichen Beamten niederprasselten. Nach rund 10 Minuten hatte sich der Aufzug wieder formiert, die Situation war allerdings äußerst angespannt und zum Teil unübersichtlich. Langsam zog die Demo nun im Polizeispalier weiter, ehe sie an der nächsten Biegung der Ecke Muskauer Straße/Eisenbahnstraße erneut zum stehen kam, weil die hinteren Teile der Demo zu langsam liefen und aufrücken mussten. Während dessen regneten fortwährend Steine und Flaschen auf die drumrum befindlichen Polizisten nieder. Am Lausitzer Platz kam die Demo erneut zum Stehen, lief dann zur Ecke Lausitzer Straße/Wiener Straße weiter, wo sie nochmals für rund 10 Minuten zum stehen kam.
Hier wurde klar, dass sich das Bündnis dafür entschied doch nicht noch nach Neukölln und denn zurück zum Kottbusser Tor zu laufen, sondern von der Wiener Straße auf die Skalitzer Straße einzubiegen und schließlich den Aufzug am Kottbusser Tor frühzeitung und mit gekürzter Route zu beenden. Der weitere Marsch nach Neukölln wäre sicherlich nach hinten losgegangen, hätten die Cops hier doch weit ab vom MyFest beste Möglichkeiten die Demo anzugreifen und abzudrängen. Gegen 21 Uhr kam die Demo nun am Kottbusser Tor an. Dadurch konnten sicher etliche weitere Verletzte verhindert werden. Die Polizei, die sich dessen bewusst ist, dass sie Feindbild Nr.1 in Kreuzberg am 1.Mai und darüber hinaus ist, war von Anfang an äußerst repressiv an der Demo dran, provozierte so ganz bewusst und trägt definitiv damit zumindest eine Mitschuld an der Eskalation der Demo.

Am Kottbusser Tor ging der Trouble nun weiter. Rannten die Hundertschaften und an einer Stelle rein und stifteten Unruhe und Angst, wurden sie ebenso offensiv auch wieder zurück geschlagen und mussten ein ums andere Mal etwas schneller den Rückwärtsgang einlegen. Es fiel dabei auf, dass die Beamten in diesem Jahr vor allem den Fokus auf das Verletzten von Menschen gelegt hatten und weniger auf das Löschen und Verhindern von Feuern, die schließlich zahlreich rund um das Zentrum Kreuzberg loderten. Auf der Adalbertstraße am Zentrum Kreuzberg errichteten Migranten, Autonome und Punks zunächst Barrikaden aus am Rand stehenden Hamburger Gittern und schützten sich so vor einem Großangriff der Cops. Die Polizei setzte nun unter anderem Tränengas und Pfefferspray ein, sprühte dies sogar Leuten aus unter 0,5m Entfernung direkt ins Gesicht, wodurch diese zum Teil starke Atemprobleme bekamen. Wenn die Beamten reinrannten, dann weniger Knüppelschwingend, sondern viel mehr exzessiv tretend und schlagend. Einer jungen Schwangeren schlug ein Beamter mit Berliner Stadtwappen am Ärmel mehrmals in den Bauch. Die Auseinandersetzungen dauerten bis etwa 0.30 Uhr an und es wurden etliche Personen verletzt und festgenommen.

Abschließend bleibt zu sagen, dass dies der kräftigste 1.Mai in Berlin seit 2004 war und sich dieser dem positiv-Trend der letzten 2 Jahre anschloss. Im vergangenen Jahr griffen Linke den Berliner Polizeipräsidenten Dieter Glietsch aus dem ca. 12000 Menschen großen Aufzug heraus an, vertrieben die vor der Demo fahrenden und laufenden Polizeikräfte und konnten einen Angriff von Team Green erfolgreich zurückschlagen.

Quelle: http://de.indymedia.org/2009/05/248971.shtml







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