Euromayday Bremen: Was für eine Premiere!


Bild: indymedia

02.05.09
TopNewsTopNews, Bewegungen, Niedersachsen 

 

Von 'nie mehr vor mittag'

+ + + Erste Bremer Euromaydayparade + + + Organisator_innen: "Ein voller Erfolg" + + + 500 bis 800 Teilnehmer_innen + + + Her mit dem schönen Leben! + + +

Der Tag hatte schon früh angefangen für ein gutes halbes Dutzend Mayday-Aktivistinnen, die sich nach den Paradenvorbereitungen in Superheldendress und "Überflüssigen"-Pulli geworfen und unter die Leute auf der Auftaktkundgebung der Gewerkschaftsdemo am Bremer Osterdeich gemischt hatten, um die Kollegen vom DGB mit einem kurzen Klemmbrettfragebogen nach ihrer Meinung zu Prekarisierung, zur Krise und zum Bremer Euromayday zu befragen.

Nachdem die Maifeiertag-Extraseite in der "Nord-Ausgabe" der TAZ vom Vortag mit Interviews mit der lokalen DGB-Chefin Helga Ziegert und der Bremer Mayday-Activista Lea aufgewartet hatte und dabei sehr auf Betonung der Gegensätze zwischen DGB und Maydaybewegung erpicht gewesen war, wollten die Klemmbrett-Heldinnen nun nach Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Veranstaltungen fragen.

Als die Gewerkschafterinnen hörten, dass es auf der ersten Bremer Maydayparade um prekäre Arbeitsverhältnisse gehen sollte, also auch um Befristungen, Leiharbeit und unbezahlte Praktika, waren erste Vorbehalte schnell abgebaut. Fast jeder Kollege wusste von prekärer Arbeit in seinem Betrieb zu berichten. Auch die Mayday-Vertreter staunten nicht schlecht, als die meisten DGB-Kolleginnen auf die Fagebogen-Frage "kannst Du Dir auch eine Welt ohne Kapitalismus vorstellen?" entweder mit "b) Einen Versuch wär's wert" oder mit "a) Ich träume jeden Tag davon" antworteten. So kam es, dass man manch eine Gewerkschafts-Kollegin später auf der Parade wieder sah, die eine oder andere sogar stilecht im roten IG-Metall-Windbreaker.

Nach kurzem bangem Warten auf Paradenteilnehmerinnen auf dem Bremer Markplatz, nur einen Pflastersteinwurf entfernt von der Abschlusskundgebung des DGB mit Michael Sommer und Co., sammelten sich recht plötzlich rund 500 Menschen bei prachtvollem Sommerwetter um den einzigen Lautsprecherwagen. Das Bremer Bündnis hatte nur mit ca. 250 Leuten gerechnet. Kurz nach dem Start der Demo sollte die Parade aber noch auf rund 800 Menschen anschwellen.

Es war die erste Euromayday-Parade in Bremen, den Bremerinnen musste man aber nicht viel erklären. Nicht nur die Stimmung war vorbildlich, die Teilnehmer hatten sich auch im Vorfeld schon einiges einfallen lassen, um selbst das Bild der Parade zu prägen. Neben zahlreichen eigenhändig bemalten Sprechblasen-Schildern, die das Mayday-Bündnis nach Hamburger Vorbild zum selbst beschreiben vorbereitet hatte, gab es auch einige Großprojekte zu bestaunen: Ein rollendes Bett fuhr durch die Parade, und machte auf die skandalösen Arbeitsbedingungen in der Pflegeindustrie aufmerksam. Drei "Gehzeuge" aus Holz nahmen den Raum eines großen PKWs ein, um die Maßlosigkeit der Automobilpräsenz im öffentlichen Raum vor Augen zu führen und für den Bremer Umsonstfahrtag am 16. Mai 2009 zu werben ( http://klimaplenum-bremen.blogspot.com/). Eine selbsternannte Putzkolonne schwang den Wischmob und putzte den Cafébesucherinnen des Ostertorviertels die Latte-Macchiato-Gläser blank. Eine kleine Frack&Zylinder-Jubeldemo in feinem Zwirn polierte derweil das Image "ihrer" Postbank an der Domsheide mit viel Spüli auf.

Auch das Bündnis hatte für den Lautsprecherwagen viele Beiträge vorbereit: Mit zahlreichen kurzen Kommentaren wurde während der Fahrt das Bremer Stadtbild kommentiert. So wurde z.B. zwischen Amts- und Landgericht das Thema Klassenjustiz am Beispiel der zahlreichen ÖNPV-Umsonstfahrerinnen aufgerufen, am Goetheplatz-Theater die Arbeitsbedingungen der Kulturindustrie beklagt. Vor dem Penny am Ostertorweg erklärte man sich solidarisch mit Emily aus Berlin und allen anderen Menschen, die sich gegen die Arbeitsbedingungen bei Discounter-Supermärkten zur Wehr setzen. Die Gruppe um das rollende Bett sprach über Pflegearbeitsbedingungen und warb für den derzeit bundesweit laufenden "Scheiß-Streik" ( http://www.jenseits-des-helfersyndroms.de/). Viele weitere Beiträge sprachen über Flucht und Migration, über den ersten Mai, prekäre Arbeit und vieles mehr

Höhepunkte der Parade waren sicher die Beiträge zweier Flüchtlingsaktivisten, die über ihre prekären Arbeitsverhältnisse unter rassistischen Vorzeichen bei einer Leiharbeitsfirma und einer Fleischfabrik berichteten.

Das Demobündnis hatte sich viel vorgenommen. Trotz spontaner Streckenkürzung bröckelten kurz vor Schluss große Teile der Parade weg. Aber auch der tapfere Rest, der lautstark auf dem traditionellen linken Bremer Straßenfest in der Buchtstraße eintraf, konnte sich wirklich sehen lassen.

Was für ein Start für den Bremer Euromayday! Doch dabei soll es nicht bleiben: "Wir sind kein Paraden-Bündnis" meint ein Bündnissprecher noch auf dem Straßenfest: "Wir bleiben das ganze Jahr am Start und arbeiten weiter an der Vernetzung der zahlreichen verschiedenen sozialen Kämpfe Bremens, um den vielen verschiedenen Gesichtern der Prekarisierung endlich einen Ausdruck geben zu können. Stay tuned!"
  http://sozialkonflikt.de/mayday/index.html

Quelle: http://de.indymedia.org/2009/05/248950.shtml







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